Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 93 (12.10.1839)
- Date
- 1839-10-12
- Page
- Seite 524 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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524 Anlagen zu geistiger Entwickelung, die unter Stammverwandten Spinozas, Mendelssohns und Börnes'nicht selten sind, und welche, trotz der gehäuften Hindernisse, in diesen und andern weltberühmten Genies ihre Reife erlangt haben. Wahrlich mit diesem vor Augen wird es schwer fallen, nicht zu gestehen, daß in diesem' mishandelten Volke ein Kern von Charaktergröße, Unternehmungsgeist und Ausdauer lebet, welche andere ihm beneiden könnten." (Fortsetzung folgt.) B e l l e t t i ft i £ Esterka. Trauerspiel Ln fünf Akten. (Fortsetzung.)- Fünfter Auftritt. Die Vorigen. Herren und Jager zerren unter Tumult und Geschrei Ben Himmel und Esterka vor den König. Bald darauf crscheint'B en-Joseph als Tabuletkrümer hinter der rechten Mauer verborgen, und schauet unter stummen Geberden zu.) Nosny. Hier sind die Mörder! Ben Himmel und Esterka. Gnade — wir Mörder!? Lubomirz. Zwei Pferde vor 'nem Schlitten standen an Der Hütte Hinterthür gebunden — Alles trifft — Esterka (wirft sich vor den König nieder.) Herr König, Gnade! Gnad', Gerechtigkeit! Unschuld'ge Leute sind wir, wissen nicht, Weß man uns angeschuldigt, welcher That Verbrechen man auf unsere Schultern ladet — Kasimir. Dort in des Waldes Dickicht ward gefunden Die Leiche eines Christenkinds, erwürgt. Mit tiefen Wunden in der zarten Brust, Daneben lag ein Messer, das ein Jude Mit Charakteren Eurer Schrift bezeichnet, Und zweier Leute Spuren in dem Schnee Geleiten grad', auf Eure Hütte her, Auf einem Schlitten brachtet Jhr's da'hin, Und dieser Schlitten steht an Eurer Thür. Das Gefolge. Verruchte Mörder, Euer Blut soll fließen! Esterka. Und wir die Thater? Herr, o schonet uns, Unschuldig sind wir, solcher Unthat Sinn Zog nimmer ein in unsre reine Hütte! Weh, bei dem ein'gen Gott im hohen Himmel, Unschuldig sind wir solcher Greuelthat — Kasimir. Ich wünsche es, doch allzulaut erheben Die Zeichen Eurer Schuld den Weheruf, Und dem Gerichte müßt Ihr unterstehen. Gefolge. Ja, nieder mit den Juden, mit dm Mördern Esterka. Hört nicht, o König, auf der Hasser Ruf, Wir sind unschuldig, weh! und Trug und Lug Die Zeichen — schonet uns — ich kann nicht — Bei diesen Silberlocken meines Vaters, Schwach sind wir, und der Wuth gegeben — So sollt Erhörung Ihr bei Gott einst finden — Rein sind vom Blute unsre schwachen Arme — Pan von Wola (hervortretend). Dann müßt' ich nicht Eur heimlich Treiben kennen. Wie Eu'r Gezücht den gift'gen Pfeil entsendet Aus dunklem Winkel, der Euch sicher dünkt. Esterka (sinkt zurück). Weh, der — Pan von Wola. Krümmt Euch und winselt nur Am Boden, sichrer trifft Euch unsre Rache, Und unser Gott schafft Licht in Euren Fluch. Schleppt sie nur fort,' sie sind dem Bann verfallen. Dort liegt mein Schloß, sie sind da wohl verwahrt. Kasimir. Halt! Niemand wag's, hier diese anzurühren! Wer ist der König? Wer hat zu gebieten? Rosny, nehmt sie gefangen, Euer Köpf Für ihr unangetastet Leben, bringt Nach Krakau sie zum freien Schöppenstuhl, Und dessen Schluß soll über sie bestimmen — Ich selbst begebe mich des Rechts der Gnade. (Gemurmel, RoSni) nimmt Ben-Himmel und Esterka in die Mitte der Jäger, und führt sie ab.) Ben - Him mel (wie sie ihn ergreifen). Gott Israels, wie hast du uns verlassen! Esterka. Ben-Joseph, Ben-Joseph! (Ben-Joseph richtet sich hinter der Mauer hoch auf, und schaut ihr starr nach.) Kasimir (zu sich selbst). Die Lust des Jagens ist mir schwer verbittert, Und wenn der heitern Freude seltner Strahl