Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 98 (16.11.1839)
- Date
- 1839-11-16
- Page
- Seite 597 (sequence 9)
- Language
- German
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697 dieWangen liefen, er aber drückte immer inniger und sanfter meine Locken, er,,sprach kein Wort, aber es glühete wol gewaltig jn. seinem Herzen. . Noch einmal kehrten wir zur Gaststube zurück, er.erquickte mich mit warmer. Milch uno weißem Brode, kaufte für mich schönes Linnen von der Mi hin, bezahlte die Zeche und wir gingen weg. Herrlich und glänzend annoch. seit so vielen Jahren stehest, du vor mir, du freundlicher Morgen, da mir aufging die Sonne der Menschenliebe und des Menschenwohlwollens, da seh ich dich.noch, du seltner Mann, mit dem..Adel auf der hohen Stirn und den großen liebevollen Augen, welche aus deiner schönen Seele hervorsahen, wie die Seele des Gerechten schauet aus dem klaren Jenseits in die dunkle-trübevolle Welt.; Uni) ich beweine dich sehr, mein trauter Führer, ach daß du untergingest und deinem Israel erstürbest, ohne zu deinen Vätern einzugehen in Frieden. O du täuschende und getäuschte Erdenwelt mit deinen .Träumen.und Seufzern , .mit deinem.Streben, die Lumpen, -deines geistigen Bettlergewandes Husammenzusuchen und die Flicken, abzuborgm den Phantasmen, die du Glück und Glückseligkeit nennest. Immer hämmerst und pochst du in dem Grubenwerke hohler Hirngespinnste und der Steiger deines Aberwitzes treibt dich an zur endlosen mühevollen Arbeit.und beim Herauslesen des ächten Erzes, das dir Genuß gewähren soll, verlangst du noch keinen Sonnenblick, der. dich erquicken könnte, bis plötzlich dje B.ergglocke aufjört zu.tönen und die Waffer stürzen, und du froh bist, rHnn dich der Eimer hastig aufnimmt und. zu Tage; fördert, um. müde und abgelebt vor deinem Herrn , die Sonntagsparade .abhalten zu können! Schweigend setzten wir unsere Reise fort, ich wußte nicht, wohin der Weg führe, aber je weiter wir an dem Tage kamen, desto wehr - beflügelte mein Führer seine Schritte und fein ganzes Wesen; schien von einer frohen Hoffnung gehoben zu.werden. Ich nahm Theil an seiner Freude,, .es .war mir, als ginge.auch ich einem glücklichen Abend entgegen. Endlich in der Dämmerung kamen wir in einem Landstädtchen, an, er fragte , nach einem Jehuda Kalir, mau bedeutete ihm, .daß dieser vor der Stadt.,, dicht, am jenseitigen .T.hore wohnte und daß^er das Haus an zwei vor der Thür stehenden .großen Kastanienbäumen erkennen würde. Kaum konnte: ich ihm durchdie; stillen Straßen folgen., wo :fo eben die - Heerden zurückjkehrtm, Kinder mit frohem Tumulte spielten und .die- FeierabendglE traulich - vom Thurme erscholl. Wir kamen durchs das jenseitige Thor, bleicht fanden wir das bezeichnte Haus, wir eilten, durch, .die offene Thür, da schritt, .aus dem Hoftaume -ein kleiner, untersetzter Mann.mit ..freundlichem höchst..anziehendem..Gesichte, . von der Stirn war ihm das rabenschwarze Haar nach dem Hinterhaupte zierlich gestreift, im Auge lag ein ganzer Himmel der Zufriedenheit und des innern Genügens. Beide Männer blickten sich lange an, endlich stürzten sie sich in die Arme. „Ben Kalir, mein Herzensfreund!" rief ihm mein Führer zu. „Manasse, sehe ich dich wieder?" sprach tief ergriffen der fremde Mann. Und wie sie sich wieder ansahen, umarmten sie sich von neuem in sprachloser Rührung. Mein Führer, dessen Namen ich hier zuerst hörte, schien begeistert. Er sah sich wonnetrunken im großen, reinlichen Hausflur um und rief in feierlichem Tone: „Wie schön sind die Gezelte, wo der Friede wohnt. Sei gegrüßt, Haus meines Freundes, glückliche Stätte der Eintracht, ach, wie athme ich auf in deinen Mauern, wie durchströmt das Seligkeitsgefühl, das das Leben meines Kalir erwärmt, in mein Jnnres. O, ich möchte diesen Moment des Eintrittes festhalten, es ist eine der Perlen, die die Schicksalswogen mir an's steile Ufer hinwerfen, mein Kalir, ich bin überglücklich!" So traten wir ein in Kalir's Gemach. Eine schöne Frau kam uns entgegen, ein Knabe und eine Tochter saßen am Tische. Kalir stellte seine Frau seineni Freunde, vor. „Es ist Manaffe, von dem ich dir so viel erzählt, seine Ankunft ist uns keine unerwartete Freude; es ist mein Weib, es find meine Kinder, von denen ich dir schrieb, lange, lange säumtest du, das Glück deines Freundes zu sehen." — Auf das ganze Zimmer war ein wahrhafter Zauber häuslichen Glückes gegossen, der auf mich seinen wunderbaren Einfluß übte. Ich sah mich um; freilich nirgends die üppige Pracht, die mir, wenn eine Flügelthür beim Edelmann aufging, entgegen schimmerte, aber diese bürgerlich-häusliche Ordnung war mir etwas Neues, nie Gesehenes. Dort in einer Ecke ein altes Klavier von Nußbaumholz, darauf die einfache, wollene Decke, um es vom Staube zu bewahren, ein freundliches Zeichen, daß die Kunst, wenn auch ungeziect und beschränkt, sich heimisch gemacht, dort der eichene Schrein mit dey glanzenden Taffen und den blanken zinnernen Kannen auf dem Gesimse, und zierliche Puppen und Figuren von Porzellan, Musikanten aller Instrumente vorstellend — die Pietät haftet an diesen Erbstücken mit kindlichem Sinn; die Wanduhr mit dem gleichförmigen Schlage und dem tiefen Domtone ihrer Feder, die die Stunden abmkßt- > die trüben und heitern.und die langen Nächte verkürzt und die Gedenktafel der Gegenwart ist; der Lehnstuhl am Ofen, der gelbe Sänger des Südens im Bauer, laut jedem Sonnenstrahle zutrillernd und auf. dem. reinlichen Fußboden -der weiße, knickende Sand — alles, alles die Verkünder häuslichen Friedens, aber es würdigt sie nur der in die Welt Hinekngesto- 98