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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-10-19 · Heft 94 (19.10.1839) · p. Seite 530

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 94 (19.10.1839)
Date
1839-10-19
Page
Seite 530 (sequence 2)
Language
German
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550 an und habe daher kein Stimmrecht. Katholiken und Dissenters hätten das Stimmrecht erhalten, aber den Juden könne er nicht zugestehen. Sie wären zwar im Besitz bedeutender Permögen, man köyne sie aber nicht als Juden betrachten, da es unter ihnen Polen, Deutsche und andre Sekten gebe. Zu richterlichen Stellen und andern Aemtern möchten sie wählbar sein, aber das Wahlrecht bei Ernennung von Parlamentsmitgliedern könne ihnen nicht beigelegt werden.. Die Juden antworteten mit lautem Gelächter. 'Gegen viele andre Juden wurden dieselben Einwendungen gemacht, nur in sechs Fällen aber, wo die Betheiligten sich selbst als Fremde angaben, wurde die Einwendung als gültig ausgenommen. Man führte an, daß die Tories Jemanden von Haus zu Haus geschickt hätten, um Erkundigung einzuziehen, ob die Bewohner Englische oder fremde Juden wären. Ein Friedensrichter, der über die Interessen der Liberalen wachte, erklärte dies für höchst ungebührlich, und einer der stimmberechtigten Juden bemerkte, es gebe unter den Israeliten 4 Sekten, niederländische, deutsche, spanische und portugiesische Juden, und wenn man an Jemand in dieser Beziehung eine Frage richte, so werde er nach den Glaubensgrundsätzen antworten, die er bekenne, er möge in Jerusalem, England, Portugal oder sonst wo geboren sein, und die Antwort beziehe sich keinesweges auf die Heimath. Man fand diese Erklärung vollkommen befriedigend, und unmuthig über die unnöthige Behelligung gingen die Juden nach Hause. > (Spectator.) Deutschland. Frankfurt am Main, 29. Sept. (Privatmitth.) Wie gewöhnlich nach einem gewaltigen Sturme eine desto größere Ruhe und Stille einzutceten pflegt; so können wir auch in unfern hiesigen Gemeindeangelegenheiten die Erfahrung machen, daß nach einem, kaum vor einigen Monaten hier allgemein so aufgeregten Zustande aller religiösen Parteien, nunmehr wiederum eine Zeit des völligen Stillstandes und des Friedens eingetreten ist. — Ob aber ein solcher friedlicher Zustand, in dem sich Alles wieder in feinem gewohnten Geleise fortbewegt, für uns ein erwünschter und segenreicher genannt werden kann, lassen wir dahin gestellt sein.;— ' Unsre Kultusangelegenheiten werden, in so weit vom Aeußern derselben, vom Finanziellen rc. die Rede ist, auf's Beste verwaltet. Unsre Realschule, deren bedeutenden Leistungen bekannt genug sind, blühet immer mehr auf, und es herrscht in ihr großer Lehr- und Lerneifer. Mit derselben soll nun auch eine sogenannte Kleknkinderschule verbunden werden, wodurch diese abermals an Ausdehnung gewinnen wird. ZU diesem Zwecke befindet sich bereits seit mehrern Wochen ein Lehrer der Realschule in Blankenburg, um sich daselbst praktisch mit der Methodik des bekannten Dr. Höbet vertraut zu machen. Daß diese Idee bereits vielen Anklang gefunden, beweisen die schon ziemlich zahlreich erfolgten Anmeldungen zur Aufnahme in genannte Anstalt, wahrend noch manche Aeltern mit dieser bis zur vollendeten Organisirung derselben warten wollen. 7— Nur Segensreiches kann von diesem Institute erwartet werden. In unseren zwei Haupt-, so wie in den übrigen zahlreichen Nebensy'nagogen wird noch immer Alles nach früherem Herkommen, mit allen seinen Mängeln und Gebrechen gehandhabt. Ueberall, nur nicht im Gotteshause herrscht bei uns Ordnung und Anstand. Von Andacht kann unter solchen Auspicien wol keine Rede sein. — Es stehen überdies diese Gotteshäuser, außer zur Meßzeit und an einigen hohen Feiertagen leer und verödet da, und von ihren Besuchern kann, mit Recht, gesagt werden Tlrr *12073 Ti73 däno1» *jüp Wi. Daß indessen die Ursache dieser traurigen Erscheinung nicht im bloßen Jndkfferentismus und Mangel an religiösem Sinne zu suchen sei — wenn auch leider ein Theil unsrer Gemeinde von diesem Vorwurfe nicht ganz frei gesprochen werden kann — beurkundete, auf eine erfreuliche Weise , die Feier des jüngsten Versohnungstages. Vor einigen Jahren hatte Herr Leopold Beer die höchst zweckmäßige Idee gefaßt, zu den für den Versöhnungstag besonders bestehenden Pcivatandachten, noch eine hinzuzufügen. Es sollten in dieser alle Gebete nach dem streng orthodoxen Ritus beibehalten, nur mit feierlicher Ruhe und gebührendem Anstande vorgetragen werden. Dabei wurden drei zweckmäßige Predigten eingeschaltet. Auch in diesem Jahre wurde erwähnte Andacht, durch die löblichen Bemühungen des Herrn Beer wiederholt, und unser Herr vr. Ereuzenach übernahm zwei Predigten und die dritte hielt Herr Kandidat Bierheim, dessen warme Vortrage wir schon öfters in unserm Andachtssaale zu hören Gelegenheit hatten. Sämmtliche Predigten wurden von einer großen Anzahl eifriger Zuhörer — in so weit es das beschränkte Lokal erlaubte — besucht, und einstimmig wurde von diesen der hohe Werth des lebendigen Wortes Gottes gerade an diesem Tage erkannt, und der sehnlichste Wunsch geäußert, daß doch recht bald für die allgemeine Hebung und Veredlung .unsrer gottesdienstlichen Anstalten gesorgt werden möge. — Hierbei muß ich noch bemerken, daß, wie sehr auch das erste Mal so Manche — die in jeglichem Fortschritte unsers Kultus eine verderbliche Neuerung erblicken, und diese als solche verdammen — in der Abhaltung deutscher Vorträge am o"^ eine Profanation der Heiligkeit des Tages wähnten, bereits von ihrem Jrrthume zurückgekommen; so daß sogar in einigen andern Privatandachten dieses löbliche Beispiel Nachahmung fand, ohne irgend einen Anstoß zu erregen*). So geht kein Samenkorn des Guten leicht verloren, sondern es ersprießet stets, wenn auch oft spät, zum Heile und Segen auf. Von literarischen Novitäten wüßte ich Ihnen heute nicht viel mitzutheilen. Unser noch immer rüstige Johlson arbeitet fleißig an der Vollendung seines hebräischen Wörterbuches, das auch die Presse bald verlassen wird. Der diesem zu Grunde gelegte Plan ist statt des frühem Wortregisters zum rvnN rrttbin ein vollständiges Handwörterbuch für den Schulgebrauch zu liefern. Wir können dem praktischen Blicke dieses erfahrnen und gelehrten Schulmannes °) Wie doch in großen Gemeinden so mühsam zu erringen ist, was in kleineren seit vielen Jahren fröhlich blühet! Redakt.

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