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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-02 · Heft 96 (2.11.1839) · p. Seite 13-14

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 96 (2.11.1839)
Date
1839-11-02
Page
Seite 13-14 (sequence 19)
Language
German
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14 13 lesen wagten es elende Menschen, ein freches Spiel zu treiben, bei ihr liefen sie ihren Leidenschaften freien Lauf und fügten mit Frechheit ihren Rabbiner Beleidigungen zu: der Ruhetag, das Zeichen zwischen Gott und uns, wurde etheiligt: man klagte Alexandersohn an, am Ausgange des Ruhetages manches erlaubt zu haben; durch Ihre Veranlassung aber wurde der Ruhetag selbst entweiht: denn welche größere Entheiligung, als wenn die Gesetze der Menschlichkeit, auf die der Lag selbst hinweist, in der gottesdienstlichen, sabbathlichen Versammlung mit Füßen getreten und Haß und Neid und unwürdige Handlungen sich zeigen? Sie bekleiden das Rabbiner - Amt an fünfzig Jahre, mit Achtung wird Ihr Name allenthalben genannt: soll mm diese schöne Lebensbahn, soll Ihr frommes Wirken durch solche Lhat nun getrübt seyn? Sie haben viele belehrt, viele Schüler großgezogen: sie hangen innig an dem geehrten in Gottesfurcht ergrauten Lehrer: sein Beispiel ist ihnen Lehre, sein Wandel ihr Vorbild: so mögen Sie denn ihretwegen Ihr Urtheil, das mit Unrecht ausgesprochen wurde wiederrufen, auf daß sie von ihren ehrwürdigen Lehrer erlernen, daß der Fromme es nie vergesse, er sey Mensch; daß der Fromme es gerne gestehe, wenn er gefehlt, denn ihm ist das Urtheil des höchsten Gottes und Richters mehr denn das Urtheil des Menschen, vor Gott rein zu seyn ist ihm das höchste Gut, darum stehet er nie an das begangene Unrecht zu sühnen. Und Siesind es dem Glauben, Sie sind es der desorga- »isirten Gemeinde zu Csaba, Sie sind es der mit Füßen getretenen Menschlichkeit schuldig „offen und frei Ihr Verdammungsurtheil zu widerrufe.»: in diesen Blattern Mögen Sie es aussprechen, in ossnen Worten es niederlegen, daß Sie Herrn Alexandersohn Unrecht gethan. So wird denn Manches gut gemacht werden: man wird Ihre Frömmigkeit als wahrhaft anerkennen; die Gemeinde zu Csaba wird zur Einsicht ihres Vergehens gelangen und zu ihrem Rabbiner reuig zurückkehren: und so werden Sie stillen die Thränen einer verlassenen Frau und vaterloser Kinder: der Gatte und Vater wird sich aufgerichtet fühlen, er kehrt zu den Seinigen zurück, und er wird vergessen seine fünfjährigen Leiden, und der Abend Ihres Lebens, den Gott verlängern möge, wird nicht von der Wolke des Unrechts umdüstert seyn'Z selbst dieser Fehltritt erscheint als göttliche Schickung: der Herr bediente sich eines Frommen, daß die treffliche Lehre sich verwirkliche: „den Irrthum eingestehen ist der göttliche Vorzug des Menschen, und solche Selbst- . Überwindung adelt ihn wahrhaft! Gering bin ich an Jahren und Kentnissen, so sprach ich es aus und so wiederhole ich es: aber mich treibt die Wahrheit, die alter noch ist als die Welt: darum müssen Sie ihr Rede stehen und mir vor der Oeffentlichkeit antworten: sollte es nicht geschehen? Nein! Ihre Frömmigkeit, ehrwürdiger Herr Oberrabbiner! läßt mich für den Glauben das beste Resultat hoffen, Sie hätten sonst sich das Urtheil gesprochen. Denn diese Worte werden von Hütte zu Hütte wandern, und so weit die allgemeine Zeitung des Iudenthums verbreitet ist, wird von dieser That gesprochen werden, so sie nicht durch einen offenen Widerruf entkräftet wird; dann wird Alexandersohn das letzte Opfer des Fanatismus 'gewesen seyn. und gebrochen sind die schmählichen Fesseln, rn denen mancher Religionslehrer die Geister gefangen halten will; nicht wird der Fanatismus in seiner blutigen Gestalt mehr auftreten, nicht wird Lieblosigkeit ferner Urtheile fällen, nicht hat die