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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-09 · Heft 97 (9.11.1839) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 97 (9.11.1839)
Date
1839-11-09
Page
Seite 587 (sequence 15)
Language
German
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587 Fehler hinweg, feine Vorzüge bewahrt wünschen, und es würde der bedeutendste iscael. Prediger hervorgehen. Leider müssen wir aber bemerken, daß die Entwickelung, die Herr Pl. in diesen fünf Bänden nimmt, weniger dem bessern zugewendet ist; daß er sich vielmehr in die oben getadelte Richtung des übertriebensten und oft carrikirten Konservatismus immermehr versenkt, so daß gerade der 5. Band mehr Belege als ein andrer hiefür heranbringt. Nach diesem Allgemeinen, wollen wir uns im Einzelnen ergehen, um jenes in diesem wieder zu finden. Die Bemerkungen sollen sich an die Reihenfolge der Predigten knüpfen. B. I. Nr. I. Es wundert uns, daß Herr Pl. bei der Pessachreise nach Jerusalem vom Frühling spricht; Frühling ist im heil. Lande im Februar, und am 2. Tage Pessach wurde ja die Erndte gesetzlich eröffnet. — Im 2. und 3. Theile sinkt der Vergleich mit den Tempelreisen sehr, da man wohl zufrieden sein muß, wenn die „Gottentfernten" überhaupt nur, wenn auch spat, die Vorbereitungen treffen, als von ihnen zu verlangen, sie recht früh zu beginnen. Im 4. Theile wäre es angemessener, die Vorbereitungen im Glauben an Gott und Israel zu treffen, als „im Vertrauen auf Gott." Die ganze Predigt ist ein Beleg für uns: es wird auf die Erfüllung der Pessachvorschriften gedrungen — gut — aber ohne die geringste Hinweisung auf deren Inhalt, die geistliche und bürgerliche Befreiung Israels durch den Auszug aus Aeg. zu feiern und zu erinnern — sondern bloß mit der nebensächlichen Vergleichung mit den Tempelreisen. Die Reinigung des Körpers S. 15. finden wir in einer Hocbgehaltenen Predigt sehr am Unrechten Orte. Versetzt man sich in ein hohes Gebiet, muß man darauf bleiben. — Jn Nr. 2. hatte (S. 19) die allzudemüthkge Anrede an die Räthe ff. zu Bromberg für das allgemeine Publicum wegbleiben können. — S. 23. bemerkt Herr Pl., „daß die Religion mit vielfachen Reizen geschmückt erscheinen, von angenehmen Seiten kennen gelernt werden muß, wenn sie den Geist der Gottesfurcht wecken, und wieder Israeliten in einem ächtern Sinne des Worts bilden soll." Diesen Satz, den dennoch Herr Pl. gegen Ende seiner Sammlung nicht mehr gestatten würde, .können wir nicht ganz billigen. Nein, das äußere Prunkwesen hilft der wahren Religiosität nicht auf! Reize, Pracht, Anmuth? Nein! Will Herr Pl. wissen, was dem jüdischen Gottesdienste Noch thut? — Gedanke, Geist, Verständlichkeit! Das ist es, was der jetzige Mensch im Tempel finden will, alles Uebrige ist Zuthat. Ordnung und -Andacht im Aeußern, Lehre und Erhebung im Inhalt! — Im 3. Theile (S. 25.) haben wir uns sehr getauscht gefunden. Er heißt, die Gemeinde zu Bcomberg habe ihren neuen Tempel gebaut „zur Rechtfertigung (soll wol „zum Beweise" heißen) ihrer Vaterlandsliebe." Wir erwarteten ungefähr: die Tempel, die wir bauen, beweisen, daß wir das Land, in welchem wir sie errichten, als unsre Heimath betrachten; wir schlagen unser Heilkgchum daselbst auf, heiligend das uns geheiligte Vaterland! Anstatt dessen höchst gezwungen: die theuer erkauften Grundstücke sprechen dafür, daß wir die Obrigkeit ehren. — Der 2. Theil dieser Predigt, der gerade der wichtigere war, ist sehr kurz ausgefallen, weil der erste zu lang; es entschuldigt aber den Redner nicht, daß „er keine Zeit mehr habe," denn er muß seine Zeit darnach treffen. Dabei sind 2 Und 3 (S. 29) höchst prosaisch ausgefallen, und doch ist die Rede von der „wahren Andacht" im Gottesdienste! — Die dritte Predigt (S. 36—49) ist Beleg einem Fehler, in den Herr Pl. sehr oft verfällt, d. i. das allzuviele Zerlegen des Thema's, wodurch dem Zuhörer zuletzt alle Einheit entwischt, und er das Eine über das Andre vergißt. Sie besteht aus drei Theilen, deren jeder wieder in drei Theile zerfällt, also neun Parthieen. Die Ueberschrist lautet: „das heilige Zahlenergebniß" — wir halten diese für gezwungen, wie öfter'z. B. „Fern-Ehen" (S. 115) anstatt „die Ehen in die Ferne." Jene Ueberschrift bedeutet: Warum sollen wir unsre Tage zählen? abgeleitet von der — Die vierte Pr. „die rechte Feier der Gesetzgebung" ist vortrefflich angelegt, aber enthält im Einzelnen manchen Fehler. Der zweite und dritte Theil sind nicht genug auseinander gehalten. Die Klagen über den Mangel an Religiosität in unsrer Zeit (S. 56) sind zu manierirt. „Wo finde ich Euch wieder, ihr frommen Väter und Mütter, die ihr zwar so wenig über Gott und Religion zu philosophiren, aber so viel Göttliches und Religiöses zu leisten wußtet!" Das darf ein Gottes lehr er nicht sagen. Makmuni verwirft allen Formglauben, und will Erkenntniß. Möchte man in unsrer Zeit nur erst wieder über Gott und Religion philosophiren, dann wäre es besser! Aber nichts weniger thut man — man schreibt Katechismen, und die Laien denken an gar Nichts. — Der Gegensatz nun in 4. „Die Erhaltung des Gesetzes ist unser eigener Vorthekl" ist schwach und matt. Hier war eS, wo der Genius sich hätte regen, und mit Flammenzungen reden sollen, aber es läßt sich wenig davon verspüren. — S. 69 wird mitten in der Predigt auf ein Buch des Berf. verwiesen. In den Anmerkungen, die wir Herrn Pl. gestatten müssen, geht dies, aber im Texte der Predigt nicht. Der zweite Theil dieser Predigt ist ganz vorzüglich. Die sechste Pr. „der Relkgionseifer," welche eine Fülle guter Bemer-

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