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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-10-05 · Heft 92 (5.10.1839) · p. Seite 509

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 92 (5.10.1839)
Date
1839-10-05
Page
Seite 509 (sequence 9)
Language
German
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509 Wie dem nicht abgeneigt Israels Töchter: Sie liegen aufgehauft in fester Truhe, Und wenn der Sonne Blick sie einmal trifft, Fährt, der sie schaut, geblendet schnell zurück. Esterka, komm, laß dir es zeigen, komm! Esterka. Ich bin nicht angekleidet zum Besuche, Und muß ich doch den Vater erst erwarten. Pan. Der folg' uns nach. Auch kannst du wählen dort Ein seidenes Gewand mit Edelstein Und Perlen reich besät, und goldnen Gürtel, Wie werden sie die edlen Glieder schmücken. Esterka. Wie könnt' ich doch solch' thöcichtem Verlangen, Herr Pan, zu ungelegner Zeit entsprechen, Am Werkeltag, zur frühen Morgenstunde, Jst's keine Zeit zu stattlichem Besuche. Pan. Wann Dir ein Edler hat ein Komm! gesprochen. So ist die Zeit zu folgen stets gelegen! — Kurz' ist des Lebens Zeit, gelegen drum. Wenn sich die Freude und die Ehre bietet. Esterka. Und wollt' ich kommen in Eur Schloß der Freude, In Eure Säle, Eure seidnen Kammern, Der Eingang, Herr, er ist mir doch verwehrt! Pan. Wer will ihn wehren Dir? Esterka. Die Juden, Herr., Pan. So soll mein Schwert — Esterka. Halt, nicht die lebenden. Nicht die Eur Schwert, Eur Henkerbeil könnt' treffen — Die tobten — P an. Was? Esterka. Dort geht der Weg nach Wola, Vorüber führt er vor des Galgens Höhe,,' Wo dreizehn tobte Juden grinsend hangen. Die dort der Pan von Wola aufgeknüpft! Pan. Landstreicher — E sterka. Landstreicher sind wir Alle, Wir müssen Alle durch die Lander streichen. Weil man von Land zu Lande uns verjagt, Landstreicher sind Ben Himmel und Esterka, Wie könnt' ich weilen, wo man solche hangt! Ihr habt, Herr Pan, die Juden all' verbannt Aus Eurer Güter Granzen, wen Ihr findet,. Büßt seinen Jrrthum mit dem Tode — gelt. Ich mag nicht geh'n auf solchen blut'gen Spuren. Pan. Es sei vergessen! — Was soll's — Esterß', ich liebe dich Ich sag' es dir, und dies sei deine Bürgschaft — Mein sollst du werden — und mit tausend Freuden Soll unser Dasein herrlich sich umgeben. Die Leichen laß ich in die Grube werfen,' Daß sie dein Auge nimmer noch verletzen. Und,wenn auf jeder Scholle, die ich habe. Zehn Juden wollen ihre Hütten bauen, Sie sei'n willkommen, und ich schütze sie. Esterka. Laßt das, Herr Pan. Ich bin verlobt, und ich Erwarte stündlich den mir Angelobten, Dem in der Wiege schon ich 'zugehörte. Seht drum, wie Eur Gespräch mich tief verletzt. Pan. Was? Einem Juden sollst du angehören? Und dieses Leibes Schönheit einem Kramer? Und wenn Wer nächstens kommt, und bietet mit Gekrümmtem Rücken und mit Schelmenwoct Mir Ringlein, Tücher, Spezerei'n zum Kauf, Und mit den Füßen stoß' ich ihn hinweg, Daß sein Berühren mich besudle nicht — So i st's Esterka's Herr, Esterka's Ehgespons! — — Esterka, komm, zu solchem wardst du nicht, Für solchen hat Natur dich nicht gebaut! Esterka. Was höhnst du. Pan, die stille Größe, Die stumm verhüllte meiner Glaubensbrüder! Ja, nimmer wirft sie sich in seile Pracht, Bedeckt mit Prunkgewand nicht faule Glieder, Die an der Wollust Feuer sind vertrocknet — Sie geht ftolzirend nicht auf Mordsuchtwerken Durch die mit Seufzern überschtagnen Sale, Sie hat den Fluch der Knechte nicht zu tragen. Und laßt vom Söhne des Geschlachteten Den Saum stch nicht mit halben. Lippen küssen — Doch wohnet sie still in des Herzens Kammern, 92»

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