Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 97 (9.11.1839)
- Date
- 1839-11-09
- Page
- Seite 580 (sequence 8)
- Language
- German
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580 Ben- Joseph. Es trifft zu nah mich, daß ich's nicht verspüre. Der Dritte. Wir sind bereit , dir beizustehn mit Allem. ' Der Erste. Es ist für Alle doch nur angewendct. Ben-Joseph. Wohl, meine Brüder, Ungewöhnliches Hat mich gezwungen, hier euch zu versammeln. Es ist die Nothwehr, die der Lämmer Haufen Zum Kreise schaaret, wenn der Wolf sich naht. Wohl, ihr Gesandte von Jefchuruns Männern, - So weit sie Polens Gcanzen jetzt bewohnen, Ihr bringt die Stimmen der Gemeinden mit. Und eu'r Beschluß wird treulich ausgeführt. > Der Erste. Drum zögerten wir nicht hierher zu kommen. Als deine Boten uns zu dir beriefen. Ob Mancher schon acht Tage wandern mußte. Ben-Joseph. Ich bin die Welt durchzogen, seht, von Spaniens Des vielbetraurten, Granzen, bis wo-einst In Herrlichkeit sich Zions Zinne hob — Als Bürgschaft seht die fremden Brüder h>ier. (Weist auf die zuletzt gekommenen Juden.) Doch trieb mich nicht die eitle Wanderlust, Ein Großes ist's^, was mich umhergeführt: Ein neues Bündniß soll Jefchuruns Stamme, Die weitzerstreuten, fortan kräftig einen, Den sichern Schutz , den uns die Welt versagt, In uns zu finden, unsrer Einigkeit. Und da, nach dem gelobten Land zu ziehn. Nach jenem heil'gen Boden unsrer Vater, So lang versagt ist, bis der Himmel selbst Herab uns sendet den verheißnen Boten: So wollen wir, um aufrecht uns zu halten, Trotz einer Welt, uns' brüderlich verbinden. Wo dann der Feinde Haß in Flamme schlägt. Wo die Verfolgung ihre Geißel schwingt. Dahin soll schnell die kampfesfäh'ge Jugend, Mit heimlich aufbewahrten Waffen, fliegen, Und Rettung bringen den bedrängten Brüdern: Sie steigen auf als Rächer aus dem Boden, Und sind geschwunden, so die That vollbracht. Dann wird ein Graun vor Israels Geschlecht Ausgehn auf Esau's wüthende Genossen, Und ruhig werden unsre Kinder wandeln, Bis sie der Herr zum heil'gen Berge ruft. (Pahft.) Der Erste. Ein herrlich Weck, ein Finger Gottes ist's! Ben-Joseph. Die Nacht umgiebt uns mit dem dunkeln Schleier, Nacht ist das Pild von Jsraels'Geschick Doch ihre Sterne enden nie zu leuchten. Wie diese Sterne soll das auserwählte. Das Gottgeheiligte Geschlecht Jefchuruns Bis zu der Tage Ende nicht vergehen. Einst wird die Nacht zerrissen, plötzlich bricht Des Himmels Licht herein, und strahlend geht Israels Sonne nimmer wieder unter. Doch sollen wir, bis jener Tag erscheint. In eigner Ohnmacht sklavisch untergehen? Soll von unzähl'gen Schlägen endlich doch Israels Körper auseinander fallen? So doch der Fels dem Regentropfen weicht. Der unaufhörlich auf ihn niedertcäust. Wie sollten nicht sich unsre Bande lösen Bei der Vernichtung wiederholten Stürzen, Daß, wenn der Herr einst ruft, Niemand erscheint? Auf, Brüder, noch ist unsre Kraft'gestählt, Noch lebt das Feu'r in starken Flammenzügen, Und dieses Bündniß bürgt uns den Bestand. Mehrere. Wir sind bereit und folgen Deinem Ruf. Der Dritte. Doch wenn V.errath den Völkern es berichtet? Ben-Joseph. Dercather wandeln nicht in Israel: Wenn sie erstehn, so fallen sie geschwind. Andere. Wir stehn zu dir und fassen deine Hand! (Es erhebt sich ein Unwetter.) Ben-Joseph. Hier unter'm Himmelsdach, hier in der Nacht, Der stillen, fchaur'gen, vor dem ein'gen Gotte, Der unsre Väter aus Aegypten zog. Schwört Ihr zum Bündniß, wie die Brüder thaten Im Reich, Italien und am Seinestrand, Schwör't Ihr beim ein'gen Gotte unsrer Väter? Alle. Wir schwören bei dem ein'gen Gott der Väter! J (Ein starker Windstoß fährt darch den Wald. ES wird dunkel.)- Pen-Joseph. Und was Ihr schwöret in der dunkeln Nacht, Wollt Ihr am Tag,, am Hellen Tage halten?