Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-16 · Heft 98 (16.11.1839) · p. Seite 590

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 98 (16.11.1839)
Date
1839-11-16
Page
Seite 590 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225013-3225112--02284-3234858
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

590 Was das Aeußere des kleinen Dichters anbetrifft, so ist es ein niedlicher, zarter, schwacher Knabe, von einer so feinen Haut, daß man auf seinem Gesichte alle Aederchen durchschimmern sieht, besitzt dabei eine hohe Stirn, hellblondes, schönes in Locken gewundenes Haar, und aus seinen, obgleich von vielem Lesen etwas geschwächten Augen, sprühen doch die Funken einer höheren Begeisterung. Zuletzt sucht Referent das tadelnswerthe Verfahren eines Anonymus in der polnischen Morgenzeitung zu rügen, welcher es sich herausnahm, das erste veröffentlichte Produkt unseres Placzko zu schmähen, indem er selbst meint, daß man solche aufkeimende Talente statt abzuschrecken, lieber cssifmuntern sollte. Es hat sich über den Werth dieser Gedichte eine kleine Polemik in einigen hiesigen Zeitschriften entsponnen, indem der oben gerügte Anonymus von dem Redakteur der Morgenzeitung in Schutz genommen wird, und zu seiner Derlheidigung ein neuer Aufsatz gegen Herrn Ludwik aus Pokiew ausgenommen worden ist. . Wir wollen nicht die Quelle dieser Tadelsucht bei unsern Kritikern naher beleuchten, wollen sie mit einer religiösen Gesinnung durchaus nicht in Verbindung bringen, sondern sie in dem wahrhaften Streben nach reinem Kunstwerth und einer strengen Kritik aller Erscheinungen im Gebiete der Literatur finden. Aber streng sein heißt nicht immer gerecht sein, und nicht der Strenge, wol aber der Gerechte ist umsichtig und vorsichtig. Würde an den Leistungen christlicher und jüdischer Schrift, stellet ein gleicher durch keine Nebenabsicht verrückbarer Maßstab angelegt, die letzteren, würden nicht eine so harte skeptische Beurtheilung zu erfahren haben, wie es gewöhnlich geschieht. Darf überhaupt an poetische Produkte kein so scharfes kritisches Messer, wie an andere, z. B. philosophische gelegt werden, so hat bei einer Recension der Gedichte eines dreizehnjährigen Knaben, der überdies nicht eigentlich in seiner Muttersprache dichtet, und seiner hohen übersprudelnden Begeisterung somit fremde Worte einer andern Sprache leihen muß, der rechtschaffene Kritiker jenes verwundende Instrument auf einige Zeit aus der Hand zu legen. — Wir können diesen interessanten Gegenstand nicht verlassen', ohne den wohlgemeinten ärztlichen Rath an die Eltern und Erzieher des Knaben zu ertheilen, denselben, der bei seiner zarten Constitution und anstrengenden Studien, so wie durch Familien-Erblichkeit ihm drohenden Gefahr derjenigen Krankheit/ zu der nicht blos studirende und viel denkende Menschen bei einer sitzenden Lebensweise überhaupt neigen, 'sondern an der, wie wir leider gehört haben, mehrere Glieder jenes Hauses und Stammes in der schönsten Jrrgendblüthe untergegangen sind, durch ein freies Leben auf dem Lande und durch kleine von Zeit zu Zeit unternommene Reisen zu entziehen. — Dr. I. B. Petersburg, 19. Okt. (Hamb. Corr.) Weil die israelitischen Bürger-Gemeinden die allgemeine (christliche) Eidesformel nicht von bindender Kraft für sich halten, so hat die Negierung es für nothwendig gehalten, sie an die Eides-Form zu binden, die in dem über diese Confession im Jahre 1835 ecschünenen Verfaffungs-Reglement enthalten ist. D,s Ministerium des Innern hat einen Entwurf über diesen Gegenstand ausgestellt, der im Reichsrath geprüft, von Ewr. Kaiser!. Maj. zu Anfang vergangenen Jahres bestätigt ward. Ec ist bereits in diesem Ministerium in's Hebräische übersetzt, die Uebersetzung mit dem Original in der hiesigen geistlichen Akademie verisicirt worden und wird jetzt gedruckt; sodann wird diese neue Eides-Formel und die Weise ihrer Abnahme in den Kahals bekannt gemacht werden. Schweden. Stockholm, 22. Okt. (Hamb. Corresp.) Ein hiesiger Israelit, Namens Heilborn, hat hier, eine Koch-Anstalt für arme Leute eingerichtet, wo dieselben zweimal des Tages gute und nahrhafte Speise, aus Suppe, Fleisch und Gemüse bestehend, für den unglaublich niederigen Preis von 3 ß hambg. Eour. bekommen. Genannter Heilborn hat schon früher ähnliche nützliche Einrichtungen in's Werk gesetzt. Oesterreich. Preßburg, 10. Okt. (Preßb.Z.) Die Magnaten-Tafel beendigte am 15. d. M. die Berathung über die durch die Stände-Tafel vorgeschlagene Modifikation der Urbarial« Gesetz-Artikel. Nachstehendes sind einige Aenderungen: 1) Der §.'6. des 4. Art. wird folgendermaßen erklärt: Der Unterthan dürfe die Nutznießung seiner Ansässigkeit Jedermann, ohne Unterschied der Religion, auch die Juden mit inbegriffen, verkaufen, doch sind letztere verpflichtet, die erstandenen Bauern-Grundstücke selbst zu bearbeiten. Deutschland. Würz bürg, 20. Okt. (Privatmitth.) Dem Vernehmen nach wollen die Anhänger des Herrn Bambergec sich noch nicht zur Ruhe geben und sein Hauptprotektor, ein durch seinen Zelotismus bekannter, frömmelnder, aber unwissender Mann, soll mit demselben schon seine Reise nach München angetreten haben, um bei einer dortigen Prüfungskommission sein Glück zu versuchen. Die Voraussetzung, daß die Münchner Professoren auch die deutsche Sprachlehre sowol kennen, als auch für nothwendig halten, wo wissenschaftliche Bildung vom Gesetze vorgeschrieben ist, dieselbe zu verlangen, läßt sicher erwarten, Haß seine Bemühungen fruchtlos bleiben werden. * s Daß der größere Theil.der Israeliten hiesiger Gemeinde und des Landes von einem besseren Geiste beseelt sei, als diese wenigen, aber feurigen Anhänger des B., geht daraus hervor, daß bei der hiesigen Regierung ein Bittgesuch mit vielen Unterschriften eingegeben worden ist, des Inhalts: Eine Königl. Negierung wolle bei der Besetzung der Nabbinatsdistrikte im Allgemeinen und ms Besondere des Distriktes Würzburg nur Bewerber zulassen, die das Gymnasium.und den philosophischen Cursus gehörig absolvict und eine öffentliche Prüfung erstanden haben. Dieses zu bemerken ist besonders nothwendig, weil das Bestreben, Bambergec zum Rabbinen zu stempeln, bei allen gebildeten Christen den Juden sehr übel genommen, und wie gewöhnlich auf die Bildung und Gesinnung aller Israeliten daraus ein sehr nachtheiliger Schluß gezogen wird. Aus Unterfranken, 22. Okt. (Privatmitth.) Sie haben des zu Schwanfels bestehenden Vereines der Jsraelk- '-ten, von Herrn Kohn in Werneck gegründet, wie ich nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.