Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 98 (16.11.1839)
- Date
- 1839-11-16
- Page
- Seite 592 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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592 den einmal erkorenen Wirkungskreis, dem sie schon so vieles geopfert haben, hinter sich laffen oder daß ihr Wirken nur ein halbes ist. — Trifft eS sich aber auch, daß manche ihre Studien so ziemlich in Muße verbringen können, so geschieht dies oft mit der Erschöpfung all ihrer pekuniären Kräfte, und wenn die Zeit herankömmt, da sie zu Examen und Promotion schreiten sollten, die in gewissen Fallen unerläßlich und mit sehr vielen Kosten verbunden sind, da müssen sie einhalten und einem guten helfenden Genius oft lange Zeit entgegensetzen. — Betrachten wir die israelitischen Studirenden' im lieben würtemberger Lande, so möchten wir freilich neidisch auf sie werden, und es ergeht uns in dieser Sache, wie in vielen andern bei einem Vergleiche der Stellung der Juden in Bakern und derer in jenem gesegneten Lande. Dort haben die Juden gleich den Christen Antheil an den Stipendien. — Da nun aber einmal bei uns dieses schöne Verhältniß nicht besteht, so'ist darum doch noch ein Ausweg, wie einem so bedeutenden Mangel in Bezug auf Unterstützung jüdischer Studirenden wol abgeholsen werden könnte. Ww weisen auf Heidelberg hin; dort ist von jüdischen Studenten selbst ein Verein begründet, der den jedesmal anwesenden Unbemittelteren kräftig mit Stipendien unter die Arme greift. Der Fond ist dadurch gebildet, daß die Wohlhabenden je nach Willen und Vermögen Beitrage liefern. Ueberdies machen sich diejenigen, welche von diesem Fond Summen beziehen, verbindlich,, dieselben wenn es ihnen in ihrer praktischen Laufbahn möglich wird, zurückzuerstatten, und wirklich hat es. sich schon einigemal ereignet, daß von solchen nach Jahren die nicht unbeträchtliche Summe, die sie in Zwischenräumen erhalten hatten, mit einmal zurückgesindet wurden.. Gewiß wird jeder sich eine Herzensfreude daraus machen, wenn es in späterer Zeit seine Verhältnisse erlauben, durch eine solche Rückgabe den Fond eines Vereines zu vermehren, der ihm früher so wohllhätkg beigestanden.— Möchten auch die israelitischen Studirenden der Ludovico-Maxiniilianea in München zusammentreten, um ein so schönes Beispiel nachzuahmen, das vielen unter ihnen selbst so viel Nutzen bringen und andern in andern Städten ebenfalls wieder zum vorangehenden guten Beispiele dienen kann. Die Sache wäre wol. so schwer nicht auszuführen und einmal begonnen, dürfte sie einer allgemeinen Theklnahme gewiß sein. Aber jedenfalls müßten die Studirenden selbst den ersten Anstoß für ihre Sache geben und verständen sie sich dazu, jeder von ihnen, nach Kräften und wenn es auch noch so wenig wäre, beizusteuern, so wäre der Fond wenigstens angelegt und wenn auch nicht in der allerersten Zeit, so könnten doch nach einiger. Fortdauer des Vereines Stipendien fließen, und ein israelitischer. Stipendien-Verein unter den übrigen dahier bestehenden israelitischen Vereinen gezählt werden. Der Wohlthätigkeitssinn der Gemeinde München hat. sich seit Jahren, schon sattsam manffestirt. So eignete sie sich eine besondere Abtheilung im hiesigen allgemeinen Krankenhause sammt Pflege und Unterhalt für. ihre Kranken durch Kauf zu. So erfüllt der israelitische Holzverein, ein segensreiches Werk, indem er dem Zweck zugewendet ist,, arme und dürftige Israeliten und Israelitinnen in hiesiger Stadt und den Vorstädten während der Winterszeit mit einem gewissen Quantum von Beheizungsmaterial, zunächst aber mit Brennholz zu unterstützen. So gewährt der israelitische Frauen- Verein kranken israelitischen Frauen Trost und Hülfe. So auch hat der israelitische Wohlthatigkeitsverein schon vielen Handwerkern löbliche Unterstützung dargeboten, und wird nach der Reorganisation, der er jetzt entgegensieht, fortfahren, Heilsames zu Tage zu fördern. Außer allen dem sind fast die meisten Israeliten an den meisten dahier bestehenden christlichen Vereinen Theilhaber und erweisen sich bei den verschiedensten Gelegenheiten bereit, zu helfen, wo Hülfe nöthig ist. Selbst eine nur der Unterhaltung gewidmete Gesellschaft „Concocoia", von israelitischen jungen Leuten gestiftet, hat eS sich zur Statute gemacht, durch eine stets gehaltene Armenkasse der Armen zu gedenken. — Darum auch dürfte ein St ipendien-Verein im erwähnten Sinne gewiß auch eine rege Theilnahme unter den Israeliten in München und vielleicht auch noch in anderen Orten, da doch Jünglinge aus den verschiedensten Gegenden Theil daran hätten, rechnen, und der kleine Anfang durch von außen kommende Nahrung bald herrlich gedeihen. Vielleicht fände sich für München ein Mann, der, wie Isaak Lyon Goldsmid in London, durch seinen mächtigen Beistand nicht nur der Universität dort ihr Aufkommen sicherte, sondern auch auswirkte, das jüdische Jünglinge an dieser Universität studiren und jüdische Gelehrte als Lehrer dortselbst angestellt werden können; so hierdurch eine reichliche Spende dem Stipendium-Vereine und somit dem bessern Erfolge im Studium der israelitischen Jugend mit einmal aufhülfe. Schließlich möchten wir noch bemerken, daß sich das Unternehmen allenfalls an die seit einigen Jahren dahier bestehende Schleisheimer'sche Stiftung (vermöge welcher jüdische Theologen jährlich eine gewisse, wenn auch nicht beträchtliche Summe erhalten) anschließen könnte, und endlich an diejenigen, Welchen die Restauration des Wohlthatigkeits-Vereines anvertraut ist, die Bitte stellen, daß sie vielleicht einen Theil des in jenem Vereine vorhandenen Fonds oder der ihm ferner zufließcnden Beitrage, der Unterstützung von Studirenden, die doch gewiß auch zu einem die bürgerlichen Verhältnisse der Juden , fördernden Stand gehören, zuwenden möchten. — Karlsruhe, 24. Okt. Die hiesige Zeitung enthalt Folgendes: _ Richen, Amts Ep pingen. Auch dahier schreitet die israelitische Gemeinde in religiöser Bildung rasch voran, wovon ich mich am jüngst verflossenen Vorabend des Verföhnungsrages zu meinem Vergnügen überzeugte. Die neueingerichtete Synagoge, die Ordnung in derselben, die äußere Andacht beim Gebete und der erhebende Vortrag, des. Vorbeters, eines hiesigen Privatmannes, alles zeigte, daß die ganze Gemeinde die Bedeutung dieses hochwichtigen Tages im wahren Geiste erfaßt hatte. Am meisten aber, erfreute mich die gehalt- und geistvolle Rede, welche der nenangehende Rabbinatskandi'dat Herr Abraham Dreyfuß, der erst dieses Spätjahc. seine Studien auf der Umversitat Heidelberg vollendete,. für das hohe Fest ganz geeignet in einem würdevollem Vortrag an seine Glaubensbrüder hielt. Möchte dieser junge Mann und Ihm ähnliche Subjekte recht bald zu ei-