Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 96 (2.11.1839)
- Date
- 1839-11-02
- Page
- Seite 562 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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362 und Freunde folgten zu Wagen. Am Grabe selbst wurde kein-Gebet gesprochen, weil es Freitag war; Samstag Nachts aber wurde im Hause der Traurenden gebetet, Kadisch gesagt und die Verwandten setzten sich auf die Erde. — Der Tod dieser braven deutschen Familienmutter und Hausfrau erregte allgemeine Theilnahme. — Italien. Venedig, 1* Okt. (Privatmktth.) Jeder Israelit, der durch Venedig kommt, und das Interesse für seine Religion hat, welches eigentlich natürlich ist, aber in einer Zeit des religiösen Jndifferentismus leider immer mehr zur Seltenheit wird, sollte die dortige, sogenannte Kantor-Schule nicht unbesucht lassen. Besonders wird er sich durch eine besondere, geschmackvolle und sorgfältige Act der Bekleidung der Tora angenehm berührt fühlen. Sie ruht in einer leichten, aber vollständigen Kapsel, einem Geschenke des Erfinders, Herrn Jo ab Fano, deren Vorderseite die Zehn Gebote a,uf zwei silbernen Tafeln, (die aber auch von einem geringem Metall sein könnte,) vorstellt, und deren Rückseite durch einen Halbzkrkel von Sammet gebildet ist. Dadurch wird nicht allein dem Auge der störende Anblick jener zwei Stabe entzogen, sondern auch das übliche Einwikkeln, welches so oft die Ablösung , der Schrift zur Folge hat, wodurch das Exemplar für den israelitischen Kirchendienst unbrauchbar wird, unnöthig ist. Es kann in diese Kapsel jede Rolle von ungefähr derselben Größe hineingelegt werden. — Es wäre sehr zu wünschen, daß eine so vernünftige Verbesserung überall Nachahmung fände, da außer den gedachten Vortheilen eines feierlichem Kultus und schönenAnblicks, die daraus entspringen, auch der einer länger» Dauer für den Gebrauch einer Nolle, gewiß sehr zu berücksichtigen ist. DerrLschlan d. Hamburg, 16. Okt. (Nothwendige Bemerkung.) Die wenigen Zeilcn, mit welchen der Uebersetzer der Vorrede zu der englischen Bearbeitung einiger Salomo»'schen Predigten diese in diesen Blattern begleitete, hat in No. 93 von London her einen Wiederhall gefunden, der in so schreienden, ja widrigen Dissonanzen endet, daß er sich gedrungen fühlt, auch die Möglichkeit e-'ner Thcilnahme ay solchen Gesinnungen und Ausdrücken weit von sich zu weisen. Die Charakterfestigkeit, die, von.umgebenden Einflüssen begünstigt, -Englands Juden in ihren religiöfen Eigenthümlichkeiten weit entschiedener auftreten und beharren laßt, als die Deutschen, die ists, um die wir sie zu beneiden haben, nicht aber darauf, daß dort von einem Fortschritt innerhalb des Judenthums noch gar nicht einmal die Rede sein kann. Die deutschen Lehrer und Prediger, die vielleicht nicht nach allen Vorschriften ihre Küche führen oder ihre Röcke nahen lassen, werden sich wol zu verantworten wissen, und erwarten keine Lehren von denen, die da verlangen, man solle die Fabel vom Sambatjon unberührt lassen, damit nicht irgend ein Dummkopf in Afrika km Disput mit eben so einfältigen Missionaren (beides jedoch gewöhnlich „jüdische Köpft!") den Kurzem ziehe. Was aber das geschmackvolle ivwnn"> anbelangt, so möge derjenige, der sich mit solchen Flüchen beschmutzen mag, bedenken, daß die „europäische Bildung," die er doch auch anerkannt wissen will, von lauter Männern bei uns eingeführt ist, auf welche dir „gelehrten Bonmotisten" ihrer Zeit das rt?y freigebig genug geschleudert haben. Der Lengsftlder Rabbiner ist in der öffentlichen Meinung schwer genug compromittirt, weil er seine Reformen mit Gensdarmeu einführt, allein noch einige solcher Angriffe würden genörgen, ihn bei Vielen wieder zu rehabililiren. Von dem gewöhnlichen hamburgischen Correspondentett dieser Zeitung. ^Preußen. Königsbexg, 6. Okt. (Privatmktth.) Es ist als ein schönes Zeichen der Humanität zu betrachten, daß einige wackere Eh riften den unglücklichen russischen Juden, die hier bei dem großen Speicherbrande am Abend des 2. Augusts all ihr Hab und Gut verloren, so viele Unterstützung angedeihen ließen, daß sie wenigstens in ihre Heimath, aus der sie reich und voller Hoffnung herkamen, ziehen konnten. Vor ihrer Abreise haben sie sich ihres Dankgefühls gegen ihre Wohlthater in der hiesigen Zeitung entledigt, und haben uns in dem vollen Vertrauen verlassen, daß jenes rühmliche Beispiel bei Denen, die das Gefühl der Barmherzigkeit als ein Ecbtheil des Hauses Jakob in ihrem Innern fort und fort bewahren, vielfachen Anklang finden wird. Mögen sie in ihren Erwartungen nicht getäuscht, und der Name Gottes auch bei dieser Sache geheiligt werden. *— —. Der in der Leipz. Allg. Zeit, und auch in Ihrem Blatte von hier unter dem 4. Sept. erzählte Vorfall, betreffend die eingereichte Dimifsion eines hiesigen jüdischen Stadtverordneten hat in unserer Gemeinde die freudigste Sensation erregt, und dies um so mehr, da jener Kaufmann ein vielseitig gebildetes und bei allen Klaffen der Gesellschaft angesehenes Mitglied derselben ist, es ist dies der Ehrenmann Herr ÄT'or We^et. Als einen Ehrenmann bezeichnet ihn bereits eine von einem christlichen Advocaten des Großherzogthums Baden in diesen Tagen an ihn ergangene Dankadresse, die den Beweis liefert, wie der erwähnte Vorfall auch in weitern Kreisen Anerkennung findet. Freilich meinten Einige, Herr Wedel hatte dasAusnahmgefttz kennen sollen, die Stadtverordnetenversammlung sei an dem ganzen Ereigniß unschuldig, allein bleibt ein Unrecht deshalb weniger Unrecht, weil es spater erkannt wurde? Hatte Herr Wedel als ein Neuerwählter früher Gelegenheit, die Anwendung jenes ihn beleidigenden Gesetzes' zu erfahren, und mußte er sich nicht um so mehr gekrankt fühlen, als er noch ausdrücklich und persönlich von dem Vorsitzenden zur bevorstehenden Wahl des Landtagsdeputirten aufgefordert wurde? Herr Wedel hat in jeder Hinsicht als Ehrenmann gehandelt, und im schönen Bewußtsein seiner Würde als Mensch und Israelit ohne Furcht vor den etwanigen Folgen einen Schritt gethan, der seiner bisher gewonnenen Bildung die Krone auffttzt. — Allgemein -sieht man dem Ausgange der Sache mit gespannter Erwartung entgegen, und ist über- Haupt neugierig, wie sich die übrigen jüdischen Stadtverordneten hierbei benehmen werden.