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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-16 · Heft 98 (16.11.1839) · p. Seite 596

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 98 (16.11.1839)
Date
1839-11-16
Page
Seite 596 (sequence 8)
Language
German
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396 wie Cedern standen, eine unermeßliche Anzahl üppiger Gewächse hauchte balsamische Düfte aus, rings herum standen Bosquette von Rosen, die geschlängelten Wege waren mit gelbem Sande zierlich geebnet, aus einem prächtigen Landhause ertönte Saitenspiel und Gesang einer weiblichen Stimme, die mein ganzes Wesen durchdrang; ich selbst war ganz verändert, ein leichtes Gewand umhüllte meine Glieder, es lösten sich erhebende Gefühle von meinem Herzen, und der Mann mit dem Buche ging ernst neben mir her und sprach mit mir in erhabenen Worten, die ich wohl verstand. Aber immer wieder zog es mich nach dem Landhause hin, wo die Stimme her kam, doch siehe, vor dem Hause stand auf ein Mal mein Vater als blinder Bettler und winkte mir ab, ich wollte auf ihn zueilen, aber der Mann mit dem Buche hielt mich zurück und so erwachte ich. Der Morgen brach an, die Sonne ging auf in herrlicher Pracht, die Blüthen des Lindenbaums vor der Thüce des Wirthshauses spendeten ihren Duft durch -das Fenster, seine Zweige und Blatter warfen wellenförmige Schatten in das Zimmer,' noch schliefalles fest, der Unbekannte stand aber vor mir und legte mein Haupt zurecht auf einem Kissen. Mit milden Blicken sah er mich freundlich an und mahnte mich in zutraulicher Rede weiter zu schlafen, da ich schon einige Stunden hier unbemerkt gesessen hatte, den Kopf an die harte Wand gelehnt. 8. ,,Du suchest Frieden? Friede wohnt hier! " Herd er. Bald indeß erweckte mich von Neuem das Geräusch der aufstehenden Gäste, ach! es war ein greller Abstand zwischen Traum und Wachen. Vor der Thür zankten Frachtfuhrleute, die sich in die Räder gefahren hatten, aus der Küche erscholl das Keifen der Wirthin mit den Weibern, die den Kindern den Frühtrank bereiteten und es drang qualmend ein fast erstickender Rauch in die Stube. Hier waren Mägde beschäftigt, das Lagerstroh wegzuräumen und den Schmutz vom Boden zu kehren, in einem Winkel stand der reisende Sänger und hatte Gebetriemen mit faustgroßen Hüten am Kopfe und schrie, aus allen Leibeskräften seinen Morgensegen, der Speculant rannte wüthend von Thür zu Thür, denn man hatte ihm eins seiner erbärmlichen Effecten gestohlen und der Wkrth suchte bald durch Zureden, bald durch donnerndes Fluchen und Toben ihn zu besänftigen; Bettler versuchten ihre Leierkasten, eine Menge von Landleuten legten ihre Körbe ab, um auf dem Wege zum Markte des nahe liegenden Städtchens auszuruhen und forderten ungestüm Getränk. Ich sah mich befremdet um, Heil mir! mein Blick siel auf meinen Unbekannten, der wieder am Fenster stand und das Haupt auf die Hand gestützt nach der Ebene blickte, Als er mich gewahr wurde, trat er vor mich hin und' sah mich lange an, ich blickte ihm frei in's Angesicht und meine Augen wurden feucht. Da fragte er mich, woher ich käme und wohin ich wollte? und als ich ansing zu sprechen, nahm er mich bei der Hand und führte mich hinaus unter die Linde, wo ich ihm meine Geschichte erzählte. Es war das erste Mal, daß ich zu einem Menschen in zusammenhängender Rede sprach, ich weiß nicht, wo ich die Worte fand, aber es war mir, als stiegen Gefühle, die lange in mir geschlafen, verkörpert aus meinem Innern, das beflügelte Wort übte selbst auf mich eine ungeahnte Kraft, die mich in Erstaunen setzte und mir rathselhaft schien. Mein Unbekannter saß neben mir auf der Bank, schauete mich bald mit forschendem, durchdringendem Blicke an, bald sah er auf die Erde und zeichnete mit seinem Stocke Figuren in den Sand. Als ich aufgehört zu erzählen, fühlte ich mich erleichtert, die Erlebnisse meiner Jugend waren gleichsam Jahrelang zurückgerückt; obgleich erst wenige Monden verflossen waren, seit ich das Schrecklichste erlebt hatte, so schienen mir doch alle Bilder der Vergangenheit, wie von leichtem Nebel verhüllt, und war es die Nahe eines befreundeten Menschen, oder der Eindruck, den der heitere Himmel, die grünende Au, das schattige Dach aus den Zweigen des Baumes auf mich machten, mein Geist hob sich auf Schwingen und schwebte über der Wehmuth der erlittenen Uebel. Der Mann stand auf. So lange ich auch erzählt hatte, kein Laut des Mitleids war über seine Lippen gekommen, nur zuweilen wurde seine Physiognomie ernster, er zog die Augenbrauen auf und legte die Stirn in Falten und sah mich mit dem durchdringenden Feuer seiner schönen Augen an, dann preßte er wieder sanft die Lippen zusammen und sah zerstreut in die Ferne oder stützte den Arm auf seine Kniee, als sänne er nach. Als er aufgestanden ging ec mit großen Schritten hin und her, blieb.vor mir stehen und fragte mich: Willst du mit mir gehen, Obadja 'Scheidet, und mein Begleiter sein? Ich will dir... Hier aber hielt ec plötzlich inne und sprach nicht weiter, legte seine Hand auf meinen Kopf und fragte noch einmal: Willst du, Obadja? Ich sah den Mann erstaunt an, ich fragte nicht, wer er wäre, ich fragte nicht, was er mit mir wollte, ich schauete ihm in's schöne Auge, umfaßte seine Kniee und'lallte schluchzend meinen Dank: „Ich gehe mit Euch, mein Herr, und fei es an's Ende der Welt!" Da legte er nochmals wie segnend seine beiden Hände auf mein Haupt und sah nach oben gen Himmel, eine lange Pause war, wahrend mir die Thranen über

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