Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 97 (9.11.1839)
- Date
- 1839-11-09
- Page
- Seite 574 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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574 Skiern) ein Wort zu richten, warum dieselben den Unter* richt im Hebräischen bei der Jugend so sehr vernachlässigen, daß die Kinder völlig unwissend bleiben, und höchstens zur öffentlichen Prüfung ein Weniges mechanisch eingeübt bekommen. Man rühmt die Methodik der neuern Zeit so sehr, warum laßt sie uns auf die Erfolge so lange warten. Warum üben die Rabbinen so wenig ihre Pflicht der Beaufsichtigung, daß die Lehrer machen können, was sie wollen? Will man das Hebräische als Unterrichtsgegenstand crbschaffen, nun so sage man es, und wir können uns danach einrichten. Der Schein aber nützt zu Nichts, und verderbt die Zeit und die Schüler! Aus dem Oldenburgischen, 15. Okt. (Privatmitth.) Ihre edle Teilnahme an allen jüdischen Interessen läßt uns keinen Zweifel, daß Sie auch uns einige Worte in Betreff unseres Schulwesens in Ihrem mit Lesenswerthem gefüllten Blatte, dem Brennpunkte jüdischer Strahlungen, auszusprechen erlauben werden. Wer noch Freude findet an jedem geistigen Fortschritt muß sich von dem frischen lebendigen Geiste überzeugen, der jetzt die jüdischen Schulen in unseren. Kreisen durchwehet. Kaum 10 Jahre sind es, seitdem überhaupt unsere Angelegenheiten von unserem hochseligen Fürsten ausgegangen, organisirt worden, und der aufmerksamen Kontrolle, unter die dadurch unsere Schulen gesetzt, verdanken wir die überraschendsten Resultate. Es zeigte sich bei dem letzten Examen, daß Kinder von 9 — 14 Jahren außer den allgemein nen Elementargegenständen, je nach ihrem Alter tüchtige Kenntnisse im grammatischen Fache,, in den 24 Büchern der heiligen Schrift, in der Pflichtenlehre und Geschichte des. Iudenthums besitzen. Ja Kinder von 12 —14 Jahren übersetzten ohne Anstoß jedes nicht zu schwere Kapitel ex tempore mit Erklärung und Analyse. In Oldenburg lieferten Kinder von erwähntem Alter *»VtöH schriftlich übersetzt, das sie außer der Schule ausgearbeitet hatten. Einen besonders angenehmen Eindruck macht es, wenn Mädchen, denen seit 50 Jahren die heilige Schrift auf eine unverzeihliche Weise ein versiegeltes Buch war, ganze Stellen aus dem hebräischen Texte, sogar aus r»W und nr« übersetzen., und auf. jede Frage in Geschichte und Lehre des Iudenthums geläufige Antworten geben. Man denke sich ja kein mechanisches Spiel darunter. Die Art und Weise ihrer Antworten zeigt, daß bei ihnen mehr aufs Herz und auf die Denkkraft, als aufs Gedächtniß gewirkt worden. Um aber diese Leistungen recht zu'würdigen, muß man sich in die Zeit versetzen, welche dieser vorangegangen. Da zeigt sich uns das traurigste Gemälde. Wir finden rohe, unwissende Menschen, nur auf das Zeugniß eines guten Schächters! von. der Gemeinde angestellt, die sich nun auch befähigt glaubten, zu unterrichten, zu lehren üi Dingen, die mehr als alles andere Wissen, auf Geist und Gemüth Einfluß haben, von denen geleitet dre.Kinder zum Menschen, zum Juden herangezogen ins Leben treten sollen. Wie dies geleistet wurdekann man denken. Ohne Aufsicht, ohne Leitung / nach dem Schlendrian ungeregelter Methode, oder vielmehr ganz .und gar ohne diese, wurden den Kindern mechanisch Lehren eingepfropft, die nicht'einmal die Lehrergeschweige denn die Schüler verstanden, und wie oft gar waren diese Ignoranten, die als Menschenerzieher auftreten wollten, verderbt, wie oft Wüstlinge, die Giftstoffe in die jungen Gemüther getragen, an die spater ihre ganze Seele zu Grunde gegangen. Wie freudig muß es uns ergreifen, halten wir diesem Gemälde das Bild unserer heutigen Gemeinden gegenüber, wie freudig treten uns die Blüthen der Aussaat eines Mannes .entgegen, der mit rastlosem Bemühen für das Wohl unserer Gemeinden sorgt. Unser würdiger Landrabbine, Herr Hirsch ist es, der mit so edler Conftquenz, mit so beharrlichem Muthe und Ernst wie er für die heilige Sache öffentlich streitet auch im Einzelleben, auch im Stillen gegen die unzählbaren Schwierigkeiten, bei den oft unüberwindlich scheinenden Hemmungen, die bei der Winzigkeit, Zerstreutheit und Mittellosigkeit unserer Gemeinden ihm überall entgegentreten, ankämpft. Mit aufopfernder Liebe sorgt er für unsere Anstalten, wo er Keime findet, zum Gedeihen, da weckt er sie und ist innig bemüht, ihr Aufstreben zu befördern. Er wirkt, lehrt und unterweist, wo es ihm nur möglich. Herr Landrabbine pflegt alle 2 Jahre Jnspectionsreisen in allen Gemeinden zu machen. Da er für diesen Sommer es so eingerichtet, daß er je einen Sabbat in einer Gemeinde sein konnte, so hatten wir auch den Genuß herzlicher eindringlicher Worte, die er in den Synagogen gesprochen. Das Rednertalent unseres liebevollen Führers lockte auch eine zahlreiche Menge christlicher Zuhörer in die Synagogen, die gleich uns von den gehaltvollen Worten, der Einfachheit und Klarheit des Ausdruckes ergriffen waren, und bedauerten wir nur, eine solche Herzenssprache nicht oft hören zu können. Von Dankbarkeit gegen den Herrn Landrabbinen durchdrungen, legen wir, werther Herr Redakteur, hiermit unsere Gefühle in Ihrem Blatte, dem Reposi'torium aller geistigen Schatze des Iudenthums, nieder, und fügen nur noch den Wunsch hinzu, Herr Hirsch möge noch lange in unseren Kreisen wirksam sein und er soll gewiß dankbare Herzen finden. A. Heinemann, Gemeinde - Vorsteher in Willderhausen. Enoch Marcus ........ Vechta. Anschel Moses, . . . . . . , Daselbst. I. I, Schwabe, Gemeinde-Vorsteher in Delmenhorst. -Oesterreich. Preßburg, 18. Der dritte Oktober dieses Jahres, der fünf und zwanzigste Tischri 5600 wird immer in. den Annalen, nicht nur der ") Wir kaffen diesen Nekrolog, da er als ein Zeichen der Pietät anzusehen, unverändert folgen, um so mehr, da er mit der in der vorigen Nummer dieser Zeitung angeregten Streitsache nichts zu thun hat, und als ein Ausspruch vieler Verehrer des Verstorbenen der Oeffenllichkeit übergeben werden muß. Wir verweisen übrigens auf die Korrespondenz aus Wien, die sogleich nachfolgt.. D. Red alt.