Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 93 (12.10.1839)
- Date
- 1839-10-12
- Page
- Seite 525 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Sich in mein Herz, das schwergeprüfte, stahl Mußt solch' ein Wild sich stellen meiner Spur!? Kannst du so irren, göttliche Natur? Und solche Schönheit, solche Unschuldszüge Zum Werkzeug brauchen schwarzer That und Lüge? Weh mir, ich fühl's an meines Herzens Beben, Allüberall entartet ist dies Leben! (Ab mit Gefolge.) Sechster Auftritt. Ben-Joseph allein. (Tritt nach einer Weile langsam hervor, stellt seinen Tabuletkasten auf die Erde, und wirft sich dann selbst auf den Boden. Plötzlich springt er auf.) Gott Israels! — Das sind deine Spuren! — Das ist dein Gang, da traten deine Füße Den Staüb der Erde und des Winters Schnee — Und nicht der Wolken Stürze, nicht des Sommers Gluth Vermögen sie zu tilgen, diese Spuren! — Blut, Bluk, Blutströme Deines Volkes, Ich hör' sie rauschen von der Ferne her — Sie hatten Polens Markstein nickt erreicht. Jetzt kommen sie, zu.Thür und Fenster, Und durch die morschen Bretter stürzen Sie schnell herein, und — ja, ertränken uns — auch hier! (Er seht sich auf einen Stein nieder.) Esterka, süße Gazelle Juda's, Dein Fuß — in Kerkers Schlamm, dein Arm — In Eisen — deine Brust im Hauch der Modergruft — Dein Auge — statt zur Himmelsbläue Schlägt's zu der furchtbarschweren Kerkerdecke auf!- Von Spaniens Granze komm ich Herzogen, Mit dem Gespinnft des Seidenwurms beschwert, Aus Frankreichs Hauptstadt bring' ich hellen Schmuck, Aus Brabant trug ich fein gewebtes Linnen, Und aus Italien goldgewirkte Gürtel — Für dich Ben-Himmel eine Hand voll Staub Aus der geweihten Erd' Jerusalems — Nun schmück' dich, Braut, zum schmachbedeckten Tod, Schmück' dich, weil der Verrath den blut'gen Kranz Dir auf die jungfräuliche Stirn gedrückt. Schmück dich, und stirb — am Galgen! (Pause. Er erhebt sich.) Wo seid Ihr, Genoffen, am Rhein und Po, Ihr glühenden Herzen, reife Opfer für Des Glaubens Flammenschwerdt, die ich geworben, Die ich hierherbefahl nach Polens Steppen: Um Israel zum schweren Kampf zu rüsten — Jetzt kommet, kommt, um Eures Führers Braut, Der das Panier für Israel erhoben, Um seine Braut zu seh'n am Galgen, Und wie der Scheiterhaufen lustig flackert — (Tritt weiter vor, neben seinen Kasten.) Kommt doch, ihr Boten der Verheißung! Herbei ihr Stürme, die des Erdballs Wucht Wie Kinderbälle durch die Lüfte führen, 'Blitze des Himmels, fahrt hernieder. Reißt auseinander, Wolken, daß Israels ^Herrlichkeit hindurch sich dränge. Und throne auf dem nieder» Schlummerhügel, Darunter liegen Greis und Jungfrau tobt! O um die benedeite Herrlichkeit!- Wie, ausgebrannt war Israel schon jetzt? Wie, ein Vulkan, der seine Flammenstoffe In eigener Vernichtung hat verzehrt? Ha, noch, noch schlagen Pulse in den Herzen, Noch gibt es Schmerzen, die es nicht gefühlt, Noch Tropfen Gift, die es nicht ausgetrunken. Noch Lebensnerven, die nicht ausgezuckt: Es lebt, es lebt, denn noch erglüht der Krampf Und würgt im Glied, das noch dem Tod sich sträubt — Und auf solch' Leben setztest du die Hoffnung? Ben-Joseph, nieder tritt dein eigen Ich, Denn nah' sind schon, die es zu Boden treten! Siebenter Auftritt. Ben-Joseph. Gregoire. Stanislas. (Kommen von der linken Mauer hervor.) Gregoire (ergreift den Arm Ben- Joseph's, der aufschreckt.) Was wüthest du, Jud'? Ben-Joseph (der schnellseinen Kasten erhebt und öffnet.) Was beliebt Euch, Herr? Sind's Ringlein aus Venedig, deutsche Tücher, Nach denen Ihr gelüstet? Oder Balsam, In Asiens Wüste reif geworden? Oder Wünscht Ihr ein Latzlein für Eu'r jüngstes Kind? Ich hab's in Fülle, und es wird gefallen. Gregoire. Was, Jude, ist das Alles, was du hier Zu treiben Haft? Ben-Joseph. Bin gekommen eben Aus fernem Land, und wollt' die Hütt' vorüber — Gregoire. Und sahst die Mörder führen zum Gericht, Dies deine Klage? Ben-Joseph. Klagt' ich? Nun, das ist Gewohnheit, Hab' zu viel zu klagen ob 93»