Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 97 (9.11.1839)
- Date
- 1839-11-09
- Page
- Seite 576 (sequence 4)
- Language
- German
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576 Bekenner unsres Glaubens, die Kaufmannsläden wurden gesperrt, die Geschäfte unterbrochen, mit Blitzesschnelle durchflog die Trauerkunde Preßburgs Umgebung, ganze Schaaren seiner verwaisten Verehrer fanden, sich in tiefer Trauer ein, ihrem großen Lehrer die letzte Ehre zu erweisen. Gegen Abend nahm der Leichenzug seinen Anfang — nichts von äußerem Gepränge, dieses mag einer andern Feder überlaffen bleiben — wahre Trauer wohnte in jedem Herzen und sprach deutlich .aus jedem.Zuge des Gesichtes. Die vornehmsten Mitglieder der Gemeinde eiferten um die Ehre, die entseelte Hülle ihres geliebten Lehrers zur ewigen Ruhe zu tragen, ihnen folgten die nächsten Leidtragenden, dann kamen in geschloffenen Reihen' die Studenten (ü^nn) mit den hinterlassenen Manuskripten in den Händen. Unübersehbar war der Zug. des Leichengefolges, kein Augeblieb trocken, und in jeder Miene spiegelte sich das tiefste innere Seelenleiden; ganze Schaaren verlassener Wittwen und Waisen weinten bittere Thränen ihrem entrissenen Wohlthäter nach. „Da.zogen sie hin in das Thal des Jammers, ihre Zähren machten .es zur Quelle und mit Segen hüllt man ein den.: Lehrer (Psalm 84,7) tonn pasa ‘•ns*,, "rrim. nw.imn-iüv Neun Rabbinen, der Sohn, : Nachfolger des Verblichenen, an ihrer Spitze, hielten Leichenreden, die um so energischer waren, je treuer sie die innern Gefühle ausdrückten, und je reichhaltiger der Stoff sich gleichsam von. selbst darbot, sie durften ja nur auf die Manuscripte hindeuten und ausrufen: „Dieser hielt genau, was in diesem geschrieben ist" N7 trp,, airoiD na um die ganze Versammlung Thränen vergießen zu machen. So ruhe denn sanft, du treuer Hirte, anspruchtoser und bescheidener Gelehrter, du aufrichtiger Lehrer und unvergleichlicher Menschenfreund! Dein Andenken wird nicht nur bei Preßburgs verwaister Gemeinde, sondern bei allen Brüdern zum ewigen Segen fortdauern, und jeder, der so glücklich. war, deiner Verherrlichung.beizuwohnen, wird unwillkührlich mir Nachrufen: „O daß ich den Tod der Redlichen stürbe, daß mein Ende dem Seinigen gleiche!" (Numeri 23, .10] "man “>rpnr:tt .‘’nm tn1w nia *»iöBa nxyr,/ S. L. Jsraelspchü. Wien, 18. Oktober. (Privatmitth.) Der Kampf zwischen wissenschaftlichen und stocktalmudischen Rabbinatsrandidaten, .von welchem Ihre baierischen Correspondenten öfters zu sprechen kommen, wird auch in unserer Provinz Mahren seit einigen Jahren gekämpft. Zwar finden sich dort keine studirten Candidaten, aber dem Landesrabbinate, das auf die Wahlen einen großen, auf die Promotionen einen unumschränkten Einfluß ausübt, ist Jeder, der nothdürftkg deutsch lesen, sprechen und schreiben kann, verdächtig genug. Gegenwärtig sind es zwei Gemeinden, mit denen das Landesrabbinat in Conflict gekommen: Loschitz im Olmützer Kreise, wo Gemeinde, Ob§ramt und Kreisamt den Candidaten Neu da, einen braven, gebildeten jungen. Mann, als Rabbi anerkannt, dem das Landesrabbinat einen sehr obscuren Gegenrabbi entgegenstellt, dann Neurausnitz, im Brünnec