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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-10-19 · Heft 94 (19.10.1839) · p. Seite 533

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 94 (19.10.1839)
Date
1839-10-19
Page
Seite 533 (sequence 5)
Language
German
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533 wuchern. Ihr Familienleben soll, in allen andern Hinsichten als denen der Reinlichkeit, nicht zu tadeln, und ihre .brüderliche Ergebenheit für einander als Muster aufzustellen sein. ' Will man übrigens' auf die Resultate der Sklaverei bei den christlichen Völkern sehen, so wird man die nothwendigen Eindrücke davon eben so tief und dauernd finden, wahrend Verbesserung in ihrer Stellung sogleich oder in der ersten Generation verbessernden Einfluß auf den Charakter gezeigt hat. Es ist auch merkwürdig, welchen schnellen Einfluß die Taufe auf diesen zu haben scheint — ich meine natürlich in der Volksmeinung. Die Physiognomie ist jetzt das Einzige, was an den Juden erinnert, nicht die constanten Untugenden. Diese müssen also nicht so tief liegen, da sie sich wegtauen lassen. Es herrscht auch eine mächtige Furcht, daß die Juden, wenn ihnen gleiche Freiheit wie andern Fremden gegeben würde, in einer solchen Menge in's Land strömen würden, daß sie sich aller Erwerbszweige bemächtigen und in dieser Hinsicht die eingeborne .Bevölkerung überwältigen würden. Hat aber Norwegen Jahrhunderte lang die Einwanderung von Dänemarks Armuth geduldet, so werden seine Leiden kaum vermehrt, wenn das Vermögen der Israeliten hier eine Anwendung fände: und von den eigentlichen Schacherjuden würde nur Wenigen von den schwedischen Hausicern und den unsrkgen ein Platz neben sich eingeraumt werden. Die Ausbeute einiger geringeren Handelszweige, die jetzt im Auslande mit den reisenden Fremden verschwindet, welche sie betreiben, würde dann zumTheilim Lande bleiben. Wir können übrigens ein Heilmittel gegen diese Furcht in den mit der ganzen Menge ihrer Juden blühenden Ländern suchen, welche die Emancipation gewagt haben, und in einer Bemerkung, welche der Verfasser der von dem bekannten Professor Krug herausgegebenen Schrift „die Politik der Christen und die Politik der Juden in mehr als tausendjährigem Kampfe," ein alter Staatsmann darin aufgestellt hat, nemlich in der: ehe die Katholiken in Sachsen emancipirt worden, hieß es auch: man müsse sie nicht emancipicen, weil gar zu viele einwandern und den Protestanten die Nahrung nehmen würden. Als aber Napoleon sein mächtiges Werde aussprach, da ging die Sache gleich, und ich habe nie gewußt, daß Sachsen dadurch an Wohlstand verloren hat. Eben so hieß es, ehe die Iudenkopfsteuer in Sachsen aufgehoben wurde, daß man sie nicht aufheben müßte, theils weil eine bedeutende Einnahme wegfallen würde, und theils weil gar zu viele Juden des Handels wegen über die Granze kommen würden, und für die christlichen Einwohner den Erwerb erschweren würden. Als aber Napoleon und sein Bruder Hieronymus für die französischen und westfälischen Juden ein gutes Wort eknlegten, ging die Sache sogleich, und ich habe auch nachher nicht gewußt, daß Sachsen an Wohlstand verloren hat," Eine Anführung desselben Verfassers, der mit Erfahrung, Ueberblick und Unpartheilichkeit die Sache behandelt hat, findet hier in Verbindung mit dem vorhergehenden Punkt Statt, da sie Thatsachen gegen die Furcht vor der innern Verderbniß der Juden und zu Gunsten der Meinung an die Hand gibt, daß diese im Verhältniß der erweiterten Freiheit abnimmt, welche sie erhalten. „Weil aber, sagt er, es jetzt viele Menschen gibt, welche, wieder Apostel Paulus, einen befondern Hang zum Skeptizismus haben, und deshalb nicht eher an der Ausführbarkeit einer Sache glauben wollen, als sie selbst sehen, daß sie schon ausgeführt ist, und nicht bloß keine schädlichen, sondern sogar besonders heilsame Folgen gehabt hat: so will ich dieses zum Ueberfluß noch einmal rücksichtlich der Emanckpation der Juden darlegen. In Holland sind die Juden emancipkrt, und zwar so vollständig, daß sie sogar als Deputirte gewählt und Sitz und Stimme im Staatsrath des christlichen Beherrschers haben können. Was für Folgen hat dieses nun gehabt? Die Stadt Amsterdam, wo es besonders viele Juden gibt, und unter ihnen sehr reiche und angesehene kann uns eine Aufklärung darüber geben. In dieser Stadt verhalten sich die Juden überhaupt wie 1 zu 10. Bis 1806 waren sie von allen bürgerlichen Rechten ausgeschlossen. Da verhielten sich die jüdischen Verbrecher zu den christlichen wie 1 zu 9. Seit 1806 erhielten die Juden eine günstigere Stellung. Nun verminderten sich die jüdischen Verbrecher in dem Verhältniß zu den christlichen wie 1 zu 11. Aber von 1811 an bekamen die Juden gleiche Rechte mit den Christen, und siehe da, nach der Zeit verminderten die jüdischen Verbrecher sich so sehr, daß sie sich zu den christlichen verhalten wie 1 zu 20. Es gibt also in Amsterdam nach der Emancipation der Juden nicht halb so viele Verbrecher als vor derselben. Ferner! Als in der Deputirtenkammer in München die Frage über die Emanckpation der Juden in Baiecn verhandelt wurde, und bei dieser Gelegenheit auch auf die bürgerliche Stellung und die Vaterlandsliebe der Juden in Holland die Rede kam, bestätigte das holländische Blatt, der Amsterdamer Courant, Alles, was dort zu ihrem Ruhme gesagt wurde. In der leipziger Zeitung wurde Folgendes aus diesem Blatte angeführt, das in dieser Sache wol volles Vertrauen verdient, daß: die Israeliten Hollands mit nicht geringerer Begeisterung wie die altniederlandische Bevölkerung unter die Waffen zur Vertheidigung des Vaterlandes eilte, und zwar nicht

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