Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 93 (12.10.1839)
- Date
- 1839-10-12
- Page
- Seite 519 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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519 er sogar eine Stiftung von fl. 50,000 für arme Bocharim in Mahren mittelst testamentarischer Anordnung errichtete, -so gerieth doch der Sohn in mißliche Vermögensumstande, aus denen er sich nur durch höchst eingezogene Lebensart und strengen Fleiß allmahlig zog, bis die Heirath mit der Schwester der durch Geist und Schönheit berühm- - ten Fanny Arnstein, gebornen Jtzig, und der dadurch veranlaßte Eintritt in die Handlungsgesellschaft mit seinem Schwager, dem nackmalkaen FreiKerrn von Amtzein, seinem SchicksaL^eWWNg'dUMeM^WKWMW^Zie er nun nach und nach zu den höchsten Stufen^dssWeichthüms und Ansehens stieg, gehört wol kaum hieher; genug er erklimmte sie stets auf dem Wege der Rechtlichkeit, mehr durch seltene Einsicht, die der Zeit vorausgriff, als durch Glück gefördert/in Epochenin welchen Viele zu Grunde gingen, und in denen das Vocurtheil gegen''seine Nation sich in einem noch gehässigerer! Lichte als gegenwärtig /"darstellte, — Umstande, die also seine dießfalligen Verdienste nur noch mehr erheben können. Wol 50 oder 40 Jahre lang stand er auf solcher vor den Stürmen der Zeit wohl verschanzten Höhe des Lebens, und die Zukunft seiner beiden Kinder konnte ihm — ein seltner Vorzug — von ihrer Wiege an gesichert erscheinen. Seine Zeit und Kraft, die ihm die Annahme so manches Ehrenamtes gestattete, hätte ihm füglich auch erlaubt, sich der von ihm oft erbetenen Vertretung seiner Glaubensgenossen auf eine dauernde und eingreifende Weise nach Innen und Außen zu widmen, und zu welchem andern Ehrenamte wäre er wol näher berufen gewesen, als zu diesem? Sein immer wachsendes Vermögen .hätte ihm bei erwähnten Verhältnissen gestattet, das Außerordentliche für die Begründung neuer Religions - und Wohlthätigkeitsanstalten, und für die Wiederbelebung der älteren in seiner Gemeinde zu thun, und zwar in einer Zeit, in welcher die empfindlichsten Lücken und Gebrechen sich darin kundthaten. Vor allem aber hätte sein Wort, das in den höchsten Kreisen seine Geltung fand, das in den Zeiten der höchsten Bedrangniß als Ocakelspruch galt, das den Ausschlag zu den heilsamsten Reformen auf merkantilischem und finanziellem Gebiete gegeben hatte, — auch auf die bürgerliche Stellung seiner Glaubensgenossen einwirken können, gleichwie das Wort des.edlen Jacobsons unter ungleich geringrer Begünstigung der Verhältnisse es gethan. Er, der Mann des Raths und der Hülfe in Zeit unabsehbarer Noch, er, den die einflußreichsten Staatsmänner als Freunde seines Hauses umstanden, und der die Anerkennung und Dankbarkeit seines Vaterlandes in Anspruch nehmen konnte: er hätte dieses Wort zu sprechen gehabt, und wenn er es kräftig und eindringlich im Vollgefühl seiner Sendung gesprochen hätte, —- es wäre, nimmer unbeachtet geblieben, — von ihm vorgebracht — in jener Zeit — bei der stets waltenden Einsicht und Humanität der Staatsmänner, die in ihr lebten. Er hat es nicht gesprochen! Die.Angelegenheiten des Judenthums, die höheren Bedürfnisse feiner eigenen Gemeinde blieben ihm fremd, ja selbst was er für die milden Anstalten und für die Armen derselben, aus schuMen Rücksichten für die Convenienz, that, war niemals Äner Stellung angemessen. Einmal nur gab er der wiede»olten Aufforderung, sich der. Vertretung seiner Glaubensgenossen zu unterziehen, nach, und diese ganz kurze Zeit ist durch nichts, als durch ein schmachvolles Eceignkß bezeichnet, die Einführung der sogenannten blauen Zettel für fremde Israeliten, welche einen solchen die Erlaubniß zum Aufenthalte auf 14 Tage enthaltenden Schein mit einer bedeutenden dem Leibzoll nicht unähnlichen Abgabe seitdem erkaufen mußten. *) Er, dessen Beispiel so mächtig hätte wirken können, lebte in jeder Beziehung als Nicht-Jude, und erst das Sterben erinnerte ihn an die Religion seiner Voreltern; seine Kinder aber, die ein Schutz und Schirm des Judenthums hätten werden können, ließ er nicht nur von dem väterlichen Glauben abfallen, sondern erzog sie selbst in tiefer Abneigung desselben. Auch waren es nur Glaubensabtrünnige, die er begünstigte und hob, Glaubensgenossen, ja selbst feine nächsten und bedrängtesten Verwandte ließ er darben, und bedachte sie auch nicht in seinem Testamente, mit welchem er sich doch wahrend der letzten 30 Jahre seines Lebens fortwährend beschäftigt hatte. Darf man einem allgemein verbreiteten Gerüchte trauen, so überstiege seine Hinterlassenschaft weit die Summe von vier Millionen Gulden Conv. Münze, welche zwei bereits versorgten Kindern, dem k. k. priv. Großhändler und dänischem Consul Denis Freiherrn von Eskeles, und der Gräfin Wimpfen, mit Ausnahme eines Famkliensidekcommisses im Belaufe von fl. 400,000 C. M., zu dessen Errichtung er kurz vor seinem Tode die Erlaubniß erhielt/ und einiger ganz unbedeutenden Legate, heimfallen. Was fromme Vermächtnisse, namentlich im Interesse seiner Glaubensgenossen anbelangt, so begnügte er sich, die obenerwähnte Stiftung seines Vaters für Bocher im in Mähren, deren Anlagen sich durch die Zeitumstayde verschlechtert hatten, dem Nominalwerthe nach zu vervollständigen, ohne jedoch, wiederholten Aufforderungen ungeachtet, daran eine zeitgemäßere Bestimmung zu knüpfen. Für seinen Theil beschränkte er sich, ein seinen Namen zu tragendes Bett im Jsraelitenspitale mit einer Anlage von fl. 3000, zu fundkren, und fl. 400 C. M. zur Betheilung der Armen bei seinem Begräbniß auszusetzen, wozu sein Sohn noch andere fl. 400 beizulegen für gut fand. — Diese einfache — gewiß sine ira et odio abgefaßte Darstellung dürfte zur Lösung der Eingangs gestellten Frage führen, welche lediglich im Interesse der so oft bei ähnlichen Gelegenheiten gröblich verletzten Wahrheit versucht wurde. Müssen wir auch oft genug von den Rechten und Ansprüchen schweigen, welche wir an unsere christliche Mitbrüder haben, nimmer mehr dürfen wir verabsäumen, diejenigen geltend zu machen, welche uns gegen die unserer Glaubensgenossen zugestehen, die zu unser» Schützern und Vorkämpfern berufen erscheinen. — R. Norwegen. Christian!«, 15. Sept. (Prkvalmitth.) Norwegen in einer Zeitung des Judettthums? Wie, schließt nicht Norwegen, wie Spanien, die Juden aus *). Die blaue Farbe dieser Zettel ist seit mehreren Jahren abgestellt und in weiß umgewandelt worden. Corresp.