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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-10-26 · Heft 95 (26.10.1839) · p. Seite 552

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 95 (26.10.1839)
Date
1839-10-26
Page
Seite 552 (sequence 8)
Language
German
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Gregoire (steht auf.) Ich bin ein Christ, und niedrer Knecht, mein Herr, Doch scheu' ich nichts vor Gott und'meinem König: Unschuldig sind die Juden in dem Kerker, Boshafter Trug geht frei auf allen Straßen! Kasimir. Wie? welch' Beweise bringst du mir? Gregoire. Die Leiche, Die Ihr im Wald von Lobzow habt gefunden, Es war mein Kind, mein todtgebornes Kind, Das ich dem Wächter von St. Dominik Die Nacht vorannen zur Bestattung gab. Sie haben es, so wie es eingehüllt, Geworfen in des Waldes dichteste Schlucht, Ich hab's erkannt, es war mein armes Kind. Kasimir. Und seine Wunden? Gregoire. Wer sie bekgebracht, Wer meines -Kindes Glieder hat verstümmelt. Ich weiß es nicht, Kasimir. Und jene Spur zur Hütte? Gregoire. Falsch war sie, Herr, doch nach St. Dominik Ging eine andre, die Ihr übersehn. Kasimir. Und wer soll dieses frevelvollen Truges Urheber sein? Gregoire. Noch weiß,ich's nicht, mein König. Kasimir. So war es wahr, was ich mir kaum gestand — Gelobt sei Gott! auf seine Gnade hoff' ich, Daß er erhellt, was dunkel uns noch scheint. Gregoire. Fürwahr, mein König! doch zu handeln gilt's. Es schleichet der Verrath in Krakaus Mauern, Das Volk zu reizen gegen die Gefangenen. Schon sammeln Haufen sich vor'm Thor des Kerkers, Und böse Worte werden ausgestreut. Im Nu — man stürmt das Thor und reißt die Armen Aus ihrer Haft, und läßt die Wuth des Pöbels Vollenden, was die Bosheit hat begonnen. Kasimir. Wer bist du, Mann, der du so warm vertheidigst, Was sonst ein Christ mit Grauen von sich stößt? Gregoire. Ich bin ein namenloser Jägersmann, Ein niedrer Knecht, doch hat man mir mein Liebstes Aus seiner Nuhstatt' freventlich gerissen, Hat es zum Spielwerk feiler Wuth entweiht: Drum will das Spiel der Frevler ich entlarven. Kasimir (wie zu sich selbst.) Sein Liebstes hat man freventlich zerrissen. Ein Todtes war's, und. doch erglüht der Mann — Mein Liebstes, ja, ich fühl's, mein Theurstes soll Von räuberischer Hand zerrissen werden: Und ich schau müssig dem Verderben zu? (Geht an den Tisch, schreibt und klingelt.) Vierter Auftritt. Die Vorigen. Ein Kammerherr. Kasimir. Hier den Befehl bring' an den Kerkermeister, Man soll die Juden in den Pallast führen, Zur Gallerie, durch den verdeckten Gang. Man führe sie hierher, und ungesäumt. (Kammerherr ab.) Fünfter Auftritt. Kasimir. Gregoire. „ Kasimir (zu sich selbst). Sei ruhig, Herz, in deiner dunkeln Kammer, Ein König muß zwar fühlen, aber schweigen. (zu Gregoire.) Für deinen Eifer, Mann, nimm meinen Dank, Und dem Bericht schenk' ich mein ganz Vertrauen. Doch brütet finster ein Geheimniß da, Und eh's zum Licht des Tages nicht gekommen, Kann sich die Unschuld nicht des Sieges freuen. Gregoire. Schon ist's genug, daß es mein König weiß. Und seine Weisheit wird es ganz enthüllen. Kasimir. Im Kloster Dominik beginnt die Spur, Dahin mein Freund, lenk deine edle Jagd, Ich werd's dir lohnen. Da du Eingang hast. Spür' es mit Umsicht aus, beacht' die Mönche, Wer wohl dein Kind zum Walde hat getragen, Wer ein- und ausgeht, was sie still verkehren, , Und mir berichtest du, was du gesehn. Gregoire. Mit Lust dien' ich der Unschuld und dem König. Kasimir. Ein tiefrer Plan muß da verborgen sein.

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