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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-16 · Heft 98 (16.11.1839) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 98 (16.11.1839)
Date
1839-11-16
Page
Seite 593 (sequence 5)
Language
German
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595 ner Anstellung gelangen, sie würden gewiß unter ihren Glaubensgenossen mit Segen und Gedeihen wirken. Singer, Pfarrverwalter. Preußen. Putzig-(Westpreußen), 20. Okt. (Privatmitth.) Sie erlauben uns, einen neuen Fall von rabbinischer Unduldsamkeit mitzutheilen. Möchten doch auch hierdurch die Gemeinden Israels gewarnt werden,, bei den Wahlen geistlicher Häupter vorsichtig zu Werke zu gehen! Wir leben hier unweit Danzig, eine Gemeinde, 30 Familien stark, friedlich miteinander, und sind seit kurzer Zeit dem dort neu angestelltcn Ober-Rabbinen Hrn. Lipschütz untergeordnet. Es werden bald zwei Jahre werden, daß unsere Schuljugend durch Besetzung eines tüchtigen Religionslehrers Hrn. Weinberg Fortschritte in dem Religionsunterrichte machten, so daß Letzter für diejenigen, die ihr 13. und 14. Lebensjahr zucückgelegt hatten, eine Religionsprüfung veranstaltete. 0 Knaben und 6 Mädchen sollten am S. Bereschit in unserer ziemlich großen Synagoge öffentlich ihr Glaubensbekennrniß ablegen. Einige unserer alten Mitglieder, selbst unser Chasan und Schochet wollten dies anstößig finden, und dieses Vorhaben ward dem Oberrabbinen angezeigt. Der Zufall, daß ein jüdisches erwachsenes Mädchen zum christlichen Glauben überging, und zur Vertheidigung angab: sie hatte wie früher Alle jüdischen Mädchen hiesigen Orts keinen Religionsunterricht genossen, spornte den Eifer unseres Lehrers um so mehr an, andern Confessionen Bs-weise zu liefern, daß auch jüdische Mädchen ein Glaubensbekenntniß ablegen können. Sehen wir nur einige Jahre zurück, wo leider bei den alten Rabdinen in Danzig die jüdische Jugend verwahrlost und ohne Religion erzogen ward, so daß die Zahl von 40 Kindern 'von Missionarien unterrichtet wurden, welche Folge würde dies für die Jugend gehabt haben, denn kein Rabbine bemühte sich Hand anzulegen, wenn nicht Herr Dr. Bram daselbst eine öffentliche Schule gegründet und eine Umwandlung für die Jugend dadurch hervorgebracht hatte. Eine mündliche Nachricht vom Oberrabbinen, daß es nicht gestattet werden sollte, veranlaßt'e unseren Lehrer den Inhalt seiner Religionsprüfung niederzuschreiben, und begleitet mit. der Anfrage, ob eS erlaubt fei, sie an heiliger Stätte zu vollziehen, an denselben zu senden. 'Der zeitige Vorsteher Hr. R. Rosinberg stattete seinen Besuch'bei demselben ab, aber auch dieser erhielt zur Antwort: „es sollte in einem Saale und nicht an heiliger Statte verrichtet werden, denn es laute in der heiligm Schrift ab Dieses ließ sich aber nicht thun, und so ward diese Feier zerstört Zerstört ward durch den Befehl des Oberrabbinen ein heiliger, religiöser Akt, der die Herzey der Jugend der Lehre unserer Vater zuwendet! Der 13te Geburtstag eines Zwillingspaares veranlaßt Herrn W. sie im Hause ihrer Eltern ihr Glaubensbekenntnis ablegen zu lassen, und alle Anwesenden fühlten von Neuem sich gedrungen, den Herrn Oberrabbinen wenigstens in's Pftfferland zu wünschen; ein Jeder fragte sich, was