Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 92 (5.10.1839)
- Date
- 1839-10-05
- Page
- Seite 505 (sequence 5)
- Language
- German
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803 stand auch uns so nahe berührt. Der Verfasser geht von dem Standpunkte des strengen Rabbinismus aus, und stellt die Forderung, daß vor wie nach das. religiöse Lebender jüdischen Gemeinden unter der Obhut altgläubiger, im Rabbinismus auferzogenen, vom Einfluß der neuen Eivittsation unberührten Rabbinen, bleibe. Das ist Forderung, nicht Vermittelung. Wer den Ansprüchen des gegenwärtigen Lebens auch nicht den geringsten selbstständigen Einfluß auf die Bildung des jüdischen Gemeindelebens gestattet, darf nicht erwarten, daß die große Zahl der Juden, welche dem Radbinismus seine durchaus bindende Kraft zugestehn, ihn als Vermittler ihrer Sache mit der orthodoxen Genossenschaft anerkennen werden. Reformen im jüdischen Leben können nicht, wie in andern religiösen Gemeinschaften allein von einer Synode strenggläubiger Rabbinen ausgehn. Es handelt sich in der jüdischen Civilisation nicht 'bloß um ein religiöses Interesse, um den Umfang der Glaubensansichten, sondern um alle dem bürgerlichen, sittlichen Leben zugehörige Interessen. Welcher Staatwürde gegenwärtig seine ganze Existenz unter die Administration kirchlicher Autorität stellen? Kirche und Religion sind nicht mehr wie ehemals gleichbedeutend, Existenz und Glauben stehen in gleicher Rangordnung. Mit der strengen Beachtung des herkömmlich historischen Rechts wird jedem Fortschritt eine Schranke gesetzt. Mit Demselben Rechte, mit welchem der Radbinismus auf seine ehemalige Autorität besteht, kann auch der Staat sein Recht an den Leidzoll der Juden, auf ihre Kammerknechtschaft rc. begründen. Die Wissenschaft erhellt das Leben, aber sie schafft es nicht, die Theorie folgt im socialen Leben stets der Praxis. Nicht aus den Köpfen der Geschichtschreiber geht die Geschichte hervor, noch weniger aus den Dogmen der Philosophie die allgemeine Cultur der menschlichen Gesellschaft. Nach dem Princip, den der Radbinismus als seinen Kern anerkennt, kann bei allem wissenschaftlichen Forschen kein Anknüpfungspunkt für die Bedingungen gefunden werden, welche die gegenwärtige sociale Stellung an den Juden macht. Die Vereinigung ist so undenkbar wie die des apostolischen Dogmas mit den Souveränitätsrechten der protestantischen Machte. Wie sich der Himmel über der Erde wölbt, so muß sich der religiöse Kult über dem bürgerlichen Leben erheben, die Verdichtung des Glaubens in minutiöse Ansprüche und Beschränkungen-sind Nichts als ein trübes Gewölke, welches, mit Schatten über den Boden der bürgerlichen Existenz hinzieht. Oesterreich. Wien, 11. Sept. (Prlvatmitth.) Ihren Wiener Korrespondenten würde mit Recht der Vorwurf der Lauheit und Fahrlässigkeit treffen, wenn er die, am vergangnen Neujahrstage in dem hiesigen israelitischen Bethause mit Andacht und Würdebegangene Säcularfeie.r unerwähnt lasse. Der.Abschluß.,eilleL,_.auch für Israel und dessen politische und kicchlM^JnkereWt ewig denkwürdigen und einflußreichen Jahrhunderts^konnte freilich nicht mit Böllerschüssen, GlockengellsMe^md^Pchräden^gefeiert werden; aber die F«er'würde ^durch''5ie, ~~e|St-in dem hkngeschwundemn SaculE erst recht^verstaMene"Nnd gewürdigte Kraft des Wortes auf "die "schönste erhebendste Weise verherrlicht. Ganz unerwartet wählte unser Mannheimer den Wechsel des- Jahrhunderts zum Gegenstand einer geistvollen, freimüthigen Rede über Zephania 3, 14 — 20, welche wohl in größer» Kreisen vernommen und beherzigt zu werden verdiente. Die Wahl dieses . reichhaltigen. Themas war unerwartet, da die meisten Hörer erst von dem geehrten Redner erfahren mußten, welches Jahr nach Ecschaffun^-der Welt die Synagoge so eben zu zahlen beginne. Es soll aber daraus hier Niemanden ein Vorwurf gemacht werden;, ich wollte vielmehr gelegentlich nur sagen, daß europäische Gesittung auch hier, nicht nur äußerlich, sondern auf die ganze Denkweise der jüdischen Einwohner ihren ungeschmälerten Einfluß ausübe, was sich auch in Kleinigkeiten, wie in dem gänzlichen Jgnoriren der altern Zeitrechnung, auf's Deutlichste ausspricht. - Der Redner besprach die Versiandniß der Vergangenheit, die Würdigung, der Gegenwart und die trostvolle Zukunft Israels mit so tiefer Einsicht, so klarem Blicke und solch einer frommen, an den alten Prophetismus erinnernden Begeisterung, daß Res. den von Vielen getheilten Wunsch, diese inhaltschwere Predigt der Lesewelt übergeben zu sehen, nicht unterdrücken kann. Wien, 12. Sept. (Privatmitth.) Herr Hirsch Äolisch in Nicols bürg hat, als er am vergangenen Neujahrstage zur Tora gerufen wurde, der, in seiner Gemeinde bestehenden Lehr- und Fabriksansialt, welche in diesen Blättern bereits, besprochen wurde, die Summe von Tausend Gulden Con v e n t.i l>n s -^M ü n z e, als Beitrag zu dem Schulfonde zugesichect.'^Wosolch ein Sinn für das Gute und Nützlich-^eksschtT^stnd die schönsten, segenreichsten Erfolge zn erwarten. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 20. Sept. (Privatmitth.) Um dem theik--' nehmenden Publikum die Einsicht in das neue Bibelwerk zu erleichtern, sind demselben sogleich zwei Lieferungen vorgelegt worden. Auch ist. die Veranstaltung getroffen worden, um die Vollendung des Werkes zu beschleunigen, daß nicht alle 6 Wochen ei n e Lieferung, sondern in möglichster Schnelligkeit, erscheine. Die dritte Lieferung wird' daher in wenigen Tagen ausgegeben. Wir.ersuchen daher alle Th-eilnehmenden ihre'Bestellungen baldigst zu machen. Magdeburg, 22. Sept. A'ngekommen: iTn“!- ilölD-' oder die geläuterte Sprache von- R. Abraham- Ebn Esra. Herausgegeben von 1)r. G. Lippmann. Fürth, 1839. — •'aiöntt rman , phn von Mendel Ste.ru. Wien, 1839: — Fürth, 29. Aug. (Privatmitth.) Der Herausgeber des vwn und tnvih Möttvon Ebn Esra, der vr. Lippmann,. ist noch im Besitze-von zwei Manuskripten deö Ebn Esra, die er in der Bibliothek zu München copirte, und gedenkt solche bald-, kritisch, bearbeitet, zu veröffentlichen^ DaS eine Schriftchen-, Itti* ,‘ISÖbetitelt, ist, seines Wissens, noch nie im Drucke erschienen. Das andere ist zwar vor Kurzem im vierten Bande des LN2' abgedruckt worden, allein es bedarf um so mehr einer kritischen Bearbeitung, als die meisten Gelehrten und Bibliographen ganz verschiedener, zum Theil irriger Meinung über dasselbe sind, wie in einer ausführlichen Einleitung. nachgewiesen werden soll-.