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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-09 · Heft 97 (9.11.1839) · p. Seite 584

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 97 (9.11.1839)
Date
1839-11-09
Page
Seite 584 (sequence 12)
Language
German
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384 neuern Judenemancipationsliteratur sehr unbekannt sein) dieser Muth lebt allerdings noch in vielen deutschen Herzen! „Die Unbefangenheit" — hat sich der Vers, im Worte vergriffen? wollte er sagen, die Befangenheit? das Vorurtheil? oder will er sagen, die Stimmen der Vernunft, des Rechts und der Humanität sind so oft und so siegreich für die Emancipation der Juden laut geworden, daß unmöglich Jemand sich von ihren kräftigen Argumenten entfernen und frei machen kann — wir hoffen dies, dann aber hat der Vers, ein sehr unglückliches, unzuverlässiges Wort gewählt. Im Verlaufe giebt der Verf. zu, daß selbst das s. g. historische Recht und s. g. göttliche Recht Nichts gegen die Emancipation derJuden triftig einzuwendcn haben. Aber — unddas ist der Wendepunkt — er stellt die beunrechtetcn Juden der Leibeigenschaft, dem Frohndienste, dem ganzen Feudaldrucke zur Seite, meint, man könne ersteren ebenso wenig, wie diesen, das Recht der Aufhebung streitig machen. Aber in Deutschland habe man auch jene nicht mit plötzlicher Umwälzung aufheben wollen, sondern sie durch daö Faktum der Ablösungen zum Rechte bringen wollen. Und das ist der Schluß des Verfassers-. Auch die Juden dürften nur auf dem Wege der Ablösung zur Emancipation kommen! Denn wodurch hätten sie mehr verdient, als der deutsche Bürger und Bauer? Der Verf. schließt daher: „Dem Juden für seine Emancipation mehr auferlegen wollen, als dem christlichen Bürger und Bauer, wäre weder vernünftig, noch räthlich; dem Juden weniger dafür aufzulegen, können nur Parteigeist und Verblendung verlangen!" Wir können diese Ansicht nicht ohne einige Worte gehen lassen. Ob wir mehr verdient, als der Burger oder Bauer? Der Verf. vergesse doch nicht, daß man uns nirgends Raum gelassen, etwas zu verdienen, als ein Paar Dreier! Etwa auf dem Schlachtfelde? Seit Justinian durfte kein Jude Soldat sein. Im Staatsdienste? Der Verf. weiß, dahin durften wir nicht kommen. Im Bauernstände? Wir durften keine liegende Gründe haben. Auf dem Gebiete der Industrie? Wir waren auf Lrödrl- und Geldhandel beschränkt. Nun bitte ich um des Himmelswillen, wo wir uns ein Verdienst erwerben sollten! Verdient haben wir aber allerdings ein besseres Loos, weil wir den unnatürlichsten Druck erlitten, ohne unsre Religion aufzugeben; daß wir die blutigsten Verfolgungen mit Feuer und Schwerdt um des Glaubens willen über uns ergehen ließen, und nie wankten; daß wir den Scheiterhaufen bestiegen mit Psalmen, den Bettel- und Wanderstab ergriffen mit Lobliedern! Der Verf. will also, wir sollen um unsre Emancipation zu schachern beginnen, und diesmal wird uns nicht der Vorwurf trepen, daß die Aufforderung zum Schachern auf unsrer Seite stand. Jndeß abgesehen hiervon. Der Verf. kennt unfern Standpunkt gar nicht. Ablösung findet statt, 'wo eine persönliche Belastung statt findet. Nicht die Leibeigenschaft, welche der Staat für den Bauer aufhob, sondern die Frohndienste und besonderen Abgaben werden abgelöset. Demnächst könnte die politische und bürgerliche Emancipation unsrerseits nicht abgekaust oder abgelöset werden, und womit könnte dies auch geschehen? — sondern nur etwaige Frohndienste und