Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 96 (2.11.1839)
- Date
- 1839-11-02
- Page
- Seite 563 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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563 —. Durch den Eintritt des Herrn Gutleben in den hiesigen Vorstand ist dieser um ein einsichtsvolles und frommgesinntes Mitglied vermehrt worden, und scheint dies auf die Anordnungen desselben den wohlthatigsten Einfluß.auszuüben. —♦ Gegen Ende des vorigen Monats vertheidigte ein Privatdocent auf hiesiger Universität einelateinische Dissertation, die viel Aufsehen machte und auch namentlich für jüdische Relkgionsphilosophie von vielem Interesse ist. Ihr Inhalt betrifft das Verhältnis der Substanz des Spinoza zu seinen Attributen (de relationc, quae intcr Syinozae stibstanliam et attributa interceilit). Der Verfasser führt die höchst originelle Idee durch, daß es im Spinozistischen Systeme mit der Einheit der Substanz nicht ernst gemurrt sei, und daß die beiden Attribute der Ausdehnung und des Denkens die absoluten und wahren Substanzen in demselben genannt werden müssen. Schließlich bitte ich Sie, in den beiden Artikeln aus Königsberg No. 79 und 89 statt Neutrich — Neuteich berichtigen zu wollen. — Fr st. Magdeburg , 30. Okt. (Privatmitth.) Zu der Prediger- und Schuldircktorstelle in Riga haben wir, nach reiflicher Prüfung der Sachlage, den Herrn Lr. Max Lilien thal, der den Lesern dieser Zeitung bereits vortheilhaft bekannt ist, bestimmt. Diese Wahl ist von Seiten des Rigaer Vorstandes, wie der höheren Behörden genehmigt worden. Derselbe hat sich daher auch bereits auf die Fahrt in seinen neuen Wirkungskreis begeben, und ist zuerst nach St. Petersburg gereist, um alldort die Ehre zu haben, Sr. Excellenz dem Herrn Minister des Cultus rc. vorgestellt zu werden. Von da wird er seinem Bestimmungsort sich zuwenden, und wünschen wir nur, daß es in seine Hand gegeben sei, all die segensreiche Wirkung hervorzurufen, die man erwartet und erstrebt. Breslau, 26. Sept. (Privatmitth. Verspätet.) Herr Wolfson, Inspektor der hiesigen Knabenwaisenanstalt, hat aufs neue seine Verdienste um die religiöse Ausbildung der Jugend vermehrt durch die Consi'rmatron und Einsegnung dreier Waisenknaben. Bis jetzt war hier noch keine Eonsirmation öffentlich und. so feierlich, wie diese, abgehalten worden. In der einleitenden Rede wies Herr W. einerseits hin auf die Pflicht der Dankbarkeit gegen Gott, durch dessen Beistand uns die Möglichkeit ward, die Jugend auf zeitgemäß - feierliche Weife öffentlich für den israelitischen Bund zu weihen; andererseits sprach er die Hoffnung aus, daß man wol auch hier bald einen religiösen Akt, nach den Anforderungen der Gegenwart angeordnet, der heiligen Statte im Gotteshause nicht mehr unwürdig halten wird. Der Rede folgte eine katechetische Entwicklung der mosaischen Hauptlehren, in welcher die Schriftstellen in hebräischer Sprache angeführt wurden. Das Glaubensbekenntniß wurde namentlich von einem Knaben sehr gut gesprochen. Der eindringlichen Ermahnung zur Treue gegen den väterlichen Glauben und seine Satzungen schloß sich die Einsegnung an, wobei jedem Knaben sein Bibelvers (pivs) als Wahlspruch fürs Leben mrtgegeben wurde. Zum Schluffe wurde das bekannte Hamburger Halleluja von den Zöglingen der Anstalt, unter thätiger Unterstützung des hiesigen Obervorbeters, gesungen. Der Eindruck des Ganzen schien ein tiefer und erbaulicher, da sogar Strenggläubige ihr Wohlgefallen äußerten. Angenehm überraschend war demzufolge die Ankündigung des Herrn W. einer zweiten öffentlichen Eonsi'cmation von eilf Töchtern hiesiger achtbarer Hauser. Sie fand Statt am 7. .Sept. in einer zahlreichen Versammlung von Verwandten, Theilnehmenden und Neugierigen; (denn noch nie haben Israelitinnen hier ihr Glaubensbekenntniß öffentlich abgelegt). Herr W. sprach in der Anrede das Bedauern aus, daß die Neligionsweihe der Töchter Israels bis jetzt . zu den seltensten Erscheinungen hier gehörte, und daß einer so gottgefälligen Handlung noch immer das Gotteshaus vier verschlossen bleibt. Eine Consirmandin ergänzte in einer Anrede an die Versammlung, was Herr W. angeregt hatte, und alle Eonsicmandinnen antworteten auf die Fragen mit Würde und Gefühl, deren eine dann im Namen aller in gemüthlichcr Redeweise, mit vielem Anstande und angemessener Würde den tiefgefühltesten Dank gegen Gott, Eltern und Lehrer, unter sichtbarer Rührung aller Anwesenden, aussprach. Nachdem sich alle zur Befolgung der vernommenen Lehren verpflichtet hatten, empfingen sie den Segen im Namen Gottes und seines heiligen, geoffenbarten Wortes. Der regen Theilname nach, die dieses Unternehmen des Herrn W. gefunden, 'dürfen wir auf öftere Wiederholung, und,auf Unterstützung und Vervollständigung in Lokalität und äußerer Anordnung dieses feierlichen Aktes hoffen. M. Oesterreich. Wien, 10. Oktober. (Privatmitth.) Dem jüdischen Elementacschulwesen in der Provinz Mähren steht eine voll^ kommene, durchgreifende Reorganisation bevor, von welcher'! man sich für Erweckung eines frommen Sinnes, für die Verbreitung einer gründlichem Religionskenntniß die schönsten Erfolge verspricht. Die hohe Landesstelle ließ vor Kurzem von dem Landesrabbinen die Frage begutachten, ob die Vereinigung des hebräischen Unterrichts mit dem deutschen thunlich und wünschenswerth sei. Bisher nämlich war, wie Sie wiffen, der Unterricht in Bibel und Religion den, aus der Iosephinischen Zeit stammenden,- Trivialschulen ganz fremd geblieben. Der Landrabbine hat sich über'jene Vereinigung bejahend und empfehlend geäußert, und bei der Humanität, welche sich in allen Maßregeln unserer Regierung ausspricht, ist kaum zu bezweifeln, daß die Vorstellung des Landsrabbinen Beachtung finden werde. Es steht aber auch zu erwarten, daß die Landesstelle die, vom Landrabbinen angesprochene f Aufsicht der Ortscabbinen über den hebräischen Unterricht nur unter einschränkenden Modift'cationen gewähren wird; denn der bei Weitem größte Theil der mährischen Rabbinen ist noch nicht befähigt eine Schule zu dirkgiren. Nicht minder wünschenswerth ist es, daß der Schulplan für den hebräischen Unterricht nicht vom Landesrabbinen allein, welcher weit entfernt ist, für einen Schulmann gelten zu wollen, ausgehe, sondern einer, von den Gemeinden zu wählenden, und von den Kreisämtern zu bestätigenden Commission über-