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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-09 · Heft 97 (9.11.1839) · p. Seite 577

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 97 (9.11.1839)
Date
1839-11-09
Page
Seite 577 (sequence 5)
Language
German
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577 rem Unwillen in diesem oder jenem Journale Lust machen. Es dürfte also an der Zeit sein, die Stellung der altern Rabbinen ettvas näher zu beleuchten. Kein billig Denkender wird die frommen, achtenswerthen Gesinnungen dieser Männer in Abrede stellen, sie waren und sind der Tora vom H'erzen ergeben, und deren Erhaltung-war und ist nun der Zielpunkt ihres Strebens. . ihnen ihr Strauben gegen jede Ümstaltung. gottes.d.wnsillcher Formen nicht zur Last legen,..Mirwlr'Mt"von' der- RDkm-Controverse ganz abftrah.iren. ' Aber — wenn sie jedM rein wissenschaftlichen Elemente feindlich entgegentreten; wenn der Lemberger Rabbi das Anathema über Perl-nrnd-seine Schule ausspricht; wenn der Preßburger seinen Kindern und Kindeskindern testamentansch verbietet, eine deutsche Bibelübersetzung zu lesen; wenn er seinem etwaigen Nachfolger unter der Androhung^ eines frühen Todes das deutsche Predigen untersagt: so ist dies Alles auf. ihrem Standpunkte zu entschuldigen, aber kein Vernünftiger-, und Mre ihm auch die unbedeutendste rabbinische Observanz heilig, wird die Zeit zurückwünschen, wo die stocktalmudische Schule alle jungen Kräfte in eisernen Fesseln gefangen hielt, eine Schule, welcher auch ein Hirsch, da er studiert Ihat und deutsch schreibe, nicht mehr orthodox erscheint/— Nur die Beschränktheit, die die Personen und Sachen nicht unterschieden weiß, kann nicht begreifen, wie »janJenen Gerechtigkeit kann wiederfahren lassen,-._wMrend man^chce-AnMten verwerflich findet. Jm^alten Judenthum ist^aÄerdingF^iel gesundes Leben, vzel^gesundeKraft^^_uü^4LNLL^lH tscheuen Starrheit, die in sedem deutschen Buche nichts als Irreligiosität und Ketzerei feM^alle Lebenskraft, und Alles, was von. dieser Seite konMt<ist tobt ujj£ verwelkt wie die Blume des Herbariums._Die panegyrischen Jünger sollten dM-bedenken, ^rß sie/waren sie ihrem Meister treu geblieben, ihn in deutschcn-^eiMngen gar nicht loben könnten, und dcrß^sre, indetn^sie das Lob nur deutsch verkünden, strengen Warnungen und ErmahnunM ihres Lehrers Hohn sprechen.' Da nun aber einmal der Charakter der verstorbenen Rabbinen öffentlich zur Sprache gebracht wurde, und man besonders für den Preßburger eine-A,p.(^vEHeiligke it in Anspruch nimmt, welche das Judenthum keinem Sterblichen beilegt; sollst es dieVolksgeschichte der Nachwelt schuldig, mit aller Schonung auch auf die Schattenseiteditses frommen und klugen Mannes hmzudeMn.—War es ^nes solchen Mannes nicht unwürdig, sein^'eigene, weltliche Gelehrsamkeit zu preisen, und in einer öffentlichen Rede, an heiliger Statte, er fordere alle Philosophen heraus,-— er könne ihnen auch auf ihrem. Gebiete seine Ueberlegenheit zeigend — War es nicht seltsam, ihn in seinen Vorlesungen feine mathematischen Kenntnisse zu rühmen, da ihm doch bekanntlich die Mathematik bis auf die erstemElemente ganz fremd war? —.. Waren -die—Fluche und Verwünschungen, die er so oft von-deo Kanzel herab hören ll'eß, und von denen noch seine letzten Frstpredigten strömten, vom. Geiste der Frömmigkeit dictkrt? — Und —- war. er denn wirklich so innigst überzeugt (hüse), daß es Jedöm, drr.