besondere Abgaben. Nun, was die letzteren betrifft, so mache man uns die Forderungen namhaft, und, will man uns sonst politisch und bürgerlich emancipiren, so werden sich zum letzten Male noch einige Thaler zusammenwerfcn lassen. Der Verf. erkläre sich also offen, und, wenn er Vollmacht hätte, wollen wir mit ihm in Unterhandlung treten. — In einer Recension eines judenfeindlichen Schriftchens, das übrigens ganz nach seinem Werthe gewürdigt ward, (Allg. Kirchenzeit. Theol. Lit. Blatt. No. 117) spricht sich der Pred. Dr. Paniel folgendermaßen auS: „Der Untergang des jüdischen Staates zeigt so viele und so große Züge bewunderungswürdigen HeldenmuthS, daß Kef. geneigt wäre, die Juden um dieser Thaten willen zu lieben, wenn nicht auch ihm ein Theil christlicher und germanischer Judenantipathie eingeimpft wäre." Ein trauriges, aber wichtiges Geständniß, das in jedem Worte eine welthistorische Bedeutung für.unS hat! Wir wollen eS bei Gelegenheit nicht vergessen. Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder derm Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Die durch das Ableben des Provinzial-Rabbinen Wormser dahier erledigte Stelle des Rabbinen für die hiesige Provinz und die israelitische Gemeinde der Stadt Fulda soll wieder besetzt werden. Es werden daher geeignete Bewerber zur Anmeldung binnen vier Wochen bei der Unterzeichneten Stelle mit dem Bemerken aufgefordert) daß dabei nur auf solche Individuen Rücksicht genommen werden kann, welche sich über ihre israelitisch-theologischen Kenntnisse und ihre Befähigung zu deutschen Religionsvorträgen, sowie über ihre seitherige sittliche Aufführung genügend auszuweisen vermögen. Fulda, den 16. Oktober 1839. Das Vorsteheramt der Israeliten der Provinz Fulda. Conheim, Moses Wisbaden, I. Iüdel. S. Laser, S. Lion. Stellengesuch. Ein Kantor und Schächter, Pceuß. Staatsbürger, unverheirathet, der über seine Aufführung mehrere Atteste beibringen kann, den besten Ansprüchen entspricht, und dem Redakteur persönlich als befähigter Vorsänger bekannt ist, wünscht zu Ostern k. I. eine Anstellung in einer bedeutendem Gemeinde, als die, in welcher er augenblicklich placlrt ist. Offerten an die Redaktion unter F. 1. r. zu richten. Anzeige. Mein röitfa oder neue durchaus voll-, ständige hebr. bibl. Concordanz (über alle Zeit- und Hauptwörter, Eigennamen und Partikeln) mit Angabe der von der Massora bestimmten Orthographie, Interpunktion und Accentuation jedes Wortes: hat der Buchhändler Barth in Leipzig übernommen, und wird derselbe eine deshalbige ausführliche Anzeige liefern. Berlin, den 15. Oktober 1839. Dr. I. Heinemann. Bemerkungen. Herr Dr. Heinemann hat seiner Erklärung wider den Herrn Dr. Fürst einige Worte aus einem Prkvatschreiben, ohne unsre Erlaubniß hinzugefügt. Allerdings hätten wir unserm verehrten Mitarbeiter, dem Dr. Fürst, gerathen, die Sache nicht weiter zu berühren^ oder wenigstens nicht in dieser Fassung. Eine bereits vollendete Kritik wird in nächster Zeit unsere Ansicht von der verdienstvollen Konkordanz des Dr. Fürst von Neuem aufstellen. Unserm Herrn Korr, in Straßburg bemerken wir, daß sein Brief vom 22. Sept. nichts Neues enthielt, da dieselben Worte des Courr. du Bas-Rhin schon aus dem Courr. fran^ais in unser» Blattern mitgetheilt sind, daß wir aber die versprochenen Auszüge mit großem Danke entgegen nehmen werden. Herr D. A. wird uns durch seine Nachrichten sehr verpflichten. Die Redaktion.

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