Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 98 (16.11.1839)
- Date
- 1839-11-16
- Page
- Seite 599 (sequence 11)
- Language
- German
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399 wir auf das Leben in Gott, bas sich wie ein rother Faden durch die ganze heilige Schrift webet, kamen, worauf sie alles zurückführt und das die Centralsonne ist, die alles bewegt und erwärmt, — auf den Begriff dieser Gottheit selbst, die sich hier offenbart und wie sie ihre Strahlen senket in die arme Menschenbrust und der Mensch in Gebet sich zu ihr emporhebt, worin er alles sagen und wagen kann, sein Glück und sein Unglück, ungehört von den unterirdischen Machten, weil es Gebet ist — da wurden Kalir's Augen leuchtend, sein Gesicht schien verklärt, er -war selbst .ein Prophet des Herrn, dem sich der Himmel erschloß, der mit seinem weissagenden Gefühle die Unebenheiten des Geschickes glättet und die feinen Fühlfäden seines Herzens schlangen sich und zuckten in jeder Wunde der Menschheit und mit seinem zarten Finger zeigte er auf das Buch, das den Balsam enthält für diese Wunden. — Auch von andren Wissenschaften wurde uns' einige- Kunde und 'wir lernten die Elemente um so leichter, je sinnreicher Kalir's Methode war und je geschickter er aus uns selbst jede Fertigkeit zu entwickeln verstand. Wenn dann der Abend kam und das helle Roth am Himmel auf Feld und Flur den magisch zarten Schein warf, durchwanderten wir wol den nahen Forst und lauschten dem Gesang der Nachtigallen und athmeten die erfrischende Kühle, dann hörten wir die Männer sprechen von den Geschehnissen "der Vorzeit und immer war bei Kalir Israel das Hauptthema, auf das er zurückkam. Auch las Kalir zuweilen dem Freunde eines seiner poetischen Erzeugnisse vor; unter welchen eines, das ich später abschrieb, mir Glanzseiten. in der Geschichte Israels eröffnete, die' diesem selbst sehr fremd und unbekannt blieben, und in welchem ich das ehemalige Leben unsers Volkes in ganz anderm Lichte kennen lernte, als es in meinem Dörflein möglich war, möglich gewesen Ware. —'1 Siehe, mein Joseph, wie einladend dieses Plätzchen ist, eine Trauerweide hängt über den klaren silberhellen Bach, auch ist die Luft heute mild und warm und schon verkündet die Lerche den nahen Frühling, wir haben nur noch wenige Schritte zu' unsrer Nachtherberge, ist es dir recht, so unterbreche ich den Faden meiner Geschichte, die dich vielleicht schon ermüdet und theile dir die Erzählung Kalir's mit, mir zugleich eine süße Erinnerung^ Es ist die Geschichte des letzten Hasmonaers. v (Fortsetzung folgt.) - Anszü g e. Elue Zndenhochzeit in Smyrna. (Aus einem Briefe Baptistin Poujoulats. Revue de Paris. 8. Sept. Ich hätte, da ich nicht gerne frühere Reisende wiederhole, aus Smyrna nichts zu berichten, wäre ich nicht Zeuge einer jüdischen Hochzeit gewesen. Vor allem muß ich. bemerken,-daß <S unter den Juden von Smyrna Heuratsmäkler giebt, welche vollkommen genau wissen, in welchen Häusern heiratsfähige Töchter sind, und welche Familien zusammen passen können. Zum Lohne für ihre Unterhandlungen erhalten sie fünf Pröcent vom Heirathsgut des jungen Mannes, und eben so viel von dem deS Mädchens. Die ehelichen Verbindungen werden unter den Juden im Oriente sehr frühzeitig geschloffen. „Das beste'Alter," sagt der Talmud, „ist dreizehn Jahre, das gute Alter 18 Jahre. Wer mit 20 Jahren noch keine Frau nehmen will, soll von Gerichts wegen dazu gezwungen werden." Die jüdischen Gesetze gleichen in dieser Beziehung den lacedämonischen, welche das'ehelose Leben für ehrlos erklärten. In Smyrna wird das häusliche Glück der jüdischen Familien allgemein bewundert, Jeder rühmt die Lugenden der Frauen dieses Volks: der Ehebruch gilt als das größte Verbrechen, kein Vorwand, keine Leidenschaft kann ihm Verzeihung verschaffen. Die exemplarische Aufführung der jüdischen Frauen hat ohne Zweifel ihre Quelle in den moralischen Gesinnungen, die ihnen von Jugend auf eingcprägt werden; indeß muß auch der Gebrauch, sie zu verhcirathen, sobald sie mannbar geworden sind, zur Reinheit ihrer Sitten beitragen. Die Ehescheidung ist nur in dem Fall gestattet, wo. die Frau ihre ehelichen Pflichten vergißt, oder wenn sie zehn Jahre ohne Kinder bleibt. Die Hochzeitsfeicr geschieht nie in der Synagoge , und bei den Juden ist auch die Ehe, genau betrachtet, kein religiöser Act. Ein jüdischer Cicerone hatte mich eingeladcn, einer Hvchzeitsfeier Leizuwohnen, und mir Eintritt zu derselben verschafft. Nachdem wir durch mehrere sehr schweigsame Straßen des' jüdischen Quartiers gekommen waren, erreichten wir das Haus des Bräutigams, das von außen ein elendes Ansehen hatte, im Innern aber einem Pallaste glich. Wir befanden uns in einem großen, mit auffallender Reinlichkeit gehaltenen Saale: rin. schoyer Lustre hing von der Decke herab. Und an den Wänden liefen scharlachrote Divans umher, auf denen mehr als zweihundert Juden faßen, und unter langsamen'Schütteln des Kopfes sin der Spräche Davids die Gesänge wiederholten, die einst auf dem Berge Moriah erklangen. „Glücklich ist der, der den Herrn fürchtet, und in feinen. Wegen wandelt! Er lebt von der . Arbeit sseiner Hände, und wird des Glücks tbeilhaftig werden, sein Weib wird sein gleich fruchtbaren Weinstock, seine Kinder, wie junge Olivcnbäume, die seine Feste zieren, so wird gesegnet sein der Mann, der den Herrn fürchtet.Möge Jehova von den Zinnen Sions herab auf ihn seine Wohltaten auöstreuen, und. ihmdie Herrlichkeit Jerusalems zeigen. Möge er die Kinder seiner Kinder und den Frieden in Israel schauen!" ÄZährend diese Worte gesungen wurden, trat ein Greis mit einem weißen Barte, in den Saal: es war ein Rabbine. Alle