würde wol der göttliche Mann Mofchch zu solchen Auslegern seines heil. Gesetzes sagend Da nun in so vielen Gegenden, wo es echt religiöse Israeliten giebt, an heil. Stätte Relkgionsprüfungen und Religionsbekenntnisse vorgenommen werden, gilt daselbst der Beweisgrund des Herrn Oberrabbinen L. nicht? Man beantworte uns diese Frage! * H. 8. Köln, 24. Okt. (Köln.. Z.) Die unterm 14. Mai c. erfolgte Wahl des Heinrich Cahn und des Salomon Oppenheim zu Bonn, so wie des Arnold Seligmann zn Coblenz zu weltlichen Mitgliedern des israelitischen Consistorii zu Bonn hat die höhere Bestätigung erhalten, welches hiermit zur Kenntniß des betheiligten Publikums gebracht wird. Köln, 27., Okt. (Privatmitth.) Der dreijährige Bestand der Allg. Zeit, des Judenthums hat bereits hinlänglich die herrliche Tendenz der Redaktion, in vollkommner Unparteilichkeit innerhalb des Judenthums alte und neue Mißstande kund zu thun, und, mit der Fackel der Wahrheit in der Hand, die dem Judenthume einwohnende Moralität mitten durch die äußeren Hindernisse hindurchzuführen und zu beleuchten, bewährt. Sie will das Judenthum nach innenLlrnd außen in Reinigung und Lauterkeit darstcllen, und, siwo von Zeit zu Zeit diese getrübt und verdrängt würden, das ihrige dazu beitragen, um das Recht wieder zurückzuführen, diese Tendenz, mit anerkanntem Eifer und schöner Kraft durchgeführt, ist jetzt hinlänglich jedem VerständigenUklar, und anfängliche Klage, daß hiermit auch mancher Üebelstand den Judenfeinden in die Hand gespielt werde, daß hiermit manche Parteistimme noch mehr geweckt würde, ist längst vor diesem hohem Zwecke und seiner schönen Verwirklichung verstummt. Diese Tendenz nehmen auch wir in Anspruch, wenn wir hier die Oessentlichkeit zur Hülfe gegen Umtriebe anrufen, die, allerdings auf dem Gebiete der Persönlichkeit und Lokalität, dennoch einen allgemeinen Charakter tragen, und zu wichtig sind für einen nicht unbedeutenden Kreis unsrer Glaubensgenossen, als daß .sie mit Stillschweigen übergangen werden dürften, um so mehr, da eine allerhöchste Behörde bereits ihre Frucht einst-- weilen zerstört hat. — Zu den Übeln Gewohnheiten, die unsre Zeit trotz ihrer' Kultur noch nicht ganz abgelegt, gehört auch die, daß ein: Familienvater, wenn er sich durch irgend eine Thatigkeir: eine unabhängige Stellung errungen hat, seine Nachkommen,, ohne weiter aufdie große Verschiedenheit von Talent und- Neigung zu achten, zum eignen- Berufe heranbilden möchte.. Namentlich bei unfern Glaubensgenossen, die freilich zum- Theil durch die Verhältnisse dazu, gezwungen sind,, findet dies noch sehr häufig statt. — Nur diesem verkehrten Systeme hat es unser Bonner Rabbine., Herr Abraham. Auer-- bach, zu verdanken-, daß ihn in. seinen alten Tagen noch ein sehr harter Schlag traf. Seine Söhne sollten alle Radbinen werdem Aber mit mit einem derselben gelang, ihm seine Absicht;, ein anbver konnte es kaum zu einer geringen- Lehrerstelle bringen;, bei einem dritten-endlich muß er jetzt die schmerzliche Erfahrung machen-, trotz-vieler ungerechten: und für iOn selbst gefährlichen Mittel seinem Plan. an. derweisen Umsicht der preußischen Behörde scheitern zu sehn. Diesem letztem Sohnewollte nemlich der Vater, seine eigne

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