Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 96 (2.11.1839)
- Date
- 1839-11-02
- Page
- Seite 5-6 (sequence 15)
- Language
- German
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5 pV'BH und bw p'DH und dergleichen. *) Er habe auch bei einigen ritualen Fragen (rr!n 'bnr) nicht nach Recht und Lehre gesprochen, er habe erklärt, daß er zu erleichtern suche u. s. w.; endlich habe er auch sich geäußert: Es gebe keine jenseitige Belehnung und Strafe, ist der Mensch gestorben, so ist es mit ihm aus. — Jedem Unbefangenen leuchtet von selbst das Bestreben der Zeugen ein, den Rabbiner Alexandersohn anzuschwarzen, ihn so bei seiner Gemeinde zu verdächtigen und sie endlich dazu zu bewegen, daß sie ihn seines Amtes entsetze; und es würde jeder Rechtliche, der sich von Selbstsucht einigermaßen nur zu befreien weiß, die Zeugen, so er sie nicht völlig abweisen konnte, doch durch Vorstellungen und Hinweisung auf die Schändlichkeit, durch Unwahrheiten ihrem Mitmenschen und noch dazu ihrem Religionslehrer zu schaden, aufmerksam gemacht haben; er hätte ferner die strengste Inquisition angestellt und das Zeugniß durch Widersprüche der Zeugen selbst (und wie bald mußten solche Wichte sich verfangen) zu entkräftigen gesucht. Aber welche traurige Rolle spielte hier der Rabbiner zu Szanto! An ihn wendete^ sich die Gemeinde zu Csaba, daß er die Sache untersuche, und wahrlich! er war es feinem Amtsbruder schuldig, mindestens selbst nach Csaba zu gehen, die Betrüger zu entlarven, und das Ansehen des gekränkten Mannes herzustellen. Doch er konnte es wahrscheinlich Alexandersohn nicht vergeben, daß er die Ehescheidung gegen seinen Rath vorgenommen hatte"), und er schickte drei sogenannte Richter ( cWi) nach Csaba, daß sie über Alexandersohn entscheiden. Woher solche Keckheit diesem Manne beigegangen sey, läßt sich nur ans obiger Bemerkung, über die schädliche Jnfluenzirung der größeren Rabbiner auf die kleineren Gemeinden erklären, und daß Herr Alexandersohn sich tief verletzt fühlte, nnd diesen ambulanten Gerichtshof nicht als competent anerkennen wollte, braucht nicht erwähnt zu werden. Was thaten nun aber die gelehrten Richter? Als der Beklagte sich vor ihr Tribunal nicht stellen wollte, so hörten sie gegen Fug und Recht die Zeugen ab (bekannt ist \3EQ X^>X üH'j/o px) nahmen zu Protocoll alle Aussagen, und der Spruch fiel natürlich dahin aus: „Es zeige sich offenbar," daß er — Alexandersohn — Gesetz und Glauben einreißen und zerstören wolle." "*) Der Rabbiner von Szanto erklärte ihn nun „als einen Ketzer, der des 'Rabbineramtes zu entsetzen sey, als einen frechen Abtrünnigen vom Gesetze." Dieses lieblose Urtheil wurde auch'von den Rabbinern zu Uhely, Gyarmath *) Der Bethsiligte erlaubt sich hier die Bemerkung, daß er weit entfernt ist, die Beschuldigungen in s gesammt gering zn achten, vielmehr sind mehrere darunter, welche, wenn auch an sich unwichtig, ihn dennoch als Rabbiner und als streng orthodoxer, jeder Bestimmung unserer Ritualgesetze treu ergebener Jude, wie er sich mit frohem Bewußtsein nennen darf, schwer compromittiren würden; wenn es nicht, wie der geehrte Herr vr. Frankel weiterhin erwähnt, — die schändlichsten auf die nichtswürdiasten und formlosesten Angaben hin angenommenen Lügen und Blendwerke waren. Siehe die