Verketzerungssucht freies Feld, denn das Volk wird einsehen lernen, daß das Urtheil der Menschen trügerisch, daß sie selten ganz frei von Selbstsucht seyn Frei ist das Wort und ungefesselt, und es fliegt hin auf unsichtbaren Fittige« und dringt ein zu Großen und Edlen, und es wird zu den Richterstühlen sich einen Weg bahnen und das Recht dieses Gebeugten wird klar hervorgehen. Gott, der den Gebeugten aufrichtet, wird Ärost kommen lassen in das Herz des tiefgedrückten Alexandersohns, und wird ihn erheben, und es werden edle Männer sich seiner annehmen und er wird einen Ruheplatz in einer anständigen Gemeinde finden. Und der jüngeren Generation wird diese Begebenheit eine heilsame Lehre zurücklassen, und wird sie Duldsamkeit und Vorsicht lehren, sie wird uns zeigen, daß durch Lieblosigkeit und Uebereilung wir die Gemüther uns entfremden, den Glauben untergraben und ihm in solchen unreifen Eifer den größten Schaden znfügen. So wird unser Herz geneigt zum Versöhnen, zum Verzeihen: es schwindet der Fanatismus, es schwindet die Scheidewand, die zwischen Alten und Jungen, zwischen dem vorigen und jetzigen Geschlechte sich aufzuthürmen droht: es verbindet sie Ein Band, das der Liebe und Nachsicht: so ist der Glaube gerettet. so ist in seinen Grundpfeilern er gesichert: und er wird Ewigkeiten überdauern.*) Dresden, den 8. Jjar 5599. 22. April 1839. Dr. Z. Frankel, Ober-Rabbiner. Erklärung des Oberrabbinats zu Prag. Rabbi Jonathan Alexandersohn, Rabbinerzu^saba in Ungarn, harte das Unglück durch Umtriebe böser Menschen, Verleumdungen und falscher Angaben von einigen Rabbinern unbegreiflicherw-eise sich so verfolgt zu sehen, daß seine ganze physische und moralische Existenz dadurch untergraben wurde. Seine unverdiente unglückliche Lage beherzigend, nahmen einige Andere, durch ihre Gelehrsamkeit, reine Religiosität und Rechtlichkeit bei d'er israelitischen Nation vorzüglich in Achtung stehende Rabbiner, sich ihres gedachten Amtsgenossen Rabbi I. Alcxandersohn an, und obwohl das Unrecht, welches demselben wiederfuhr sich jedem Unbefangenen sogleich deutlich darstellen muß, haben Dennoch diese ehrwürdigen Hirten in Israel ein ordentliches Aeugenverhör veranlaßt, und den Ungrund der ihm zur Last gelegten Beschuldigungen mehr zu bewähren und zu veröffentlichen, und es wurde dadurch das günstige Resultat für den R. I. Alexandersohn herbckgeführt, daß derselbe von diesen würdigen Rabbinern förmlich als ganz unschuldig erklärt wurde. Aufgefordert von dem humanen Dogma unserer heiligen Religion, „dem unschuldig Verfolgten beizustehen", und aus Liebe zur Wahrheit und Gerechtigkeit, folgte der gefertigte Relionsvorstand und Collegium Der Dberjuristen dem Beispiele seiner achtungswerthen Amtsgenossen, und fand sich daher bewogen, diesen verfolgten, unterdrückten, seiner Ehre und seines Erwerbes beraubten. Manne, nach Möglichkeit beiznstehen, und Da derselbe nie zu einem Rabbinate gelangen, wenn er seine erste Rabbinerstelle nicht behaupten könnte, und sonach sein ganzes zukünftiges Wohl von dem unangefochtenen Besitz derselben abhangt, so hat der Religionsvorstand u. s. w., keine Mühe gespart, alle Documente und alle Vorgänge bis in die kleinsten Einzelnheiten zu prüfen, und «) Die Aktenstücke liegen mir vollständig vor, doch wollte ich sie nicht in ihren Einzelnheiten anführen, um nicht das Publicum zu ermüden. Ueberdieß ist Herr Alerandersoyn gesonnen, sie einst nebst noch mancher andern Erläuterung der Oeffentlichkeit zu übergeben. Möge dieses Opfer des Fanatismus kn seiner traurigen Wanderung überall liebevolle Aufnahme finden; möge die Welt bezeigen, daß sie keinesfalls jenes lieblose Verfahren billigt, und daß sie in inniger Theilnahme das traurige Leos des Herrn Alexandersohn zu mildern bereit ist.

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