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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-10-12 · Heft 93 (12.10.1839) · p. Seite 518

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 93 (12.10.1839)
Date
1839-10-12
Page
Seite 518 (sequence 2)
Language
German
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518 zähler" von vr. Heß erhalten und cs ist uns schwer geworden, zu glauben, daß das ein Anderer als ein Missionär geschrieben haben könne — aber nein, Missionäre sind zu dumm, die können so etwas gar nichts es gehört, wie Sie's nennen „ein jüdischer Kopf" dazu! Einer unsrer gelehrten Bonmotisten bemerkte bei jener Gelegenheit, unter den Ehrentiteln, die dergleichen Leuten gebühren, müßte man füglich dww tw in den herauszugebenden neusten Briefsteller mit aufnehmen; können Sie uns den Herrn vr. nicht auf ein paar Tage hinüber schicken — wir würden ihn für Geld sehen lassen, und das .Ware keine schlechte Speculation! *)* —. Als ein Beweis, wie sehr jüdische Gelehrte sich in Acht nehmen müssen, irgend etwas zu schreiben, das zu Zweideutigkeiten Veranlassung geben kann, mag folgendes Citat aus dem Jewish Intelligencer Sept. 1839, p. 220. dienen: „Ich zeigte (erzählt ein Judenbekehrer) dem,Rabbi Jedidja in Tunis eine hebräische Zeitschrift, die unter dem Titel awtt von den eminentesten Rabbinen Oesterreichs herausgegeben, und worin die Autorität des Talmuds -von einem Rabbinen angegriffen wird. Ich las nämlich eine Critik über den Glauben an den wunderbaren Fluß Sambation, welchen der Talmud als bestehend annimmt, von dem er erzählt, er ruhe am Sonnabend, und der doch nirgend existire." Diese Critik ist von einem eurer gelehrtesten rechtgläubigen Rabbinen geschrieben, der seine Argumente auf folgende Weise schließt. „„Nach dem was ich dargethan habe, hoffe ich. meine Leser von der Wahrheit meiner Argumente überzeugt zu haben, und es scheint mir die Zeit gekommen zu sein, wo solche kindischen Geschichten keinen Glauben mehr finden werden in Israel."" rc. rc. Wer die gelehrte Abhandlung kennt und ihren berühmten Verfasser, wird anit mir darin übereinstimmen, daß derselbe die beste Absicht hatte, und es mit mir bedauern, daß Judenbekehrer dieselbe dazu verwenden, den Glauben unsrer Brüder im Orient zu erschüttern, die noch nicht auf europäischer Bildungsstufe stehen, und die also natürlich dem Missionär nicht das erwiedern können, was ihm ein Europäer sagen würde. Frankreich. Paris, 17. Sept. (Privatmitth.) Der religiöse Torpor dauert hier fort, und die religiösen Feste des Jahres ■n'n werden mit derselben Nachlässigkeit gefeiert, wie die der vorhergehenden Jahre. Ach, das Judenthum in Frankreich ist sehr krank, und das größte Uebel ist, daß die, welche diese Krankheit heilen wollen, sich nicht verstehen! —■ —. Herr Frank, einer unsrer Glaubensgenossen, Professor der Philosophie am. College royal de Versailles, hat schon mehrere Vorlesungen über die Kabbala gehalten, in der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften; diese Vorlesungen haben sehr gefallen, und die Journale *) Wir geben hier Nichts, als die wörtlichen Ausdrücke des Londoner Correspondenten — worauf wir aufmerksam gemacht haben wollen, daß man nicht von Rivalität spreche, wo es sich um Wahrheit handelt! Redakt. haben einen sehr günstigen Bericht darüber gegeben. Es ist kein zweiter Professor der Philosophie in ganz Frankreich fähig, den Sohar und das S. Jezira zu analysiren. -Oesterreich. Wien, 11. Sept. (Privatmitth.) ' Es ist ein nicht genug anzuerkennender Vorzug dieser vielverbreiteten Blätter, daß sie die Gebrechen der Zeit mit Freimuth und selbst mit Strenge an den Reichern und Mächtigern. in Israel rügen, und dadurch die wichtige, leider von ihnen so oft verkannte Aufgabe, deren sie theilhaftig wurden, in das gebührende Licht setzen. Geschieht dieß rückhaltslos gegen die Lebenden, so darf keine falsch verstandene Pietät abhalten, Gleiches in Ansehung der Verstorbenen auszuüben, und zwar nicht sowol im Angedenken der profanen, wenn gleich rühmenswerthen Sitte des ägyptischen Todtengerichts, als in jenem des in Israel lebenden Wortes: „dem Tobten darf man die Wahrheit nachsagen." Daß es aber Gelegenheiten gibt, wo man sie sogar nachsagen soll, mag wol aus Anlaß des eben erfolgten Todesfalls eines berühmt gewordenen Israeliten hervorgehen. — Becnard Freiherr von Eskeles, k. k. priv. Großhändler, gewesener Bankgouverneurs-Stellvertreter und'Präsident der ersten Brandversicherungs - Gesellschaft, starb am 7. August in feinem Landhause zu Hitzing nächst/ Wien im 87. Lebensjahre. Was er dem Staates £befc ihn auf die ehrenvollste Weise auszeichnete, für namhafte Dienste in den schwierigsten Epochen leistete, welchen entscheidend wohlthatigen Einfluß er auf die Begründung der wichtigsten Institute in der Monarchie nahm,, wie er Vielen ein einsichtsvoller Rathgeber, manchem Armen -.auch eine Stütze war, und wie er endlich seine Kinder, nach feiner Auffassungsweife mit der zärtlichsten Sorgfalt erzog, und für sie noch bis in sein spätes Alter arbeitete und sammelte: darüber haben zum Theil bereits öffentliche Blättetz^Andeutungen gegeben , zum Theil aber sind es ziemlich allgemeine Thatsachen, welche auch in der kurzen aber gediegenen Leichenrede, die vor zahlreichen Zuhörern von dem wackern Religionslehrer Breyer abgehalten wurde, der gebührenden Lobeserhebung gewiß nicht entbehrten.' Billig aber drängt sich hiebei eine andere Frage auf: Was hat der Mann von seltnem Geiste, von seltnem Vermögen und von seltnem Einfluß und Ansehen als Jude für das Judenthum und seine Bekenner, oder auch nur für die Gemeinde, in welcher er lebte, während seiner langen und glänzenden Laufbahn gethan? ' Diese Frage regt wol zuvörderst eine andere an: Was hätte er dafür thun können? Der Sohn eines der strenggläubigsten und geachtetsten Israeliten seiner Zeit, des Landrabbinen Becnard Eskeles zu Nicolsburg in Mähren, hatte er zwar seinen Vater nie gekannt, aber durch die Fürsorge seiner Mutter und seines Stiefvaters, beide fromm und gottesfürchtig, war er nicht nur in den Grundsätzen des Judenthums erzogen worden, sondern hatte selbst eine nach damaligen Begriffen gelehrte, d. i. vorzüglich das Studium der jüdischen Theologie umfassende Erziehung erhalten. Obwol sein Vater ein nicht unbeträchtliches Vermögen hinterlassen hatte, dergestalt, daß

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