Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 97 (9.11.1839)
- Date
- 1839-11-09
- Page
- Seite 581 (sequence 9)
- Language
- German
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581 Alle. Wir schwören! (Es donnert.) Ben-Joseph. Und wenn ein Sturm sich abermals erhebt, Der über All' und Jeden fährt herab. Wollt Ihr für Einen wie für Alle stehn. Der Einzelne für Alle sich vergessen? Alle. Wir schwören bei dem ein'gen Gott der Väter! (Donncrschlag. Blitz. Bald darauf legt sich das Wetter.) Ben-Joseph. Wohlan, weil ich so treu Euch also fand, Weil Ihr gesonnen seid', für Israel Wohl einzustellen Euer Gut und Leben, So höret jetzt, was Euch ganz noch bedroht — — Ihr wandelt All' auf einem dünnen Boden, Der, ehr' ihr's wüßt, zusammenbrechen wird! Schon breitet sich die furchtbarste Verschwörung Durch's ganze Polenland gen Eure Hütten, Der Adel und die niedre Geistlichkeit, Die Mönche und die Herren steh'n zusammen, Um aufzuwiegeln ihres Pöbels Muth, An Einem Tag Euch Alle zu vernichten. Ben-Himmels Urthel ist das Losungswort, Und am St. Ursels Tage bricht es aus- O, Einiger Gott im Himmel! Ander e. Hülfe, Rettung! Ben-Joseph. Und gräßlich lautet der Verschwornen Rath: Au rasten nicht, bis ausgerottet ist In Polens Marken, was nur Jude heißt, Nicht Greis, nicht Kind im Mutterleib zu schonen. Und ringsherum die Granzen zu umstellen, Daß ihr nach andern Landern nicht entweichet — Einige. O schrecklich, schrecklich! Andere. Hilf, sie nahn schon — Ben-Joseph. Darum ward jenes trügerische Retz So fein gesponnen, um den Greis, die Jungfrau In Israel als schuldig zu verdammen, Und aufzuwecken mit dem scharfen Sporn Den blut'gen Haß, der eben eingeschlummert. Schon, Brüder, brennt die räuberische Fackel, Die Eure Hütten schleunig zünden soll. Schon blitzt das Schwerdt in mordbegie^ger Faust, , Zu röthen sich mit unsres Herzens Blute: Geworfen ist das gräßlich schwarze Loos — .. Der Dritte. Was ist zu thun, Ben-Joseph, rath', schaff Hülfe! Der Erste. . Was ist zu thun? Gebt Schwerdter her, gebt Dolche, Laßt uns mit Mord der Mordlust stracks begegnen. Und untergehn in einem würd'gen Kampf! Einst fragte nicht als Zions Mauern stürzten, Elisar's Schaar: was haben wir zu thun? Und noch der letzte angespannte Arm Warf Priestersessel auf die Söldner Rom's — Der Zweite. Daß die Verdammniß unsre .Feinde treffe! Der D ritte. Ich kann nicht fechten, aber Hülfe will ich — Ben-Joseph. Wohl aus noch größer», schrecklichem Gefahren Hat Israel der ein'ge Gott gerettet — Nur Einigkeit, ihr Brüder, Einigkeit, Und alle Schnellkraft, alle Geistesschärfe, Und alles Gut, was selbst der Letzte hat — Nur dies vereint: wir werden triumphiren. Vor Allem doch — Ben-Himmel muß gerettet, Es muß Estecka frei gesprochen werden — Dann wird der König uns zu sichern wissen. Dahin muß jedes Streben, jed' Bemühen Mit List und Schlauheit im Vereine gehn. Ich send' euch aus bis in die letzten Winkel, Die Spuren des Verrathes aufzüspüren. Und sie den Richtern also klar zu legen. Daß sie die Schuldlosen frei sprechen müssen. ° Der Erste. . Und wenn dies nicht gelingt bei solchen Richtern? Ben-Joseph. Dann seid bereit zum Tage des Gerichts, Und mit dem „Schuldig" brechet Alle vor — Dann muß die Wuth den schwächsten Arm beseelen, Und dem Gerichtshof nicht ein Mann entkommen. Dann treffe unser Stahl den letzten auch Von der Verschwörung mörderischen Haupten, ' / Und eh' dann Jemand zur Besinnung kommt, Ziehn wir gewaffnet im Verzweiflungskampf, Und werfen in.die Berge der Gorallen, — Der ausgestoßnen, uns mit Weib und Kind, , Dort eine neue Zukunft zu begründen. 97*