Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 96 (2.11.1839)
- Date
- 1839-11-02
- Page
- Seite 564 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225110--02248-3234820- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
564 tragen werde. Wie unthunlich und unzweckmäßig eS fei, einen so wichtigen Gegenstand, einem Einzelnen zu überlassen, ist sehr begreiflich, auch wäre ein solches Verfahren bei uns ohne Beispiel. Die Erscheinung der lang ersehnten kaiserlichen Verordnung, welche den mährischen Rabbinen das Studium der Philosophie zur Pflicht machen soll, wird auch auf die Schulen einen wohlthatkgen, segenreichen Einfluß ausüben. Lange kann diese Verordnung nicht mehr ausbleiben, da eine gleiche selbst für die galizischen Juden, die unter den mährischen „weit zurück" sind, volle Geltung hat, und in Böhmen bereits seit mehren Jahrzehnten herrschend ist. Sollten aber die in Zukunft anzustellenden Rabbinen nicht so ausgerüstet sein, daß sie eben so durch Bildung, Kenntniß und Einsicht imponiren, wie durch einen frommen Wandel Achtung einflößen könnten; so ist es gar nicht rathsam, den Schulunterricht zu verbessern; da derselbe, wie die Erfahrung lehrt, nur geeignet ist, die Unzulänglichkeit, des angestellten Rabbiners in das hellste Licht zu setzen, und die Tora, als deren Repräsentanten sich der Rabbiner dacstellt, von einer sehr unvortheilhasten Seite erscheinen zu lassen. Es gehört in der That kein prophetischer Blick dazu, um einzusehen, wozu der Uebelstand führen könne und müsse, wenn Schulknaben bald über die ungrammatische Exegese, bald über den unrichtigen Ausdruck, bald über den geschmacklosen Vortrag der Rabbinen spotten können,.und so die Ehrfurcht, welche der Jugend gegen die Lehrer des Glaubens ziemt, schon im zartesten Alter verloren geht, in dem Alter, welches für Tugend und Religion am empfänglichsten ist. Ein anderer Vorschlag des Landcabbiners, daß die Examinirung und Befähigung der hebräischen Lehramtscandidaten einzig und allein von ihm abhange, verdient ebenfalls mit Ruhe und Besonnenheit erwogen zu werden. Wir wollen hier nicht einmal geltend machen, daß der gegenwärtige Landesrabbiner, einer der ausgezeichnetesten Talmudbelesenen unserer Zeit, die hieher gehörigen Gegenstände des Unterrichts, hebräische Grammatik, biblische Geographie und Alterthumskunde und Aehnliches nie zum Gegenstände seines Studiums machte; sondern weisen nur darauf hin, zu' welchen Mißverständnissen, Reibungen und villN veranlassenden Processen die Gewalt des Landrabbiners über die Rabbinats-Candidaten geführt. Jeder Unbefangene, der diese Umstande, die wir hier nicht weiter beschreiben wollen, kennt, wird leicht einsehen, wie wünschenswerth und nothwendig auch in dieser Hinsicht eine controllirende Commission sei, selbst um die Autorität des Landesrabbinats zu wahren, von welchem in Zukunft heilsame Einflüsse und segenreiche Einwirkungen zu erwarten sind. —. II. Oktober. (Privatmitth.) Ungarische Zeitungen melden Folgendes: der Pesther iscaelktsche Großhändler H. Marcus Pollack hat mittelst Schenkungsurkunde vom 2. Marz 1839 dem in Pesth zu errichtenden Josephinum 2000 fl. C. M. dem städtischen Beamten - Pensionsfonde 1000 - - - dem städtischen Bürgerspitale 2000 - - - dem städtischen Beamten-Pensionsfonde baar 500 - - - der städtischen katholischen Leopoldst. Kirche 500 - - - der evangelischen Kirche 500 - - - geschenkt: welche Summen aber erst nach seinem Tode aus seiner Verlassenschaft baar entnommen werden sollen, und zu deren Sicherheit er ein Haus als Special-Hypothek bestimmte. Von dem Beitrage des Herrn Pollack zum Pesther israelitischen Spital per 6000 fl. C. M. ist in diesen Blattern schon die Rede gewesen. —. Die Preßburger Zeitung bespricht die erfreulichen Resultate der am 25. September in der isr. Primarschule stattgehabten Prüfung. Bei den, in der Preßburger jetzt vorwaltenden Umständen dürfte sich diese schöne Lehranstalt von Neuem erheben, und ihren ehemaligen Ruhm behaupten. —. 13. Oktober. (Privatmitth.) Die Frage, welche in Posen so vielfache Diskussionen veranlaßte, wurde in Preßburg auf sehr friedliche Weise gelöst. Die Gemeinde, einer wahrhaft rührenden Pietät gegen den verstorbenen Rabbi folgend, erwählte seinen Sohn vorläufig auf drei Jahre zum Hfon (Gerichtsvorsteher). Diejenigen, die den Frieden und die Eintracht in einer Gemeinde zu würdigen wissen, können den Eifer nicht genug loben, mit welchen, der, um seine Gemeinde so verdiente Vorsteher, H. M H. Singer diese Angelegenheit betrieb. Es steht zu erwarten, daß sich der neue Erwählte mit dem, was der jüngern Generation Noth thut, mehr befreunden, und das in sckentisischer Hinsicht Vernachlässigte nachholen wird; denn was man bei seinem gottseligen Vater, einem achtungswecthen Greise,'ehrwürdig fand, würde man bei ihm um so tadelnswerther finden, als er nicht durch talmudische Gelehrsamkeit zu imponiren vermag. Wien, 14. Oktober. (Privatmitth.) Der Tod des edlen Joseph Perl in T.ärnopol in Galizien ist Jh, nen sicherlich bereits gemeldet worden. Ich kann nicht umhin, Ihnen mitzutheilen, daß unser Mannheimer ihm, dem rastlosen Beförderer alles Guten und Schönen, der für sein Volk und seinen Glauben geglüht und gewirkt bis an sein Ende, am Schlüsse seiner letzten, sehr genialen Predigt über 1. M. 9, 18—28, eine Gedachtnißrede gehalten, die der Freimuth des Redners eben so zur Ehre gereichte, wie dem Verschiedenen, den auch hier so viele Freunde aufrichtig beweinen. Von Rechts wegen sollte keine Synagoge im österreichischen Kaiserstaate stumm bleiben beim Hintritt eines solchen Mannes, der so viele widerstrebende Elemente zu bekämpfen hatte, - und mit unerschütterlicher Ausdauer bekämpfte und besiegte. Sein Andenken wird gesegnet bleiben in Israel. —. 15. Oktober. (Privatmitth.) Die ersten Semestralprüfungen in der neu organisirten Schule zu Nicolsburg in Mähren haben alle Erwartungen übertroffen. Lehrer und Schüler gaben die unzweideutigsten Beweise ihres Fleißes und Eifers, und die Schulcommisston kann sich schon jetzt des Erfolges ihrer schönen Bestrebungen erfreuen. Die Anstalt besteht jetzt mit provisorischer Bewilligung des Kreisamtes; di? Creirung von der Landesstelle (v. Gubernium) ist noch nicht erfolgt, indessen steht dieselbe bei der Gerechtigkeit und Humanität unserer Regierung und der Behörden mit aller Zuversicht zu erwarten.