Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 96 (2.11.1839)
- Date
- 1839-11-02
- Page
- Seite 572 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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372 Um so mehr erwarte ich, daß Sie, g. H. R., dem felgenden Ber'chre über die äußere Stellung unsrer Schule einen Raum in der Allg. Zeit, des IudenthumS gewähren werden, da diese sehr eigentümlich ist, und schon manche ungenaue Notiz in diese Zeitung über unsre Schule sich eingeschlichen, theilö auch weil dadurch mittelbar Anregungen im Ungarisch-israel. Schulwesen geschehen mögen, lieber die inneren Leistungen dieser 1832 unter meiner Anleitung eröffneten Schule bin ich nicht berechtigt zu referiien. 1. Die Arad er Schule ist bis setzt im ganzen Lande die einzige vollständige ungarisch-hebräisch-deutsche Hauptschule, welche durch die Erträgnisse eines von der löblichen Gemeinde eigends dazu erbauten Schul- und KirchcnhauseS über den größten Theil ihres Bedarfes fondirt, durch die unvermietheten Th.eile dieses Gebäudes mit den nörhigen Lehrzimmern versehen, und zugleich mit der Aussicht auf dereinstige Erweiterung aus eignen Mitteln begabt ist. Dabei ist jeder Unbemittelte von aller Zahlung irgend eines Schulgeldes gänzlich enthoben, ja', sogar werden die erwiesenen Armen in Folge der von Hrn. Moses Hirschel begründeten Stiftung von Seiten der Schule mit den nöthigcn Schulbüchern verloben; die Schulgelder der Bemittelten aber sind so geringe, daß sie als bloße JmmatriculationStaxcn gelten können; und auch für die künftige Aufhebung dieser ist bereits der Weg gebahnt. 2. In Folge dieser Consolidirung ist sie auch bis jetzt die einzige dieser Arr, welche von Sr. Apost. Majestät die allergnädigste Erhebung in die Reihe aller regulären, öffentlichen l'ehran- -siälten des Landes, und somit die Sicherung ihrer Ensten; bis auf die fernsten Zeiten erhalten hat. (Selbst die Mutterschule der Israelitischen Hauptschulen Ungarns, die Primar-Hauptschule zu Prcßburg, hat wegen Ermanglung eines hinlänglichen FondcS nicht mehr als daS aücrgnädigste Privilegium erlangen können; weßwcgcn auch bei aller uncrmüdeten Thärigkeit ihrer ehrenwerthen Beförderer ihre Existenz noch immer nicht gesichert, und ihr Personal, bis auf den einheimischen, tüchtigen A. Freocr in einem steten Wechsel begriffen ist.) 3. Gegen inncrn Verfall ist unsere Anstalt einerseits durch die Oberleitung der hohen Oberstudiendirection des Kreises und der ihr untergeordneten Districtualünd Local-Behörden gesichert, denen sie mit einigem nothmcndigcn Vorbehalt nach der Weise aller anderen regulären Schulen'unterworfen ist; andrerseits aber durch das Jntendat einer aus den bewährtesten und verdientesten Schulfreunden der Gemeinde errichteten permanenten Schulcomnnssion, welche von allen politischen Veränderungen des Gemeindevorstandeö unabhängig, und zugleich mit dem Rechte begabt ist, sich beim jeweiligen Abgang eines Mitgliedes durch freie Wahl ergänzen zu können. 4. Wenn auch die Dotationen des — aus fünf Individuen bestehenden, und nächstens noch zu vermehrenden — Lehrpersonalö nicht von der Art sind, um Kapitalien abwerfen zu können, so find sie doch wenigstens auf das Auskommen eines Jeden in Gemäßheit seiner Stellung berechnet, und nicht so kärglich zugemessen, wie eine viel zahlreichere Gemeinde des Landes erst kürzlich auch im Anzeiger Ihres Blattes bei einer hochgestellten Forderung die Gehalte dergestalt zuschneidct, daß wer sich nur die Fähigkei. tcn eines Handlungsdieners zuschreiben mag, den Antrag zu einer solchen Stelle zurückweisen, oder die übereilte Annahme bereuen, oder vom Drang der Umstände zu Gesinnungen und?haten verleitet werden muß, die nimmermehr zur gegenseitigen Freude der Schule und ihres Personales führen können. Was man bier auch von generösen Spenden, von außerordentlichen Zuflüffen u. d. g. sagen und versprechen und auch zuhalten mag — die Abhängigkeit von Einzelnen mit dem dringendsten Bedarf kann