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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-10-05 · Heft 92 (5.10.1839) · p. Seite 507

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 92 (5.10.1839)
Date
1839-10-05
Page
Seite 507 (sequence 7)
Language
German
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507 nicht in einer solchen Zeit das Reingeistige der Religion verdrängen und beherrschen? Und dennoch sind es gerade diese weniger, ja am wenigsten, welche den jetzigen Menschen einnchmen, sondern es ist eher eine Zeit der Zersetzung und Ausscheidung für sie gekommen. Die Ideen der Religion sind es, welche den jetzigen Menschen fesseln, die Predigt macht ihm das Hauptelement des Gottesoienstes aus, weil er in ihr geistig angeregt wird, bei den kirchlichen Formen fragt er nach innerer .Bedeutung, und er will sie nur im Bewußtsein dieser üben und bestehen lassen. Die Lehre verdrängt das Werk innerhalb der Religion, und blicken wir auf die Bekenner des Judenthums, so sind es nur die Ideen des Judenthums, welche ein neues Feuer in ihnen entzünden, und Viele von dem Pfade der Entfernung zurückcufen, wogegen die Formen desselben sie ganz kalt und kühl lassen. Deshalb bekennen sich so Viele nur noch in der Idee als Juden. Deshalb lassen selbst reformirte Formen des Judenthums bald wieder kalt, wenn nicht das geistige Leben sich mit ihnen verbunden hat. Deshalb haben in neuerer Zeit höher gebildete orthodoxe oder besser konservative Juden mächtig dahin gestrebt, den alten Formen durch Constcuirung geistiger Bedeutung Leben wieder einzustößen-das ist aber doch gerade das Widerspkel der Materialetat?! Sehen wir weiter auf das allgemeine Leben, so bemerken wir, daß sich die ganze neuere Praxis auf die Theorie gebaut hat. Im ganzen Gebiete der Industrie werden alle Erzeugnisse durch die Regeln der Wissenschaft hervorgebracht, verändert und ausgebildet. Die Chemie und Technik haben sich in ihrer wissenschaftlichen Vollendung der Praxis untecgelegt, und erzeugen in dieser Vereinigung täglich neue Wunder. Ferner ist die Tendenz nach der begrifflichen Entwickelung jedes Gegenstandes der Wirklichkeit allgemein geworden. Die Staaten und Völker werden nach Staatstheörien geleitet, ihre wichtigsten Fragen werden nach den Prinzipien einer Theorie entschieden. Alles wird als Verkörperung eines Begriffs angesehen, der zu eruiren ist. Kein Kunstwerk erscheint, in dem man nicht einen Begriff dargestellt sieht und findet. Die geistige ' Unterlage jeder Richtung und jedes Zustandes soll zur Anschauung kommen. Fast jedes Individuum ist ein verkörperter Begriff. So entscheidet sich das praktische Leben selbst nach Begriffen, und die höchste Consequenz verlangt überall einen bestimmten Begriff und dessen feste Durchführung in Charakter, That und Wort.-Das ist doch wol ganz und gar das Widerspiel der Materialetät?! Wollen wir also selbst bei diesen widerstrebenden Anschauungen zu einem wahrheitlichen Begriffe von der Gegenwart kommen, so müssen wir sagen: Im vorigen Jahrhunderte waren noch Spekulation und Wirklichkeit getrennt, und lebten ein abgesondertes Leben, mit wenigen Berührungspunkten; in der Jetztzeit aber haben Geistiges und Stoffliches sich völlig genähert, und streben danach, sich gegenseitig zu durchdringen, was ihnen auch schon vielfach gelungen ist. Es ist daher durchaus nicht von einer Obherrschaft Eines von Beiden zu reden', sondern von der Durchdringung Beider in sich, von dem Leben Beider in einander. Das Geistige will das Materielle durchdringen, das Materielle in dem Geistigen eine neue, bessere Existenz gewinnen. Dieses Resultat wollen wir festhalren; es scheint mir sich überall zu bewahrheiten, und die Folgen davon scheinen für alles Bestehende, und so auch für das Judenthum von unermeßlicher Bedeutung. Bel l e t r i ft i k. Wenn es eine der besondersten Tendenzen der Allgemeinen Zeitung des Judenthums ist, anregend auf dem Gebiete des Judenthums zu wirken, wenn hierzu eines der bedeutsamsten Mittel, nicht bloß die Erörterung einzelner Parthieen des Judenthums, sondern die geistige Belebung seines Genius ist: so wird man auch die Mittheilung eines Aktes eines in dieser Beziehung höchst wirksamen Drama's zu würdigen wissen. Dieses Drama, dessen Stoff dem Romane des Herrn Czynskk, 1« roi des paysans, entlehnt ist, hat zur Tendenz, neben der lebendigen Schilderung einer trüben, vergangenen Zeit,, den Versuch., die zerstreuten Söhne. Juda's durch ein äußeres Band zu vereinigen, und dessen Scheitern in der Mitte der europäischen Staaten zu charakteristren, und den Untergang einer einzelnen, höher begabten Natur in diesem'Ringen darzuftellen. Sollte dieser erste Akt die Theilnahme des Publikums für sich gewinnen, so würden wir nicht anstehen, nach und nach die Fortsetzung zu geben. E s t e r k a. Trauerspiel in fünf Akten. Erster Akt. Personen: Kasimir der Große, König von Polen. Pan von Wola. fuUmut) P°'nisch°

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