Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 94 (19.10.1839)
- Date
- 1839-10-19
- Page
- Seite 531 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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531 vertrauen, daß er uns nur Brauchbares und Gediegenes liefern wird. Braunschweig, 2. Okt. (Privalmitth.) Es darf in Ihrer so viel gelesenen allgemeinen Zeitung nicht das Gute unberührt bleiben, was auch hiesigen Orts sich immer mehr zu Tage fördert. So ist unsere Synagoge am verfloffenen HH nach einer äußerst geschmackvollen Renovation, deren sie nach einem fünfzigjährigen Alter wol bedurfte, und zwar nun auch mit einer zierlichen Kanzel versehen, zum erstenmale der Gemeinde wieder eröffnet worden. Unser hochverehrter Herr Landes - Rabbine hielt den ersten Tag In'H tb neu auf die neueste Verschönerung des Tempels passenden Vortrag, so wie dessen Assistent Herr vr. Herzfeldt am zweiten Tage mit einer Rede, welcher als Inhalt Rückblicke auf das vergangene Jahrhundert unterlagen, seine Zuhörer erbauete. Wenn mit ergreifender Wahrheit der trüben Vergangenheit, so wie der für uns allmahlig aufgehenden Sonne der Freiheit und Geistesveredlung in dieser Rede gedacht wurde, so war. die Predigt am zweiten Tage rroiö als eine Fortsetzung derselben zu betrachten, in welcher die heutigen Zustände der hiesigen Gemeinde beleuchtet, Und diese, Gottlob seit lange schon des äußern Druckes frei, aufgefordert wurde, um auch den jüdischen Lehrschulen sowol als dem Gottesdienste eine dem Zeitgeiste angemessenere Form zu geben. Wenn diesen frommen Wünschen und Vorschlägen nun auch nicht sofort genügt werden kann, so ist von dem thätigen bisher so wirkensreichen Vorstande, so wie von den größtentheils gebildeten Gemeindemitgliedern mit Sicherheit anzunehmen, daß der einmal gegebene Impuls nicht spurlos vorüber gehen werde. Möge unser wakkerec Dr. Herzfeldt nur furchtlos auf der einmal betretenen Bahn fortschceiten, acht religiöses Judenthum in Einklang mit unserer jetzigen Zeit zu predigen, und 'die segensreichen Folgen werden sicher nicht ausbleiben. Ad. Marcus. Langenschwalbach, 1. Sept. (Fr. I.) Heute Nachmittag fand in der hiesigen Synagoge ein Tcauergottesdienst wegen des Ablebens Sr. Durchlaucht des Herzogs Wilhelm zu Nassau statt. Der ehrwürdige Hr. Landrabbine Wormser leitete die Feier ein mit einigen Worten der tiefsten Rührung. Dessen einziger Sohn, Herr Dr. Wormser, ein in jüdischer und weltlicher Gelehrsamkeit ausgezeichneter Mann, hielt eine in jeder Beziehung vorzügliche Trauerrede zur Befestigung des Glaubens an Unsterblichkeit der Seele, nach Pf. 90, welche die Gemüther aller Anwesenden nicht nur sehr ergriff, sondern auch wahrhaft tröstete und erbaute. Er stellte darin des Hochseligen Regenten- und Privatleben im höchsten Lichte dar und knüpfte daran mit Zuversicht die beseligendste Hoffnung für die Regierung Seines durchlauchtigsten Sohnes. Zum Schlüsse sprach der Landrabbine das Seelengebet für den hohen Verblichenen und das für Sein Regenlenhaus und dem jetzt - regierenden durchl. Herzog Adolph zu Nassau. So endigte eine Feier, welche noch lange im Andenken der jüdischen Gemeinde und eines sehr zahlreichen christlichen Publikums beider Konfessionen fortleben wird. Hamburg, 2. Okt. (Privatmitth.) Ist es eine der wohlverstandenen Zwecke der Allg. Zeit, des Judenthums, durch Berichte über die mancherlei Wohlthätigkeitsanstalten unsrer Glaubensgenossen einen TheilS den Sinn für solche Institute rege zu erhalten, andren Theils die Aufmerksamkeit auf immer größere Planmäßigkeit ihrer Anordnung zu lenken, so mögen die neu revidirten Statuten des hiesigen im Jahre 1766 gestifteten „Waisen-Instituts" der Berücksichtigung sehr würdig sein. Denn nicht leicht kann mit größerer Umsicht für die Zweckmäßigkeit und Zweckerreichung einer solchen Anstalt gesorgt werden, als es hier der Fall ist. Ein Direktorium, . mit einem Deputationsausschussb zur Seite, nach wohlerwogenen Prinzipien gewählt, hat die Leitung in festgezogenen Gränzen übernommen, und ist eben so in genauer Controle als zu öffentlicher Berichterstattung gehalten; die Mittel, die dem Institute zu Gebote stehen, sind mit dem Maße der Ausgabe ausgeglichen, so daß gegenwärtig acht Knaben, und mit dem Anwachs der Einnahme um 300 M. Eoür. immer ein Knabe mehr erhalten werden; die Kategorien der Aufnahme der Waisen schd genau festgestellt, einem Waisenvater und Waisenfühcer ist die Verpflegung und Beaufsichtigung der Waisen unter strenger Controle übergeben. Die Waisen erhalten den Unterricht in der Talmud-Tora Armenschule, unterliegen bestimmten .Gesetzen, haben bei Sterbefällen von Mitgliedern dem Leichenbegängnisse zu folgen, unterziehen sich, gegen bestimmte Remunerationen an die Kasse, dem Kadisch-Gebete für Verstorbene, und werden beim Austritt aus der Anstalt möglichst zur Erreichung eines bestimmten Lebenszweckes versorgt. Lassen sich auch die Segnungen dieser Anstalt, bei den noch beschrankten Mitteln, nicht sehr ausdehnen, so wird die Zukunft, bei dem festen. Vertrauen, das namentlich diese neuen Statuten erweckten, schon hinlänglich bei dem Wohlthätigkeitssinn der hiesigen Gemeinde für sie wirken. Tages-Controle. Constitutionsvorschlag an das Norwegische Storthing, die Emancipation der Juden betreffend, von H. Wergeland. (Fortsetzung und Schluß.) Das Volksvorurtheil gegen die Juden hat auch aus der Unlust der Juden, zum Christenthum überzugehen, seine Nahrung gesogen. Diese nimmt aber auch in demselben Verhältnisse ab, wie sie sein wahres Wesen nicht aus der Kanzelpolemik, sondern aus den Beschlüssen der Volksversammlungen und der Regierungen über Verbesserung in ihrer Lage kennen lernen. Wie wahrscheinlich übrigens an sich selbst, daß diese leidenden Geschlechter an einen Retter,