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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-10-19 · Heft 94 (19.10.1839) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 94 (19.10.1839)
Date
1839-10-19
Page
Seite 536 (sequence 8)
Language
German
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536 als von den Christen, unter denen sie die einzigen Verstoßenen sind. . Als solche werden sie überall von der nicht aufgeklärten Menge behandelt, >o eine vollständige Emancipation nicht schon die auffallenden äußeren Kennzeichen verlöscht und den Nahrungsbetrieb und die Lebensweise der jüdischen Bevölkerung mit der christlichen homogen gemacht hat. Sie ist conditio sine qua non, obgleich wir aus der Nahe, der Hauptstadt Dänemarks, in den vielen jüdischen Handwerkern den Beweis sehen können, daß der Zeitgeist, wenn er sogar in dieser Hinsicht seine Forderung nicht erfüllt sieht, von selbst Mehreres zur Ausgleichung der Verhältnisse beiträgt. Vorurtheile wachsen und nehmen 'zu, wenn man sie unangetastet laßt oder achtet. In demselben Verhältnisse, wie dieses lange Zeit der Fall gewesen ist, ist es eben so natürlich, daß sie sich äußere, wenn einmal daran gerührt wird, so wie die plumpe Masse des Seehundes nieset, wenn er auf der Klippe liegend von der' Sonne gestochen wird. Es konnte daher nicht so unerwartet sein, daß die Erweiterung der Rechte der Juden durch die schwedische Regierung im Nachbarlande nicht besonders populär in den kleinen Städten war, wo die Philisterei eben so gut wie in irgend einem Lande getrieben wird. Aber in den Augen aufgeklärter Mitbürger sagte sicherlich jede Person und Commune, die die Gegenadressen des Neides Unterzeichneten, welche auf die Negierung einströmten, sich los von dem Anspruch an größere Reform, welche so anhaltend von dieser gefordert wurde. Die Erweiterung war doch nicht größer, als daß die Juden nicht länger auf Stockholm, Noccköping und Göthaborg beschrankt sein sollten, und daß speckelle Erlaubniß erhalten werden könnte, in das Reich zu kommen; aber in Södertelje und Askersund, wenn diese Städte auch Theil nahmen an dem Gegengeschrei, fand man keinen Trost für den Judenschreck darin, daß jene drei Städte die blühendsten in Schweden sind, ungeachtet die Juden sich daselbst seit langer Zeit aufgehalten haben. Die Verfassung Norwegens soll die freieste und für ein Volk ehrenvollste von allen constitutionel - monarchischen Europas sein. Sie verdient diesen Namen nicht, so lange sie die intoleranteste ist. Es ist wenig Ehre dabei, daß sie in dieser äußerst wichtigen Hinsicht nur Spanien zur Seite hat. Katholische Intoleranz-ist abscheulich, aber eine protestantische, ein protestantisches Spanien an Intoleranz noch abscheulicher: und das ist Norwegen auf dem Papier, aber nicht nach dem Geiste und der Denkungsart seines Volkes; und nach diesen muß der Buchstabe sich richten. Das Volk, welches seine eigene Emancipation durch den sichtlichen Beistand des Himmels erhalten hat, muß ihn am wenigsten durch die Verstoßung von Menschen lohnen, die auch seine Kinder sind. -So viel haben doch die Kinder Israels vom Menschen,, daß das stärkste seiner Gefühle, das natürlichste, das, welches von dem kleinsten Wohlwollen selbst in der Brust des Barbaren hervorgerufen wird, die Dankbarkeit, nicht unter ihnen ausgestorben ist. Auf diese kann die politische und ökonomische Zweckmäßigkeit der Aufhebung ihrer Verbannung und der Einräumung gleicher Rechte mit Andern, ganz nach den übrigen Bestimmungen des Grundgesetzes, mit Sicherheit a priori basirt werden. Die Geschichte hat uns die Folgen gesichert, die ich, wie ich hoffe, in dem Vorhergehenden nachgewiesen habe. Norwegen fehlt-es an Menschen und Geld. Der Unternehmungsgeist seiner Bevölkerüng ist auch nicht groß. Mit diesem allem können die Juden es vepsehen, und da werden sich die reichsten und aufgeklärtesten Juden niedevlassen, wo sie Veranlassung finden, ihre Kapitalien anzuwenden, und wo sie das menschenwürdigste Dasein genießen können. Und wenn das Land von seinen Feinden seiner Freiheit wegen umspannt wird, die auch ihre Wohlthaten bis auf die unglücklichen Israeliten ausgedehnt hat, so ist es menschencichtig zu schließen, daß ein Volk, welches so viele Liebe zu einander und so weit ausgedehnte Verbindungen unter sich hat, von allen Seiten Alles thun wird, um sein bestes Asyl zu r.etten Sein Gold wird die vertrockneten Hülfsquellen-füllen, und der Einfluß seiner Mächtigen dafür in den Kabinetten wirken. „Philanthropische Hypothesen, keine persönliche Erfahrung," sagt man. Nun wol, wo war die persönliche Erfahrung, welche den letzten Passus in §. 2. des Grundgesetzes diktirte? Die väterliche Sorgfalt der vorigen Regierung, Rongsberg allein zu behalten, hat die persönliche Erfahrung von der besondern Gefährlichkeit der Juden für Norwegen den ehrwürdigen Vätern der Constitution schwierig gemacht. Und der Philanthropismus? Er ist etwas in Miskcedit, obgleich auch die Constitutionen unter seinem Herzen geboren sind. Aber, „Jesus" — sagt der obenangeführte Staatsmann — „gehörte auch zu den Philanthropen, und fordert mit Recht, daß wir Alle es sein sollen, und der größte Philanthrop ist unser Herrgott selbst, der seine Sonne über Christen und Juden scheinen läßt." „Wenn das Vorhergehende," so schließt der Verfasser, „geeignet war, Norwegens Gesetzgebern das Gefühl des Unterzeichneten Individuums mitzutheilen von dem Unmenschlichen und Unchristlichen in der Unterdrückung des jüdischen

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