Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 93 (12.10.1839)
- Date
- 1839-10-12
- Page
- Seite 526 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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526 Des Manderns Müh' und Last des Lebens. Gesehn? ich sehe viel und sah schon mehr, Doch von der Tafel der Erinnerung Löscht stets der nächste Augenblick, was just Der vor'ge drauf geschrieben, löscht es ganz. Ich steh zu Diensten, Herr, kauft nur, seht her! Gregoire. Du tauscht mich nicht. Ich sah des Grames Züge, Sah die Verzweiflung auf dein Angesicht Zu tief gegraben, hörte wohl den Ruf Des Jammers sich aus deiner Seele winden — Ben-Joseph. Gram, Herr? Gram war die Amme, die mir Milch Geflößt auf Kindeslippe, Gram die Wärterin, Die mich auf ihrem Arme groß getragen- - Gram war Gespielin meiner Jugend, und Des Manns Genosse auf der Pilgerung. Doch die Verzweiflung nicht. Was von Verzweiflung Darf wohl ein Krämer auf der Heerstraß' wissen? Drum kaufet, Herr, und kauft Ihr nicht. So laßt mich gehen, denn ich Hab noch weit. Gregoire. Was? und Esterka soll im finstern Kerker, Ben - Himmel im Gefängniß schmachten? sollen Vergebens ausschaun nach dem Heil der Rettung, Und ihre Feinde mögen triumphiren? Meinst du, o Jud', Ihr werdet heiler Haut, Ihr Alle, unberührt von dannen gehen? Meinst du, es wär auf Alle nicht gemünzt? Ben-Joseph. Wer bin ich, daß du mich zur Rettung rufst. Wo König, Volk und Herren ringsum lagern? Kann ich mit meinem Trödel sie erkaufen? Gregoire. Du bist ein Jud', ein Jud' läßt nicht vom Juden, Ein Jud' hat mehr, als er im Kasten trägt Für Jedermann — Ben-Joseph. Und was ficht's dich an? Gregoire. Weil mit den fortgeführten Juden da Auch mein Glück wird, mein Leben aufgeknüpft. Weil, wenn die trügerische Rotte siegt, Die sich des Königs und Gerichts bedient Zu Schergen, auch mein Hasser, mein Verfolger, Ja meines Weib's und Kindes Mörder siegt, Der Pan von Wola — Ben-Joseph. Halt, dich sucht ich, Gregoire — Gregoire. Du kennst mich? — Ben-Joseph (wirft heftig den Kasten hin.) Jetzt, jetzt kenn' ich dich, und dich, Stanislas — du bist Gregoire der Jäger, Dem jener Pan das Weib zurücke hält. Das Weib, das du geehlicht unverehlkcht, Als Magd — und du, Stanislas, der Leibeigne, Der Vater jener Magd, ich suchte Euch — Stanislas. Wie wißt Ihr dies, Ihr habt uns nie gesehen? Ben-Joseph. Ha, Ihr seid Boten, Boten jenes Gottes, Der tief erniedrigt und dann hoch erhöht,. Euch wollt' ich suchen und ich fand Euch schon — Hier hast du deine Braut, du deine Tochter — Auf, auf nach Krakau, fort, Ihr seid noch hier? Gregoire. Gemach — habt Ihr die Spur gesehen, die Vom Walde, wo die Leiche man gefunden, Nach dieser Hütte führte? Viel zu groß, Zu plump war sie für der Esterka Fuß — 'Ne andre Spur, die man so übersah. Die besser paßt, führt nach St. Dominik, Wo Pater Martin hat das Regiment. Ben-Joseph. Wohl, wohl, ich weiß. Wo aber ist dein Kind, Das dir Marie geboren haben muß. Wo ist's? Gregoire. Es kam zur Welt, doch hat's das Licht Des Weltalls nicht erblickt, todt war's, begraben — B en- Joseph. Wo? G regoire. In St. Dominik. Ben-Joseph. Unglücklicher, Du sahst es nicht begraben — has war die Leiche! (zu Stanislas.) Du willst die Tochter? Stanislas. Um mein Leben! Ben-Joseph. Heut um die zehnte Stunde treff ich dich Im Wald von Wola, bei der alten Eiche, Die deiner Vorfahrn Götzen einst getragen.' (zu Gregoire.) Du willst dein Weib? Fort, fort nach Krakau schnell,