Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 93 (12.10.1839)
- Date
- 1839-10-12
- Page
- Seite 527 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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827 Im zweiten Haus am Thore treff ich dich. Man darf uns nicht beisammen stehen sehen. Dort sag' ich dir, wie du zu handeln habest. (Sie wollen gehen.) Noch eins. Hier, Gregoire, nimm diesen Ring, Und wo du Gelb bedarfst, zeig ihn dem ersten. Dem besten Jud', du hast es dann in Fülle, Und spar' es nicht,, und zeig' es nur in Menge, Man soll dich reich, urplötzlich reich, dich halten, Da einen Ohm in Danzig du beerbt —- (Faßt ihre Hände.) Ich kenne Euch, und ich vertraue Euch. Mit dem Leibeignen steht der Jud' zusammen, Und beiden geht, seis auch in ferner Zest, Der Freiheit Sonne einst zusammen auf. Wohlan, Pan Wola, Pater Martin, ha, Ihr Adligen und Pfaffen, wohl vereint. Vereint stürzt Euch der Bauer und der Jude, Auf Euren Gräbern strebt die neue Zeit Zum Himmel kühn in neuem Bauwerk auf, Deß Stirn berührt der ew'gen Sterne Bahn. Doch eilt es drangt, bald treffen wir uns wieder. (Gregoire und Stamölciö zu verschiedenen Seiten ab.) Ben-Joseph, (allein) Noch einmal streck' ich meinen Arm hinaus, Um dein Geschick im raschen Flug zu fasten, Noch einmal knüpf' ich meines Lebens Kraft An deines Schicksals rollendes Gerader, Wie? sollte dies, sollt' jetzt die drohende Gefahr der Knoten sein, in den sich schürzt Das Doppelschicksal, meins und meines Volkes? Ich bin bereit, ich fasse nach dem Faden, Der mich zum Ende führt, hinab — hinauf — Ich schau' es nicht, drum geh' es seinen Lauf! (Er nimmt seinen Kasten auf, und geht langsam in die Hütte.) Der Vorhang fällt nieder. C o r r e s p o u d e n z e u. Aus Mähren. Stimmen aus Mähren. (Erster Artikel.) (Sckluß.) Auch der würdige hiesige Rabbine, ein junger tiefgelehrter 5almudist, der Bildung und Wissenschaft huldigend, Herr Jocph Frankfurt, war ganz hiemit einverstanden. Längst schon sind ster nach seinem dringenden Anträge, die überflüssigen, zeitraubenden und nur zu so manchem Unfuge führenden (-piacj ->u) Nischeberach's und das (rö -j^) Jejascher Ko ach sagen gänz- .ich abgcstellt. .Auch der Ein- und AuShcbeakt der Tora wird hier — versteht ich mit mindcrzäbligem Chore — in jeder Hinsicht, ganz dem :es Wiener Tempels nachgeahmt und ist wahrhaft rührend, feierlich und herzerhebend. Der talentvolle Oberkantor, Herr E. Erber, könnte, so er es nur über sich vermöchte, sich wie bei bemeldeten Akten, auch in den übrigen Gebeten und Piutim, von dem altmodischen Schnörkel und Veligrängesang zu trennen und loSzuschlagcn, seiner schönen und geregelten Modulation fähigen Stimme gemäß, sich ein wahrhaft großes Verdienst um die Andacht seines Auditoriums erwerben. Seine Stimme ist schön und berechtiget zu schönen Erwartungen. Die sogenannten '(tW’üö) HauSandachten, sind hier gänzlich untersagt.") Noch muß ich eines hier bestehenden nennenswerthcn Vereins erwähnen, desgleichen — mindestens soweit mir bekannt — noch nirgends in 1 einer Gemeine Israels besteht und der wirklich der schönste.» Nachahmung würdig. Es ist dies — da hier auch der Aermste fein eigenes Häuschen hat, oder dem Geseke nach haben muß — ein Verein, die Häuser der Armen bei der bestehenden VrandversicherungS- Anstalt zu assecuriren und selbe hiedurch vor jedem Brandunglücke möglichst zu sichern; und dieser edle und schöne Verein