Nachschrift. **) S. weiter die Aeußerung der HerrertzM)berjuristen zu Prag. ***) DTini TOn wntp Wjn nx-'.: 'sS ♦ rwöK nm p*rnn m und Altofen bestätigt. Dieses Urtheil kam, Herr Oberrabbiuer! auch an Sie, und o des Unheils! auch SieZ bestätigten es, auch Sie fielen mit fanatischer Wuth über den gebeugten, gekränkten, hülfloseu Mann her; Sie bestätigten nicht nur den grausamen Spruch, sondern Sie schrieben an die Gemeinde zu Csaba selbst; Sie hielten es nicht unter Ihrer Würde, sie zum Ungehorsam gegen ihren Rabbiner aufzurejzen, ihn vor ihren Augen blosznstellen, ihr zuzurufen ihr Religionslehrer. sey ein Abtrünniger, den man stürzen und nicht erheben darf! Und darf man wähnen, mit solchem Schritte dem Jndenthume zu dienen? Soll etwa,so der Glaube aufrecht erhalten, so für Gottes Ehre gekämpft werden? Blicken Sie um sich, Ihr Verfahren — daß ich es aussprechen muß: — stehet ohne.Beispiel in der Geschichte: wem nur ein richtiger Begriff über Glauben und wie er hochgestellt werde, aufgegaugen ist, der wird erkennen, daß die Gemeinde gegen ihren Geistlichen aufzuregen nicht minder Hochverrath' am Glauben ist, als den Staat zum Ungehorsam gegen den Monarchen aufzuwiegeln; wird es einmal der Gemeinde als rechtlich dargestellt, ihren Lehrer die ihm schuldige Achtung zu versagen, so wird Verachtung gegen jeden Religionslehrer in ihr Wurzel fassen; und wird es je in einer solchen Gemeinde an Vorwand und falschen Zeugen fehlen, um'auch kommende Rabbiner zu verunglimpfen? Welches Vorbild zeigen Sie nnn, welch' eine unabsehbare Reihe von Verwirrungen ziehet dieser unselige Schritt nach sich, welche Verantwortlichkeit lastet auf Ihnen! Zerwürfnisse zwischen Lehrern Md Lehrern, Zerwürfnisse zwischen Lehrer und Gemeinde, dieses ist, was, wird in solchem Geiste fortgefahren, der Synagoge bevorstehet: und ist das innere Einheitsband, — ach! es ist auf mehrern Seiten schon durchnagt, — völlig zerrissen, schwindet durch Hinzuthun der Lehrer selbst das Ansehen der Glaubenßvertreter, wird btc Gemeinde von gelehrten Männern selbst aufgefordert, sich zur Richterin, zur execntiven Behörde aufzuwerfen in Fällen, in denen ihr kein' Urtheil zusteht, dann wird Glaube und Frömmigkeit bald schwinden, dann ist jedes Vertrauen zum Religionslehrer zu Grabe getragen, Rohheit und frecher Hohn bemächtigt sich der Gemüther und läßt keine Achtung für das Göttliche aufkommen. Und was soll solchem Verfahren zur Entschuldigung — denn gerechtfertigt kann es nimmer werden — dienen? Etwa die -Frömmigkeit? Ihr frommer Eifer hat Sie so weit geführt, Sie haben kein Mittel unversucht gelassen, um Alexandersohn von seinem (in Ihren Augen) ketzerischen Wege abzubringen, Sie haben überhaupt den Gegenstand untersucht mit der Genauigkeit, die er erheischte? Nein! auch dieses nicht; Sie haben verdammt ohne zu forschen. Sie haben gerichtet, aufgewiegelt, ohne zu untersuchen, und dieses ist es nicht minder, weshalb Sie Herr Oberrabbiner! in den Augen der Welt als Angeklagter dastehen, dieses ist's weshalb leider! Sie jeder Entschuldigung baar scheinen, dieses ist was Manchen an Ihrem so ehrenhaftem Charakter als Mensch, als Gottesfürchtige», als Lehrer in Israel zweifeln läßt, was Jedermann mit dem tiefsten Widerwillen erfüllt, mich selbst mit der düstersten Wehmuth durchschauert, denn deirt-