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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-10-26 · Heft 95 (26.10.1839) · p. Seite 553

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 95 (26.10.1839)
Date
1839-10-26
Page
Seite 553 (sequence 9)
Language
German
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555 Man spinnt nicht Solchesum 'nen armen Jud', Ein schwaches Mädchen, ohne Wehr zu stürzen. Es kann der Grund zu Größerem nur sein. Zu Schrecklicherm. Gregoire. Ich eil' von dannen, Herr. Kasimir. Gemach, mein Freund. Und wäc's zu Tage schon, Daß es Verstand des Kindes fassen könnte, Und läge jeder Faden des Gespinnstes Entwirrt vor uns — doch müßte das Gericht, Das öffentliche, seinen Gang verfolgen, Und vor dem Volk zu Ende sein geführt. Und weil du eingeweiht, voll , Eifers bist. Das Recht der Unschuld kräftig zu vertheidigen: So stelle dich, durch meinen Schutz gesichert, Zur rechten Zeit, vor des Gerichtshofs Schranken, Die Wahrheit laut den Richtern zu verkünden. Gregoire. Ich werde kommen mit der Wahrheit Wucht, Der Falschen Zeugniß kräftig zu erdrücken. Kasimir. Und lohnen werd' ich deinen treuen Eifer. Der König sieht im untersten der Diener Das Recht' und Edle, und erhebet es. Der Gott der Wahrheit leite deine Schritte. - (Gregoire ab.) Sechster Auftritt. Kasimir. Esterka. Kammerherr. (der Kammerherr leitet Esterka herein.) Kammerherr. Entschuldigt, Sire, den Greis traf eine Schwäche, Beim Hergeleit, daß vor die Majestät Zu treten ihm unmöglich ward, man ließ In einem Vorderzimmer ihn zurück. (der König winkt, der Kannnerherr tritt ab.) Esterka. Aus Spanien, Wo Arzt mein Vater war. Er ward verbannt, Weil man der Zauberei ihn angeklagt. Als er dem König eine Wunde schloß. Er ging nach Frankreich, wo ich ward geboren. Kasimir. Und warum seid ihr nicht allda geblieben? Este rka. Er ward verbannt, weil er der Königin» Zum Hochzeitstag ein köstliches Gewand In feiner Kunst, die er erlernt, gewirkt. Der Haß der Meister hatt' ihn angeschuldigt. Daß er ein Gift in das Gewand gewoben. Kasimir. Und wohin wandt' er sich? Esterka. Nach Frankfurt, einer großen Stadt am Main. Kasimir. Was triebt ihr da? Esterka. Wir stickten Teppiche: Es ging uns wohl, wir lebten harmlos still. Doch einst zvg eine grimmige Schaar herein Zur Stadt, mit rothen Kreuzen auf den Mänteln, Und blanken Waffen in der wilden Faust. Die brachen plötzlich in die Iudenstadt, Und zündeten die Häuser, mordeten Wie Kind und Greis, so Männer, Frauen all', Die nicht entflohn — es war ein gräßlich Schauspiel. Auch meine Mutter kam im Brande um. Und meine Brüder wurden all' getödtet. Der Vater nur und ich entkamen; oft Wollt' er verzweifelnd in die Flamme stürzen, Ich hielt zurück ihn, und der Glaub' an Gott — Kasimir. Siebenter Auftritt. Kasimir. Esterka. Kasimir, (nach einer Pause, tritt näher zu Esterka.) Wie heißt du Mädchen? " Esterka. Esterka. Kasimir. Und dein Vater? Esterka. Ben-Himmel. Kasimir. Seid ihr ferne her? Esterka. Wir wanderten viel Jahre dann In Elend durch die Lander; selten barg Ein Obdach uns vor Sturm und Ungewitter, Und oft gebrach's an Brod für unsern^Mund. Da scholl die Kunde durch die Brüder hin. Daß hier im Polenreich ein gnäd'ger Herrscher Die Freistatt auch den Juden hatt' eröffnet. Wir pilgertcn hierher,.der Vater suchte Sich die verborgenste der Waldeshütten, Um unbemerkt das Leben zu beenden. Zwei Jahr' sind entflohn, und nun—sind wir im Kerker! — 95»

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