Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 92 (5.10.1839)
- Date
- 1839-10-05
- Page
- Seite 513 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Literatur. Archäologie. Homiletik. Neueste theologische Streitfragen. VII. Würdigung der „Beleuchtung" des Herrn Kohn in No.36,39, 42, ,48, 51, 54 dieser Zeitung von S. R. Hirsch'in Oldenburg. (Schluß.) Ad 8) 2. Sam. 15, 30, soll als keine Spur für Schutzlosigkeit als Trauerzeichen gelten, denn David war. ja kein Leidtragender, ihm war ja kein Angehöriger gestorben, und man dürfe nicht von sonstigen Schmerzausdrücken auf Trauergebräuche der Leidtragenden schließen u. s. w. Sehr wohl! Aber stehet nicht Herr Kohn, daß er mit diesem einen Satze sein ganzes wohlgezimmertes Gebäude selbst zertrümmert? Waren dem erbeuteten Mädchen Eltern gestorben? Waren den Männern Jer. 41, 5 Verwandte gestorben? Spricht ^bism -pT3 “»n von Leidtragen im Tobte? «Und wenn, wie Herr K. S. 227 meint, Schutzlosigkeit deshalb nicht Tcauergebrauch sein kann, weil es auch Bußübung z.B. am sp war, so können wir mit gleichem Rechte sagen, Haarschecrcn kann kein Trauerzeichen sein, denn die Leviten mußten sich zur Weihe scheeren, und der Nostr doch auch nicht zur Trauer. Und was wollen wir z. B. mit irrn:; anfangen? Die finden wir beim Schmerz, bei Todtentrauer, — und bei Götzendienst der Landspriester! — Und wo ist da nun mit einem Male die ganze Leichentrauertheorie des Herrn Kohn? Aber wir erfaßen wieder eine antiquarische Neuigkeit: Schuhlosigkeit könne ja durchaus nicht für ein Trauerzeichen gelten, denn der Trauernde bleibe ja in der Regel zu Hause, und zu Hause — ging man ja gewöhnlich barfuß, Schuhe gehören ja zum Reisehabitus; denn den Israeliten wird ja befohlen D^bi-O EDb5?2! — Aber mich dünkt, wenn man ganz gewöhnlich barfuß ging, so konnte Barfußgehen überhaupt kein Zeichen für irgend Etwas sein, nicht der Demüthigung und Kasteiung, nicht der Ehrfurcht vor jeder heiligen Stätte (S. 227). Ging doch Jeder an gemeinster Statte barfuß! Und war denn Jecheskeel, als ihm seine Frau starb, auf Reifen? spricht Chalizoh und Kinjon auf Reisen?!! Ief. 20 fand ich in dem Barfußgehen des Jesaias ebenfalls eine Spur von Trauerzeichen. Wie, ruft Herr Kohn aus, dann bekämen wir ein ganz neues originelles Trauerzeichen, nemlich Nacktheit, weil nemlich Jesaias auch! 21*12 ging — und fährt, doch in demselben Satze fort, selbst darauf hinzuweisen, wie das Nacktgehen gewiß nicht buchstäblich zu nehmen sei, also doch gewiß, wie auch 22 iridis übersetzt, mit zerrissenen Kleidern pizn ^y) — und wäre das ein so originelles neues Trauerzeichen? ist das nicht trnaa? Und ist nicht, ungeachtet auch eine andere Erklärung möglich, auch (dr N2^2): dies 2i*i2 am natürlichsten ttnsöK' hnt b2 bnan 2D2/2 N'L2x 21-121 bbio i-Db^a nbb^rri m:22 auch ein Trauerzeichen? Und dieser Herr, der in derselben Nummer sich entblödet in einem Satze (Ezech. 24, 17), unter 4 Gebräuchen, deren 3 unbezweifelt Trauergebräuche sind, mit keckem Finger auf Einen hinzudeuten: „der war kein Trauerzeichen!" nur um unserer Chachomim zu widersprechen, dieser selbige Herr folgert, daß Jer. 2, 25 in dem Satze: Erspare deinem Fuße die Blöße und deiner Kehle den Durst, nicht von Trauer die Rede sein könne, weil sonst auch Durst eine neue Trauerqual fein müßte!! Wie? wenn Durst, Fasten, die Buße bezeichnet und der Sinn des Satzes wäre: Erspare dir die Trauer und die Buße, wäre das so unnatürlich? Ad. 9) Im i'i 387, 1 lesen wir: — — — aber den ganzen Tag (außer der Zeit des Schlafens und Essens) sitzt er (der Trauernde) nicht auf einem umgestürzten Bette, sondern auf dem Erdboden. --„In Betreff dieser Vorschrift hieß es in Herrn Kohn's Aufsatze: weit weniger noch war das Sitzen auf dem Boden ein eigentliches Trauerzeichen, wird auch als solches weder im Talmud noch bei den alteren Gefetzlehrern erwähnt. Ja in seiner Beleuchtung geht er nun gar so weit, mit kecker Bestimmtheit zu behaupten, der Platz des Leidtragengenden sei nach dem Talmud gar nicht auf dem Boden, sondern auf dem umgestürzten Bette gewesen! Nicht wahr, mein Leser, also haben die späteren Gcsetzkehrer nicht nur eine unnöthige, sondern noch dazu eine dem Talmud geradezu widersprechende Bürde sich und dem armen Volke als Vorschrift aufertegt. Und aks Grund dieser so kühnen, für unsere späteren Gesetzlehrer fo gravirenden Behauptung — lesen wir in dem Aufsatze nichts weiter, als die antiquarische Novität: denn dieß war und ist noch die gewöhnliche Art z.u sitzen im Orient!" Ich begnügte mich nur - auf diesen antiquarischen Grund einzugehen und auf dessen Nichtigkeit durch Bibelstellen hinzuweisen. Hören wir zuvörderst einmal was Herr Kohn auf diese erwicdert.