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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-16 · Heft 98 (16.11.1839) · p. Seite 594

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 98 (16.11.1839)
Date
1839-11-16
Page
Seite 594 (sequence 6)
Language
German
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594 Stelle, das Rabbinat zu Bonn, bei feinen-Lebzeiten zusichern, wett er nicht ohne Grund fürchtete, wenn die Besetzung. derselben nach seinem dereinstigen Hingange der freien Wahl der Gemeinden überlassen bliebe, diese Wahl nicht auf feinen Sohn fallen möchte. — Loch hatte vielleicht dieser junge Mann, wenn man die Dinge ihren natürlichen Lauf hätte gehn lassen, sein Ziel erreicht. Manche, die ihm sonst nicht sehr gewogen, würden ihm doch nach dem Hingange seines Vaters, aus Rücksicht gegen die hinterbleibende Familie, ihre Stimme nicht versagt haben. Andre würden, wenn auch nicht der Familie zu Liede, doch aus ökonomischer! Gründen dasselbe gcthan haben; denn jedenfalls halte man, wenn nicht der Sohn dem Vater im Amte gefolgt wäre, die zahlreiche Familie des alten Rabbinen unterstützen müssen. — Die Nolle aber, welche Vater und Sohn nunmehr zu spielen für gut fanden, hat sie dermaßen kompromittirt, daß jene Rücksichten schwerlich mehr so viel Gewicht haben dürften, die Abgeneigten zu günstiger» Gesinnungen zu bewegen. Nachdem nemlich der junge Auerbach, ohne zuvor eine Universität besucht oder sich sonst wistenschaftlich ausgebildet zu haben, den Dokrortitel von der philosophischen Fakultät zu Gießen erhalten, besuchte er sämmtliche unter dem Rabbinate seines Vaters stehenden zahlreichen Gemeinden. — Neben dem allgemeinen Zwecke, sich da, wo man ihn noch nicht kannte, ein Vertrauen zu.verschaffen, das er in der hiesigen und Bonner Gemeinde nicht besaß, hatte diese Reise des erwähnten Doktors auch noch den speziellen, sich so vieler Stimmen zu versichern, als zu dem von seinem Vater beabsichtigten eoup tl’ ciat nöthig sein würden. — Nach andern Seiten hin war schon alles gehörig vorbereitet, und man schritt jetzt zur Ausführung des gut angelegten Planes. Es wurde vom Consistorium zu Bonn ein offizielles Rundschreiben erlassen, worin es hieß: das Consistorium (welches beiläufig gesagt aus einem Rabbinen und dreien Räthen bestehen soll, schon lange aber, weil letztere zum Theil gestorben, zum Theil unbrauchbar geworden, nur vom Rabbinen allein reprasentirt wurde) müsse, „ergänzt" werden, und zu diesem Behufs wurden in dem Schreiben zugleich auch die Notabeln jeder Gemeinde bezeichnet, welche stch zur Wahl der fehlenden Conststorial- Glieder im Mai dieses Jahres zu Bonn versammeln sollten. Die auf diese Weise vom Rabbinen selbst ernannten Notabeln, mit wenigen Ausnahmen natürlich lauter ihm ergebene Männer, kamen auch wirklich in Bonn zusammen. — In der nicht uninteressanten Sitzung, zu welcher der Rabbine sejnen ältesten Sohn aus Dacmstadt nach Bonn kommen ließ, und in welcher er selbst den Vorsitz führte, ervffnete derselbe in mattem, hinsterbendem Tone die Verhandlung mit der Erklärung, daß er wegen Altersschwäche seine Stelle niederlegen müsse und es daher nöthig sei, einen neuen Rabbinen zu wählen. Zugleich wurde als einziger Kandidat der genannte Doktor vorgeschlagen. — Nun erhob sich ein großer Tumult. Die Notabeln der hiesigen Gemeinde protestirten lautgegen eine so ungesetzliche Rabbinen-Wahl, zu welcher sie außerdem gar nicht zusammenberufen worden seien. Allein der anfangs so schwach und leise auftretende Rabbine begann jetzt mit seinen zahlreichen Freunden die Stimme zu erheben, und die Opposition wurde überschrieen. Es kam zur Abstimmung, die unter den bewandten Umstanden, wie vorauszusehn, zu Gunsten des vorgeschlagenen Kandidaten aussiel. — Was den Unwillen unsrer Notabeln bei dieser Abstimmung noch erhöhte und wol öffentlich gerügt zu werden veroient, war das bei dieser Gelegenheit gezeigte, höchst zweideutige Benehmen des Stadtraths C., eines Notabeln der Gemeinde Bonn und daselbst wegen seines Vermögens einen bedeutenden Einfluß ausübend. Herr C. sprach sich früherüber diese Rabbinenwahl mit unfern Notabeln ganz gleichgesinnt aus, und bot noch bis zum Augenblicke der Abstimmung Alles auf, dieselbe zu hintertreiben. Als es dennoch zur Abstimmung kam und er sah, daß sie günstig für den einzigen Kandidaten ausfallen müsse, gab er zum Erstaunen aller Anwesenden demselben seine eigne Stimme, und nachdem er seine Sinnesänderung auf diese Art gezeigt, unterließ der nun auch zum ConfrstvrialrWtrthe.gemachte Stadtrath, wie vordem keine Mittel zur Hintertreibung, so jetzt keine zur Beförbecung der Interessen des Rabbinen. — Die Anstellung des jungen Auerbach schien nun gewiß. Wer da sah, wie seitdem der finstre C. den Doktor, sonst nicht sein Liebling, mit zuvorkommender Artigkeit behandelte, zweifelte keinen Augenblick mehr, baß die Wahl schon so gut wie bestätigt sei. ,Inzwischen legte unsre Gemeinde, die nun, auch von der zu Bonn verlassen, ganz isolirt auftreten mußte, gegen die ungesetzliche Wahl förmlich Protest ein, sowol bei der hiesigen Regierung, als beim Ober-Präsidenten der Rheinprovinz. Die Sache schwebte bis jetzt, wo der Beschluß Sr. Excellenz des Herrn Ober-Präsidenten, Freiherrn von Bodelschwing, bekannt wurde, wonach die Wahl des jungen Auerbach verworfen und, in Betracht der angespcochenen Abdankung des alten Rabbinen, den neu geschaffenen Consistorial - Rathen die Weisung gegeben wurde, in dem Amtsblatts der königl. Regierung zu Köln sammtlichen Rabbinatskand idaten der Monarchie bekannt zu machen, daß sie sich zu der, nochmals zu bewerkstelligenden', Rabbinenwahl melden könnten. Die- Ungewißheit, in der sich die unter dem Bonner Rabbinate stehenden Gemeinden über ihren zukünftigen Rabbinen seit einem halben Jahre befinden, hat zwar noch nicht aufgehört. Allein die Entscheidung, welche höhern Ortes erfolgte, hat, wenn auch unmittelbar noch keine positive Verbesserung unfern unerfreulichen kirchlichen Angelegenheiten gevracht, doch wenigstens dem Rechte übek die Jntrigue dey Sieg verschafft/ ein Sieg, dar es schon werth ist, zur Kunde unsrer Glaubensbrüder zu kommen. Die redliche Gesinnung mag daraus eine Ermuthigung schöpfen. Der Charakterlosigkeit aber'möge sie ein abschreckendes Beispiel sein! .i.

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