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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-10-19 · Heft 94 (19.10.1839) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 94 (19.10.1839)
Date
1839-10-19
Page
Seite 532 (sequence 4)
Language
German
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532 einen Messias glaubten! Denn der Unglückliche, den eine Gegenwart unterjocht, richtet ganz natürlich seine Augen nach der Zukzmft. Es wird übrigens versichert, daß die Aufgeklärten unter den Juden den Volksglauben an einen künftigen Messias-Restaurator aufgegeben haben. Im Glück ist es übrigens leicht, tugendhaft zu sein; wo aber Verfolgungen und Unterdrückung auf dem hülflosen Opfer ruhen, wo Beiseitesetzung, Bedrängnisse und Verbannung aus der bürgerlichen Gesellschaft sich an ihre Schritte heften, wo beinahe jeder Zutritt zu redlichem Erwerb sich feindlich verschließt, und man sie gleichsam mit Gewalt auf dem Wege der Selbstverachtung zu allen Lastern stößt — ist es zu verwundern, wenn sie im Ganzen genommen gefühllos für eine so stiefmütterliche Stimme geworden sind? Und wenn bitterer Schmerz ihr Herz darüber erfüllt, wie die Christentugenden gegen sie geübt werden, wie sollte Platz darin sein zur Aufmerksamkeit und zum Vertrauen zu - den Dogmen, welche diese im Munde führen? wie eine Neigung zu glauben, daß der Messias gekommen ist, wenn die Christen in seinem Namen ihnen so viel Böses zufüglen? Laß aber Jesu Christi Milde sich offenbaren für seine unglücklichen Landsleute durch Toleranz und gerechte Bewilligungen — diese Rede werden sie verstehen; und dann werden sie erkennen, wenn ein Leben von Ehre, Freiheit und Kultur auch ihnen sich eröffnet, daß der Messias, der Ordner der sittlichen Welt schon längst gekommen ist, und daß sie endlich, nach einer langen Verirrung, zu ihm gekommen sind. Die Spaltung zwischen Christen und Juden, welche hauptsächlich nur eine Meinungsdisserenz war, ob die messianischen Weissagungen erfüllt sind oder nicht, ein Acquiesciren auf der einen und eine Appellation auf der andern Seite, die sich aber im Verlauf der Zeit zu einem tiefen Abgrunde erweiterte, wird in wenigeren Jahrzehnten, als bis jetzt Jahrhunderte erfordert wurden, wieder ausgefüllt und vermindert werden, bis sie verschwindet. Nicht weniger als ihr Anhängen an dem Glauben der Väter hat der Umstand, daß sie eine für sich bestehende Gesellschaft bilden, die in dem Rabbinen und den Aeltesten ihre Funktionaire hat, den Haß der christlichen Masse geweckt, und den Schriftstellern einen Grund zur Bestreitung ihres Anspruchs auf Bürgerrecht gegeben. Dieses unglückliche und unbefugte Einmischen! Der Staat wird doch immer wissen sich bezahlt zu machen und darauf zu sehen, daß die. Verpflichtungen eben so gut von den Juden, wie von seinen übrigen Kindern, erfüllt werden, für die er ihnen seine Güter gewährt; und dann kümmert es ihn wol keinesweges, ob die Juden auf eigene Kosten, zu eigenem Gewinn oder Verlust, ihre Synagogen, Schulen, Untecstützungseinrichtungen und ihren Rabbinismus beibehalten? Die Regierung verbietet den Katholiken in Irland nicht, sich einen katholischen Priester zu hatten, wenn sie nur den protestantischen bezahlen, von dem sie übrigens keinen Nutzen haben, und selbst unsere intoleranten Institutionen räumen der in ihren Dogmen von der herrschenden Kirche am meisten abweichenden und von allen am wenigsten christlichen Sekte, der Quäkersekte, außerordentliche Bewilligungen ein. Die gegenseitigen Verbindungen der Juden unter sich, soweit sie über die Erde zerstreut sind, sollten es für sie leicht machen, heißt es, das Vermögen dahin zu ziehen, wohin sie wollen. Steht dieses in ihrer Macht, obgleich die Christen in unsern Tagen den Schnitt gelernt, und am meisten beim Reguliren der Fluktuationen der Geldmassen zu sagen haben, so geschieht dies doch nur mit ihrem eigenen Vermögen und zum Besten des Staates, worin sie sich am besten befinden. Diese Macht, wenn sie auch nicht so beschnitten wäre, wie sie es ist, würde also dem Staate zu Gute kommen, der ihnen die größten bürgerlichen Rechte gewährte, und so ihnen am meisten ihr verlornes Palästina ersetzte. Von Seiten des Charakters haben die armen Juden immer die härtesten Angriffe erdulden müssen. Die Christen vergelten, aber nicht gegen die Rechten, was sie selbst von den Heiden einmal erdulden mußten. Sie üben ganz die Politik derselben, die auch darin bestand, ihnen gerade dieselben Schändlichkeitn aufzubürden, welche der Pöbelaberglaube selbst bis auf unsere Tage den Juden beilegen.will. Der etwas Aufgeklärte hat sich wol längst von dem Schrekken vor ihren Mysterien freigemacht, aber sehr oft nicht von dem Vorurtheil, daß der jüdische Volkscharakter unheilbarer als der Aussatz Palästinas ist. Er soll von Anfang an schlecht gewesen sein, und sich unter den Leiden verschlechtert haben. Das letzte ist eben so wahrscheinlich, wie das letztere unwahrscheinlich von dem Volke anzunehmen ist, welches unsere Religionsbücher Gottes erwähltes, Gottes auserwähltes und eigenes Volk nennen, und dessen Geschichte wirklich mächtige Geister aufzuweisen hat, in Gesetzgebung, Poesie und Moralphilosophle, und Helden, so aufopfernd wie in den Republiken Roms und Griechenlands. Aber eingeräumt, daß die Moralität besonders der niederen jüdischen Classen rücksichtlich ihres Betragens gegen die Christen gelitten hat, so daß sie sich für die gewaltsame Unterdrückung durch alle Künste des Schachers rächen, so hat doch auch sie jene guten Grundzüge behalten, und in den schmutzigen Winkeln, wohin ihnen mit ihrer Beute heimzuschleichen erlaubt ist, sind viele Laster der Unsittlichkeit fremd, welche im Elend und in der Armuth der Christen

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