Kreise, wo der bei Weitem größte Theil den tüchtigen Candidaten Stößel wählte. und der Landrabbkne feinen Schwiegersohn eingesetzt wissen will. Merkwürdiger Weise sind es gerade sehr fromme, im Rufe strenger Orthodoxie stehende Männer, die auf der Seite des gebildeten Candidaten stehen, wahrend die „Aufgeklärten" auf eine Weise gegen denselben agiren, die ich hier nicht naher bezeichnen will. Diese Vorgänge werden gewiß unsere weise Regierung veranlassen, das Decret, welches allen Rabbinats candidaten die Humanitats- und philosophischen Strien zur Pflicht machen wird, recht bald in Wirksamkeit treten zu lassen. Ganz sicherm Vernehmen nach sind vor einigen Monaten den mährischen Gemeindevorstanden mehrere Fragen zur Aeußerung vorgelegt worden, welche auf ein baldiges Erscheinen dieses Decrets hindeuten. —. 20. Oktober. Der Schulfond der Nicolsbucger Schule ist wieder mit Vier Hundert Gulden Conventions-Münze, einer Schenkung des allgemein geachteten Vorstehers, Hrn. Aron Karpeles, vermehrt worden. Auch ist dieser Tage die Gub ernialbewilligung für die Jndustrieanstalt bereits erfolgt; hoffentlich wird die ersehnte Creirung der Schule nicht lange auf sich warten lassen. Die Vorsteher dieser Anstalten erschöpfen sich in Lobeserhebungen der hohen Behörden, welche ihnen allen möglichen Vorschub leisten, -und ihr Streben auf die bereitwilligste Weife unterstützen. Wien, 17. Oktober. (Privatmitth.) Ich schrieb Ihnen bereits von Perls Gedachtnißfeier, und von der Freimütigkeit, mit welcher unser Prediger bei dieser, wie bei jeder andern Gelegenheit, seinen Gegenstand^besprach. Da jedoch jene Gedachtnißworte« hier in allen jüdischen Kreisen vielfach besprochen werden, und in den ungarischen Nachbargemeinden viel Sensation macht; da .es^feMr den Anschein hat, als rege sich bei dieser Gelegenhei^ein schlummernder Principienkampf: so glaube ich Mich verpflichtet. Ihnen hierüber ausführlicher zu berkch^ri. Indem nemlkch Perls ^verdienstliches Wirken auf der Kanzel zu besprechen und zu .würdigen war, und die Synagoge das Gedächtniß eines ihrer würdigsten Sohne nach herkömmlicher Sitte feiern wollte; so drang sich von selbst die Frage auf, warum die^jüygst verstorbenen, frommen Rabbinen von Lemberg und Preßburg.ganz unerwähnt und unberücksichtigt blieben, da beide iK Rufe hoher talmudifcher Gelehrsamkeit und ^unbescholtener Redlichkeit standen. Nun gedachte, aber d5^-Redner..dieser Rabbinen wirklich, und zwar auHMe Mise, dir^ihrer würdiger war, als die langen, im.oMntalischen, übertreibenden und aufschneidenden Style Khaltenen Lobeserhebungen, die dem lesenden Publikum yie und da geboten werden. Da. aber Perls glänzendes Verdienst chH talmudisch - conlemplative Richtung jener Rabbinen ftn Schatten stellte; da das sterile , „Hocken über das Gesetz," >^eren sich diese, sonst sehr achten swerthen, MänNr/ergaben, verdunkelt wurde, von Perls fruchtbarem, ^Seae^m bringenden Streben und Wirken: so ward dieses Verhältyiß in Ausdrücken hervorgehobett, welche den Vecechrern jener Rabbinen, so wie den passiven Anhängern jenes indifferenten Quietismus etwas zu stark schienen. —^^r.rr’r.— Irre ich nicht, werden die sich gekrankt Glaubenden ih-