Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 92 (5.10.1839)
- Date
- 1839-10-05
- Page
- Seite 512 (sequence 12)
- Language
- German
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612 hohen Atter, Lei schwächlicher Gesundheit denselben glühenden Eifer, dieselbe rastlose Thätigkeit zuwendet allen jüdischen Interessen. — Doch waS kümmern ihn solche Jnreresien! Wohl aber wird jeder Vernünftige selbst, ohne das fragliche Buch gelesen zu haben, zugcben muffen, daß jener edle mit hoher Einsicht begabte Mann sich schlechterdings keine solche Inkonsequenz würde zu Schulden kommen lassen, diejenigen, die so lange der Gegenstand feiner Liebe und angestrengtesten Sorgfalt gewesen, für die er durch so viele Jahre gestritten und gelitten und keine Anstrengung und kein Opfer gescheut, nun aus ein Mal in seinem Alter zu denunziren und dem allgemeinen Hasse und der öffentlichen Verachtung preiözugeben— Seine hohe sociale Stellung, sein würdevoller Charakter, seine Erfahrung berechtigten ihn allerdings die Fehler seiner Glaubensbrüder in der Sprache ihres Stammes zu rügen. Es ist der Freund, der den Freunden, cö ist der in Erfahrungen aller Art ergrauete Vater, der seinen Kindern ihre Fehltritte vorhält, freilich nicht ohne Bitterkeit, aber immer gleichsam sub ross. — Hat sich aber der Brodyer Correspondenf durch seine Mittheilung einer argen Sünde gegen die ganze jüdische Einwohnerschaft Galiziens schuldig gemacht; so bar er sich noch mehr an der Brody's versündiget. Während der ^'2, wie erwähnt, den braven, wohlgesinnten, kenntnißreicken und strebenden Mitgliedern der dortigen Gemeinde volle Gerechtigkeit widerfahren läßt, schlägt sie der Brodyer Schreiber alle über einen Leisten. Ja noch mehr: Dem Schreiber scheint besonders viel daran gelegen, den Eindruck zu entkräften, den der ^"2 etwa im Auslande zum Nachtheile der Brodyer Juden hervorbringen könnte. Wird denn aber gar der Name Brody's im ganzen Buche auch nur ein einziges Mal erwähnt'! Und weicher ausländische Leser desselben würde wohl unter Brvdy suchen, hätte ihn nicht Schreiber mit plumper Treuherzigkeit darauf aufmerksam gemacht? Wie etwa der Bar in der Fabel seinen schlafenden Herrn lodtschlägt, da er eine Fliege von dessen Nase verscheuchen will. Wer ist nun der Denunziant, der Libellist, der Schmähschreiber? Wir sind aber auch gar nicht geneigt zu glauben, daß der Brodyer Schreiber wirklich bloß für die Ehre der galizischen oder der Brodyer Juden sich so ungeberdig gehabt! Sind doch manche ehrenrührige Aufsähe in dem österreichischen Archive und der Gazeta lwowska über die galizische Judenschaft erschienen, gegen welche wohl der Verfasser des seine gewichtige Stimme erhoben, während unser Brodyer Schreiber, wiewol in dem österreichischen Archive, seine jüdischen Miteinwohner Brody's 'am härtesten mitgenommen worden, sich dadurch nicht stören ließ in seiner behaglichen Ruhe und seinem süßen Traume von dcn „löblichen Eigenschaften, welche von allen Fremden an den Brody'er Juden gerühmt werden." Warum erhob er da nicht seine vorlaute Stimme, um über Denunziationen und Libelle zu klagen? War doch hier die Absicht eine absolutjudenfeindliche, die Sprache eine lebendige, einem auSgebreireren und mitunter uns gehässigen Publikum verständliche, und das Organ ein öffentliches? — Zum Schluffe wollen wir noch dem Brody'er Schreiber den wohlgemeinten Rath ertheilen, sich nacb dem von Brody nicht gar weit entlegenen Wohnorte des Verfassers zu begeben und daselbst die von diesem noch vor einem Viertel Sekulum gegründete und fortwährend blühende Anstalt durch einige Zeit zu besuchen, wo er lernen wird, daß wir Juden seit etwa 3£ Jahrhunderten aus Spanien verwiesen sind und wir also nicht in „Gallizien"') sondern in Galizien leben. **). — W. L. K. *) Zn Spanien.- Die» trifft den Correfpondenten nicht, da das doppilte l ein sehr ba'ufig vorkonnneriScr Druckfehler war. Redakt. Anzeiger. Ln demselben werden Armoucen aller Art gegen I Gr. Gebühren )ür die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum anfgenormnrn. Die Verlagshandlung. Das zweite und dritte Heft meiner Zeitschrift: „Allgemeines Archiv des Judentums" sollen nächstens erscheinen. Zweckmäßige hebräische und deutsche Aufsätze und Berichte beliebe man durch die Buchhandlung: Fmibaeli jun. hü selbst an mich gelangen zu lassen. Di-. I. Heinemann in Berlin. Einen tüchtigen Lehrer (Preuß. Staatsbürger) für alle Gegenstände in einer wohlgeordneten Schule, welcher außerdem in der französischen und englischen Sprache gründlich unterrichten kann: empfehle ich ganz besonders und vorzugsweise, da derselbe streng moralisch ist und die Liebe seiner Schüler zu gewinnen und zu erhalten weiß. Anträge bitte ich zu fcankiren. Pr. I. Heinemann in Berlin. Neue Fnedrichsstraße 102. So eben ist erschienen, und durch alle Buchhandlungen zu haben: VP23 2 "IN oder Briefe eines jr'id. Gelehrten und Wabbrnen über das Werk: „min Versuche über Zisroels Pflichten in der Zerstreuung von s. N. Hirsch, Großherz. Oldenburg. Landrabb. Altona 1837." Nebst einer Abhandlung: über die Möglichkeit einer Abschaft sung bestehender Gebräuche im Judenthume vom orthodoxen Standpunkte. HcrauSgegcben durch M. S. Charbonah. 8. geh. Preis 6 Gr. ‘IBS asnE "2^22 Sirrtl-I ^721« 11'D'p p-Np-7 nKDJT Mn ■«'iso. awia ">ni72, om rrsVa ^0:22 ‘o-n Da toM y'b pnp-f v'V n t H2SJ2 •W’ba sna »ne« Md wb M?23 -öS "iDDi-r Ns irrten “ptDOYis TO(nn rib *m7i:no v'iü ara» «np*» 2>02 an Leipzig, den 24. Septbr. 1839.' C. L. F r i tz s ch e.