in einem Amte, bei welchem Hochgefühl und Gewissenspflicht die vorgewegensten Bedingniffe sind, äußerst selten zu einem günstigen Resultate führen. Zur vorläufigen Anficht über den öffentlichen Credit unserer Schule mögen auch folgende Notizen mitgenommen werden: Kurz nach ihrer Creirung im Jahre 1836 reiste dieselbe hohe Person durch Arad, deren bewährtem Urtheile unser Gegenstand von unserer erlauchten Regierung zur Entscheidung übertragen worden war; und dieselbe nahm keinen Anstand, unS bei Gelegenheit der uns zu Theil gewordenen Eh're eines Gespräches zu eröffnen, daß sie dem Vorstande einer unserer bedeutendsten Gemeinden, welcher sie um Beistand zur Creirung ihrer bestehenden Schule bittlich angegangen, die Statuten der unseren als Muster, und ihre Nachahmung als Bedingniß des leichteren Erlangens anempfohlen hat. Im Mai dieses Jahres wurde der hiesige Großhändler, Herr Moses Hirschel, mit der ihm von der allerhöchsten G-wde für sein Verdienst um unsere Schule verliehenen goldenen Civil-Ehrenmedaille feierlich decorirt. ( Dabei ist Herr Moseö Hirschel, wiewol der mehrseitig und höchst Verdiente, dennoch von der Anmaßung weil entfernt, ein Werk, zu kessen Bestreitung mittelbar die gestimmte Communität beigesteuert hat, und denen Ausführung in Provinzial-Städten nur durch Aufbietung der Gescmmttkrafte zu Stande kommen kann, seiner Person, allein zuzuschreiben. Eben so wenig ist er geneigt — wiefern beiderlei Begründungen das größere Verdienst dem edlen Eifer des Unternehmens und der unermüdeten Sorgfalt der Erhaltung anzurechn-en kommt — die Theilhaftigkeit jener ehrenwerthen und biederherzigen Mitglieder in Abrede zu stellen, durch deren vereinte Beharrlichkeit im Streben, Mühen, Sorgen, Kämpfen, Opfern und Spenden das Werk des Verdienstes begründet und erhalten worden ist"). Erst neulich hat sich der Vorstand einer Gemeinde aus jenen Bezirken des Landes, welche selbst bei den bewährtesten Orthodoxen im Ansehn deS dumpfen Obskurantismus stehen, die Verfassung unserer Schule als Muster zur strengsten Nachahmung erbeten, und die Verhandlungen hierüber werden noch gegenwärtig fortgesetzt. Lazar Skreinka, Senior und Katechet an der Araber '_ Königl. Jsr. Real-Hauptschule. •) Gegenwärtig, wo ein sehr bedeutender Tbeil deS Einkommens durch den Einspruch der löblichen Stadtgemeinde, blS mr sebnlichst erwarteten Entscheidung von höheren Orte», gehemmt ist, belaufen fiel» dennoch die jährlichen Erträgnisse deS FondbanseS auf Eintansend Fünfhundert Gulden in Conv«itionSmü»;e. Dabei enthält rS die großartige Synagoge, die geräninigen Lehrsiuimer, die Wohnung des Senior, die Sitzungszimmer des Geineindrarhes, a's unverziliste Bestaudtdeile. Herr Mose- Hirschel, der während des Aufbaues das Vorsteheramt bekleidete, niufite unter vielfältigen Anstrengnuqe« feine unerschütterliche Beharrlichkeit daran vtrwenden, um die zahllosen Hindernisse besiegen zu können, die sich der Ausführung entgegengestennut, und spendete noch obendrein aus ft nein Eigenen Fünftausend Gulden wiener Währung zln» AnSbau deS zweiten Stockes. Aber auch die Einrichtung und Feststellung der Schule in dem bereits bestehenden Gebäude war ein zweiter eben so Mübe- und Sorgenvoller Schmerzensbau, an welchem zunächst auch die Namen Jakob Stcinitzer und Leopold Epstein verewigt bleiben, wobei aber auch der Stamm Wolf Steinbach, Wolf Steinitzer, Leopold Landshut und Gebrüder Leopold für ihre Treue und Anhänglichkeit, wie für ihre Theilhaftigkeit an Mühe und Opfer, dankbarst gedacht werden muß. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum aufgenonrmen. Die Verlagshandtung. Bei Job. Friedr. Hartknoch in Leipzig ist soeben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Gerichte von Moritz Frankel und Max Ring. 8. Eleg. drosch. 220 Seiten. ITHlr. — I fl. 4SXt. rhriii. 1 fl. 30 Xc. Conv. Geld. — Druck von I. B. Hirfchfeld. (Hierbei eine Gratis-Beilage: Sendschreiben an den ehrwürdigen ObenRabbiner Herrn MoseS Sopher zu Preßburg.)