Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 96 (2.11.1839)
- Date
- 1839-11-02
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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(Ausgegeben mit der allgem. Zeitung des Zudenchums M ) Sendschreiben an den ehrwürdigen Dber-Rabbiner Herrn MofeS 9 0 p h C Y, zu Preßburg, von Dr. Z. Fpankel, Ober-Rabbiner zu Dresden. Ueber dessen Verfahren gegen einen Nabbiner rn Ungarn. Wahrheit und Licht sind seit dem Urbeginne mit-einander auf's innigste verbunden: der Schöpfung drückte Gott Wahrheit als Siegel auf"), und seiner -Werke erstes war Licht. Und in inhaltreicher, erhabenerEinfachheit liegt dieSchöpfungs- - geschichte dem -Gläubigen als hohes Muster vor, als Norm nach der er seinen -Wandel richte; sie sagt ihm, daß er in Licht und -Wahrheit gehe, daß er aufrichtig und absichtslos handle, auf daß er nicht das Licht — die Oeffentlichkeit — zu scheuen brauche, daß sein Thun allgemein gerechtfertigt erscheine, denn: „ihr sollt rein seyn vor Gott und Israel." Und wem liegt solches mehr ob, als den Lehrern und Religions- Vorstehern in Israel? Sie, die Wächter und Beschützer des Heiligthums, sie müssen rein seyn, sie müssen in Wahrheit vor der Welt auftrc'ten können, keine Leidenschaftlichkeit darf sie zu Fehltritten verleiten; von jedem persönlichen Interesse, von jeder individuellen Ansicht entkleidet, sollen sie Recht sprechen und es unerschütterlich ausführen: denn „sündigt der Priester, so trifft die Schuld das Molk;" und wehe! wenn Lehrer und Rabbiner die Gebote der Menschlichkeit und Liebe verletzen, wenn sie in blindem Wahne für die Gottheit zu streiten, das gespenstische Phantom der Selbstsucht und des gekrankten Priesterstolzes verfechten, wenn.sie auf das eitle Ansehen, das ein thörichter Haufe ihnen zollt, sich stützend, Finsterniß zu Licht und Licht zu Finsterniß, Bitteres zu Süßem und Süßes zu Bitterem machen. Nicht darf im Jeitgeiste, nicht in der fortschreitenden Aufklärung, der Werfall der Religion gesucht werden, sondern die Verkehrtheit, die . eitles Menschenwerk zu Gotteswerk erhebt und dem selbstgebildeten Götzen Altäre erbauet, sie führt Abfall herbei; sie macht die Vertreter des Glaubens, die moralischen Machthaber der Religion, verächtlich und es wendet das Volk sich von ihnen ab, es entzieht ihnen sein Vertrauen und in unglücklicher Identification des Lehrers und der Lehre verwirft es diese selbst, wähnt durch jenen auch diese werthlos, bezweifelt, indem es in seinen Lehrern *) .n"3pn hw icmn rm* irre wird, das Wesen des Glaubens: und verloren ist die Anhänglichkeit an das väterliche Gesetz, verloren die innige durch Jahrtausende bewährte Treuen Wer in sich den Müth fühlt, in solcher verhängnißvollen Zeit aufzutreten, der thue es: und sey er auch gering an Jahren und Kenntnissen, doch das Gefühl für Recht und Wahrheit hat Gott in die Brust eines Jeden gepflanzt, und den Abscheu gegen Unrecht, gegen Verkennung der heiligste» Pflichten. „Wo der Name entweihet wird, da darf aus unzeitiger Scham vor Großen und Gelehrten nicht zurückgestanden werden,"*) so lehren es uns unsere Weisen,'und auf diese der innersten Gottesfurcht, entspringenden Lehre gestützt, unternehme ich es, Sie, Herr Oberrabbiner! im Angesichte der Welt zur Rechenschaft über eine Handlung aufzufordern, die noch der späten Nachwelt als ungerecht erscheinen wird, die der. erstaunten Mitwelt ein Beispiel eines religiösen (!) Rigorismus zeigt, das man in unserer Zeit wahrlich! nicht mehr vermuthen würde. Ich will die Lhatsache hier in gedrängter Kürze zusammenfassen, die vorzüglichsten Momente herausheben, so wie sie mir in den Acten vorliegen: vielleicht täusche ich. mich, vielleicht hatten Sie noch tiefere Beweggründe, die Sie vermochten, das Verdammungsurtheil über einen'rechtlichen Mann, über einen Familienvater zu sprechen, über ihn das schrecklicher denn aller Anathemen klingende Wort sey zu stürzen und nicht zu erheben NSi pmo) ergeben zu lassen, ihn und seine Frau und feine Kinder dem tiefsten Elende und der allgemeinen Verachtung preiszugeben r o daß Sie zu Ihrer Rechtfertigung gewichtige Gründe anzuführen wüßten, daß Sie mit treffender» -Waffen als jenen in Ihrem Verdammungsschreiben auftreten könnten: wegen d^s Glaubens willen selbst wünschte ich Sie gerechtfertigt, wegen meiner Glaubensbrüder in Preßburg, deren Rabbiner Sie sind, wegen der Glaubensbrüder in Ungarn, die Ihrem Urtheile, so -es rechtlich ist, sich gerne fügen, wegen der Mit- und Nach- *) .2"!? Tau pp^ri pa Dtfn MjM