^z. U/die^,Eisenbahn am.Sabbat befährt, schlecht ergehen- und düß der Fluch lasten werde auf seinen Nachkommen, bis auf das spateste Geschlecht? — Ausgesprochen wurde diese Drohung, ausgesprochen der furchtbare Fluch in Gegenwart von Hunderten. War es des guten Mannes Ernst, — woran wir ihm zu^EhreM'gar nicht zweifeln wollen, -- dann sind seine Religionsbegriffe, seine Vorstellungen von göttlicher Gerechtigkeit und Vorsehung sehr zu beklagen,, und die Selbsttäuschung, die ihn im Besitze einer gewissen Prophetie sein ließ, ist in der That ein schwer zu . lösendes -psychologisches Problem. Doch genug! — Ref. bedaü-ert..,xvlrklich, ^daß er diese Seite hat berühren müssen. . Aber wurden nicht, auch die Heroen der. Bibel und des Talmuds mit Ün'beftrngenheit beurtheilt? Verbirgt die . heilige... Schrift die menschlichen Schwachen der Lieblinge Gottes? — - Preßburg, 18. Oktober. (Privatmitth.) Gestern Abends war in unserer großen Synagoge der Tcauergottesdienst für den seligen Rabbinen Moses Schreiber, welcher bei allen europäischen Juden in hohem Ansehen stand. Nicht nur sämmtliche Mitglieder, sondern Viele von den Nachbargemeinden wohnten der Feierlichkeit bei. Der Sohn des Seligen, H. Samuel Wolf Schreiber, hielt die Trauerrede -I22N, welche auf alle Anwesenden tiefen Eindruck machte. Literarische Nachrichterr. Wien, 22. Okt. (Privatmitth.) In der neuesten Schrift des Herrn Dr. Creizenach, Chisuk Hatora, findet sich eine Uebersetzung einer rabbinischen Stelle, welche hinlänglich beweist, wie leicht in diesen Dingen das Irren sei, und mir welcher Vorsicht man hier zu Werke gehen müpe. S. 126 dieses WerkchenS citirt Hr. Dt. C. eine Erklärung Naschi'S, ^b. Sara. 66,. a, wo er ibn liest und „Milch" überseht, während daselbst ganz offenbar zu lesen, und „Unschlitt" zu übersetzen ist. Da aber Hr. C«. von „Milch" spricht, so hgtte er nicht von feiner, sondern von ihrer Substanz sprechen sollen. Ueberhaupt ist jene, von mswn handelnde Parthie eine der schwächsten, in welchen Hr. Dt. Creizenach seinem Gegner einige Blößen gegeben, die derselbe gewiß ausbeuten wird. Hr. C. würde wohl daran thun, die betreffenden ^Stellen selbst in diesen Blättern zu berichtigen, um so allen literärischen Neckereien vorzubeugcn. L. Wien, 2A. Oktob. (Privatmitth.) In Kurzem wird eine neue Uebersetzung aller Gebete und der, in den neuen Bethäusern üblichen Pijutim von Mannheimer die Pre^e verlassen. — Der Druck des Y* schreitet ununterbrochen vorwärts; doch bleiben die, den ersten Lieferungen beigegebenen Noten von Nchemias Trebitsch, da sie beim Publikum keinen Anklang, finden; jetzt weg. Berlin, 21. Oktob. (Privatmitth.) In der Angelegenheit deS Herrn vr. Geiger ist, so viel man hört, noch immer Nichts entschieden. Zeugniß dafür ist sein fortdauernder Aufenthalt an hiesigem Orte. Derselbe lebt übrigens hier ziemlich zurückgezogen und seinen literarischen Studien hingegeüen. Wie ich auö sicherer Quelle weiß, denkt er vorläufig nicht an die Fortsetzung seiner Zeitschrift, ohne diesen Plan jedoch ganz aufgegeben zu haben; hingegen beschäftigt er sich isiit einer andern gelehrten Arbeit, welche bereits im Drucke ist. Diese Arbeit bestehr nemlich in der Herausgabe einiger kleinen werthvollen hebräischen Manuscripte, unter denen mir als besonders interessant bezeichnet wurde c ein Brief Joseph del Medigos, der dieses ausgezeichneten 'Mannes wahre Ansichten, besonders über Kabbala, unumwunden ausspricht, und eine mir seltener Gelehrsamkeit dargestellte', und mit treffenden Worten bezcichnete kurze jüdische. Literaturgeschichte . enthalt. Herr Dr. Geiger wird denselben auch übersetzen, zugleich

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