Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 95 (26.10.1839)
- Date
- 1839-10-26
- Page
- Seite 554 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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554 Kasim ir. Wohl ward ein böses Schicksal Deinem Volke, Und Niemand ist, der es vergüten will. Es ist ein dunkeles Gespinnst des Herrn, Kein Sterblicher vermag es zu entrathseln. Esterka. Doch geht die Sage hell durch unsern Stamm: Daß einen Umschwung einst die Zeit wird haben, Und daß der kommt, erhöht, was tief erniedrigt. Kasimir. Es ist ein Glaube. Esterka. . Doch ein Glaube, der Uns aufrecht hält, und schauen läßt die Hand Des Herrn, wie er aus tiefer Gruft uns zieht. Kasimir. Ich glaub' an Eure Unschuld, Mädchen. Esterka. (stürzt sich nieder.) Herr, So sei gebenedeit dein heil'ger Name! — Mein König, haltet fest an diesen Glauben — Der uns gezogen aus der Keckergruft, Wo Molch und Kröte unsern Fuß benagten. Wo träufelnd siel der Schlamm auf unser Haupt Von Mauern, die der Sonne Licht nie sah. Der uns gestellt vor deine Majestät, Den Strahl der Gnade süß erquickt zu trinken, Der hat den Glauben in Euch angezündet. Kasimir. Steh' auf, Esterka — also ganz unschuldig? Und solcher,That ward nie bei Euch gedacht? Esterka. (erhebt sich.) O nein, mein König! Würde ich, die schwache, Die unerfahrne Magd ein Wort wohl finden. Zu sprechen vor des Königs Majestät, So mir die Kraft das reine Herz nicht gäbe? Würd' nicht die Zung' im knöchernen Gehäus Den Dienst versagen zu der Lüge Spruch' Vor Eurer Huld? könnt' sich das Aug' erheben, Ohn' nicht geblendet, wie vom Sonnenglanz, Zurück zu weichen in der Höhlung Tiefe? Kasimir. Ich wußt' es wohl, doch solltest du mir's sagen. - Esterka! als ich sah zum ersten Mal In dein entflammtes Auge, wußt' ich's schon — Esterka. Kasimir. O wohl, der Drang des Augenblicks In wilden Stunden.todesschwangrer Angst, Knüpft zwischen Seel' und Seele schnell das Band, .Legt schnell die Brücke zwischen reinen Geistern, Auf der sie sich begegnen zum Verständniß. Esterka. Mein König! Kasimir. Traun, in ganz Europa nicht Steht jetzt ein König vor der Jüoin so. Wie um Verzeihung bittend des Geschehnen, Und abzulöschen die erlittne Schmach, Des Kerkers Leid mit herzlich inn'gem Wort! Esterka. Ich bin betäubt von dieser Gnade Fülle — Kasimir. Obwohl ein späteres Geschlecht begreift, Wie es den König zu der Jüdin zog, Um aus dem Licht des süßen Augensterns Die vielgeweinte Thräne auszulöschen. Des Glückes Wonne dafür einzustreun? — Esterka — da du zogest durch die Länder, Zurückgewiesen aus der Menschen Stätten, Wo Gram Wegweiser, Mangel Führer war, Verbannung dir die Pfade offen hielt: Ist dir's bisweilen heimlich aufgestiegen, Daß einst ein Retter plötzlich dir erscheine. Der in der Ruhe, in der Sicherheit Ersehnte Marken schnell dich führete, Und deinem Fuß den sanften Teppich legte? Esterka. Es war nur Traum in einsam stiller Nacht Den ach.! zu schnell der rauhe Tag verscheuchte! — Kasimir. Und wenn ec Wahrheit würde, Wirklichkeit? Esterka. Sollt' ich dem Traum des Traumes mich ergeben? Kasimir. Und wenn ich nun die königliche Rechte Zum Bündniß reichte, daß vereint wir wollen Nach der Verwirklichung des Traumes streben, Nähmst meine Hülfe du gewillig an? Esterka. Ich schau' nicht klar, mein Herr, der Rede Sinn — Es ist mir so ein Beben vor dem Geiste — Ich sehe nur den König gnadenvoll Sich neigen zur verlassnen Jüdin nieder. Und diese Gnad' treibt meines Herzens Schlag, Und ich begreif mein kühnes Wort selbst nicht. O Herr!