erfreuet sich großer Theilnahme und enormer Spenden. Der Stifter desselben verdient genannt zu werden, der Brave heißt Herr Ahron Baruch. Wie nothwendig und an der Zeit eS ist, daß diesem schönen Institute auch anderwärts nachgeeifert würde, brauche ich nicht erst zu sagen, und zweifle auch gar nicht, daß durch die edle Pflanzschule Ihres vielgelesenen Blattes, durch welches sich so vieles Edle, Schöne, und Gute in Israel schon fortgepflanzr und ausgebrcitet, auch dieses zu segenreicher Nacheiferung gedeihen wird. Soviel vom schon geschehenen. Von den noch in Abrede stehenden, wie z. B. die Umgestaltung des Almemmers, die Richtung der sämmtlichen Sitze mit der Fronte gegen die Lade u. s. w. für die Zukunft! Trebitsch. Daselbst ist nun auf hohen Gubernial-Befehl eine öffentliche, alle Gegenstände umfassende Schule zu Stande gekommen, an welcher vorläufig drei Hauptlehrer und eben so viele Gehülfen angestellt und welche, da die ganze Gemeine mit Freuden diesem Institute entgegen sah, feierlich eingeweiht wurde. Da besonders in Mähren der Oberrabbine gesetzlich die Aufsicht undProtcctur derSchule haben muß, und der dortige Herr Chaim,- Joseph Pollak ein, eben sowol im Talmud hochgelehrter, als auch ausgezeichnet wissenschaftlich gebildeter, mit großer Belesenheit und linguistischer Kenntniß ausgestatteter Mann ist, wahre Religiosität mit zeitgemäßer Toleranz verbindend; so kann man dieser Anstalt den blühendsten und schönsten Erfolg prophezeihen. Battnitz. ES ist empörend und himmelschreiend, welche Unordnung daselbst in der Synagoge herrscht. Der Uebclstand und Unfug des DiSkurirenS und PlaudernS in der Synagoge ist ") Noch aber besteht hier, wie allenthalben überall in den steinern Orten, jener, alles bessere Gefühl empörende Mißbranch — wovon ich bei Gelegenheit einer Hochzeit ein Augenzeuge war — die Trauung auf öffentlicher Gasse und zwar vor dem Eingänge der Synasoge, zu vollziehen. Verständlich, ist es kaum, wie sich dies Schauspiel mir einer be« ginnenden und so schon sich entfaltenden Reform verträgt und w'e dieser Kontrast auszugleichen! Unbegreiflich bleibt es und unertlärbar selbst auf die orthodoxesten Seelcnhirten, wie sie diesem Unfuge noch immer schweigend zuseben können. Wie kann man den heiligsten. weihevollsten Act des Lebens, der doch, wenn nicht auch die nächsten Angehörigen, doch mindestens zwei Personen gewiß zum feierlichsten Ernste stimmt, indem er sie, für Leid und Freude, für Heil und Unheil für das ganze Leben verbindet, so tief in den Schlanun der Erniedrigmig und Absurdität hin» abzieben, ihr in Geaenwart und Beisein der niedrigsten Pöbelmasse und beim Zudrange und Aufläufe aller Mägde, Träger und Gamins zu vollziehen! Verträgt sich das mit der uns von allen 'Nationen mit öffentli» chem Zeugnisse vorzüglich zuerkannten bescheiden zurückgezogenen, , stillen heilig schenen Keuschheit! ,,Birg dich i» dein Zimmer mein Volk, und schließe deine Thüren um dich, bis vorüber die Zornesdauer!" spricht Jesaja. Doch, wir wollen in ihrem Sinne sprechen, wie viel Segnungrn werden bei diesem Akte gesprochen! Muß daü Anditorium Amen sägen? Nun, das wissen sie wohl — ja! Kann es bei diesem Lärmen geschehen?? — Ist es am Trauertage Ab'S erlaubt mit Schuhen zu qe» hen? Und schließt Orach chaim nicht selbst, da da wo viele Nichtjuden, selbst der einzelne, unbeachtete sie anziehen darf, nur um kein öffcmliche- Skandal zu geben?? — Corresp.