Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-16 · Heft 98 (16.11.1839) · p. Seite 591

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 98 (16.11.1839)
Date
1839-11-16
Page
Seite 591 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225013-3225112--02285-3234859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

591 irre, in diesen Blättern schon gedacht. — Demselben ist vor einigen Tagen eine gewiß allen Mitgliedern recht erfreuliche Anerkennung ihres Strebens geworden. Folgende Auschrist ist an denselben erlassen worden. „Die Plenarversammlung des Distriktsarmenpflegschastsraches hat Kenntniß von einem Vereine der Israeliten zu Schwanfels genommen, welcher die Beförderung des Gewerbsbetriebcs durch Unterstützung armer Lehrlinge zum Zwecke hat, und hat diese Versammlung mit dem k. Landgerichte den Beschluß gefaßt, den Israeliten von Schwanfels das besondere Wohlgefallen an dem eben fo' verständigen als wohlthärigen Vereine zu-erkennen zu geben. Dieser ehrende Beschluß wird den Israeliten mir dem Wunsche eröffnet, baß der Umfang und Segen ihres Vereins recht ausgedreitct werden möge. Bis zur nächsten im December abzuhaltenden Plenarversammlung ist das Namensverzeichniß der Vereinsmitglieder vorzulegen, damit man hierdurch auch jene Israeliten kennen lerne, welche die Ehre des Vereins nicht theilen. Wecneck, den 25. Sept. 1839. Jhl, Landrichter. An die Israeliten ^zu Schwanfels. Herr Landrichter Ihs, von dessen wohlmeinender Gesinnung und menschenfreundlichem Antheile an dem Wohle seiner israelitischen Untergebenen in diesen Blattern schon eine frühere Mittheilung Zeugniß ablegte, hat hierdurch abermals*) erwiesen, wie sehr es ihm nur darum zu thun ist, dieselben in Kultur und Befähigung zur bürgerlichen Gleichstellung zu heben. So kann es den Behörden gelingen, die Juden anzueifern, und ihnen die Überzeugung beizubcingen, daß auch den beschrankenden Gesetzen und Verordnungen wohlmeinende Absichten zu* Grunde liegen, woran übrigens der Verständige ohnehin nicht zweifeln wird. 'Indessen kann diese Einsicht nicht jedem zugetraut werden, und das Verfahren des würdigen Herrn Landrichters Jhl verdient ebensowol den Dank aller Israeliten, als ihm eine vielfache Nachahmung herzlich zu wünschen ist. Sieht dagegen der jüdische Unterthan, daß alle beschrankenden Gesetze streng gehandhabt, Fortschritte und Verbesserungen aber nicht anerkannt, ja nicht einmal beachtet werden, so ist es kein Wunder, — wenn ec lau und gleichgültig gegen Bürgerthum und Bürgerbildung wird. — München, 28. Okt. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen wurden dem Administrator der israelitischen Gemeinde fünfzig Gulden vom k. Stadtgerichte eingehändigt, die der verstorbene Ritter v. Zwack, ein Katholik',- den jüdischen Armen dahier in seinem Testamente vermacht hatte. — —. Dem Vernehmen nach sind die Arbeiten des Würzburger Rabbinats-Adspiranten Seligman Beer Bamberger, die er bei seinem Examen geliefert,"vom k. Ministerium des Innern der betreffenden k. Regierung zur Beurtheilung und *) Einen Beweis seiner Humanität wenigstens noch anzuführen kann ich mich nicht enthalten. Ein talentvoller jüdischer Knabe feines Landgerichts hat cS ihm größtentheilS zu verdanken, daß er, ungeachtet der geringen Vermögcnsverhaltniffe seiner Eltern, seine Studien fortzusetzen sich in Stand gesetzt sicht. Corresp. Entscheidung. über seine Qualisicirung zu einem so hohen und wichtigen Amte zugesandt worden. — —. Zum Beginn des Wintersemesters an unserer Universität stellen sich wieder aus den verschiedenen Gauen Baierns, so wie auch aus andern Landern jüdische Studirende dahier ein, und vorzüglich befinden sich bereits aus Würtemberg deren mehrere bei uns. Unter den Anwesenden sind Kandidaten der Philosophie,^.Philologie, Theologie, Jurisprudenz und Medizin. So nützlich und angenehm nun der Aufenthalt in hiesiger Stadt für Studirende überhaupt ist, so lästig und drückend wird er für viele israelitische Jünglinge, die sich dem wiffenschastlichen Berufe mit Lust und Liebe hingeben, wegen geringen Vermögens aber mit trüben Sorgen für ihre Existenz stets gequält und dadurch in ihren Studien auf das Traurigste gestört werden. — Den nur einigermaßen dürftigen Studenten christlicher Religion wird durch landesherrliche und Familien-Stipendien kräftig beigestanden. Leider haben die Juden, die in unserm Vaterlande von so vielen Rechten und Vortheilen ausgeschlossen sind, auch an diesen wohlthatigen Gaben keinen Antheil; es liegen ihnen als akademischen Bürgern zwar dieselben Pflichten ob, wie den christlichen Jünglingen, sie sind aber doch jener Begünstigung beraubt, was vorzüglich denen schwer fallt, die es nicht dahin bringen können, die Befreiung von den Honorarien für die Collegien zu erhalten. Und wir sollten uns wundern, daß manche einer solchen Plackerei überdrüssig, entweder ihren einmal gewählten Berus ganz ausgeben, oder doch, freilich nicht aus eigner Schuld, sehr fahrlässig darin werden .'und Dingen nachgehen, die ihnen die so hoch gepriesene Studentenzeit wenigst kümmerlich fristen? So sind deren nicht wenige, die den größten Theil ihrer Thatigkeit auf das Stundengeben verwenden müssen, nur um sich zu behaupten, wahrend sie blos spärliche Aufmerksamkeit und winzigen Fleiß dahin richten können, wo sie dessen so nöthig hätten. Freilich doeemlo discitmis! Aber wenn man noch selbst viel zu lernen hat und dabei gar zu viele Zeit mit dem Lehren verträgt, und überdies in Gegenständen, die oft weit ab von dem Berufe sind, zu dem sich der Jüngling hingezogen fühlt, kann hier das Proverbium auch noch gelten? — Es ist nun nicht zu laugnen, daß hier und da Studirende von Gliedern der hiesigen Gemeinde Unterstützung erhalten und es ist gewiß dieses wie jedes Wohlthun dankbar anzuerkennen; aber abgesehen davon, daß dies doch nur immer ein geringer Beitrag für die vielen Bedürfnisse, die dem jungen Manne entgegentreten, ist, so ist.auch die Art und Weise dieser Unterstützung, eine ihrem Zwecke nicht entsprechende. Es ist für Leute, die sich einem freien Studium, und das muß es sein, wenn es überhaupt Nutzen bringend sein soll, hingeben wollen und mit Eifer dafür glühen und alle ihre Zeit und oft ihr physisches Wohl daran setzen, wahrhaft beengend, demüthigend und entmuthigend, wenn sie um solche Gaben persönlich airhalten, dieselben persönlich zu den bestimmten Zeiten erholen müssen und dabei sich in einer Abhängigkeit fühlen, .die ihnen nur Mißvergnügen und Unzufriedenheit mit ihrer Lage verursachen kann; und dieft Mißverhältnisse sind es, die sie, wie schon erwähnt, irre und wankend machen in dem, was sie thun und wollen, daß sie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.