Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 92 (5.10.1839)
- Date
- 1839-10-05
- Page
- Seite 504 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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504 bestimmt benanntes Fach, wohin gleich jeder einzeln aufgefangene Ausdruck geschoben wird. Statt das Ganze zu hören, klebt man am Einzelnen, was nach Willkür kommentirt und interpretier wird. Da gibt es denn nichts als Hexerei oder Ketzerei, Aberglauben oder Unglauben. Hört ein Kritiker einen Ausdruck, den er einmal in einem Kompendium unter einer gewissen Rubrik gesehen hat, gleich muß, wer denselben gebraucht, auch zu der signalisirten Sekte gehören. Was liegt an Geist und Wesen der Sachet Die Terminologie bleibt bei diesen Leuten die Hauptsache; da weiß man gleich, woran man ist. So sprach nun der Landcabbine allerdings viel von Gott; aber dadurch wird man doch wahrhaftig noch kein Deist, besonders wenn man noch deutlich dabei ausspricht, daß das Gotteshaus eine Schule des geoffenbarten Wortes genannt werden möchte. Oder findet vielleicht Jemand das Deististhe in dem Satze: „die menschliche Vernunft allein ist völlig unzureichend zur Erforschung der höchsten Wahrheiten?" Wenn derjenige, welcher predigt: „die Furcht Gottes ist Anfang alles Wissens," sich zum Deismus bekennen soll, dann müßten wir wol, was. allerdings sehr originell wäre, in Zukunft auch den weisen König Salomo zu dieser Schule rechnen. Gerade aber das finden wir in der Einweihungsrede sowol, als auch von den Predigten des Landrabbinen überhaupt so besonders zu loden, daß wir, was man in unserer Zeit oft bis zum Ekel hören muß, nichts von dem Jargon irgend einer modernen Philosophieschule bemerken; nur Selbstgedachtes und Selbstgefühltes in wahrhaft jüdischem Sinne wird uns geboten. Nicht genauer verhalt es sich auch mit jenem Berichte im Schwab. Merkur u. a. Bl. Keineswegs nur einige Altgläubige hatten sich während der Einweihung mit einer kleinen Mütze bedeckt. Der bei weitem größte Theil der Anwesenden, und namentlich diejenigen, welche mit Recht Anspruch auf Bildung machen können, waren bedeckten Hauptes. Nur einige junge Leute hielten es für unanständig,. in Gegenwart so vieler Christen dem jüdischen Gottesdienste nach jüdischen Gebrauche mit bedecktem Haupte beizuwohnen. Es darf dabei nicht unerwähnt bleiben, wie ruhig die sogenannten Altgläubigen dieses hingehen ließen, um die allgemeine Feier nicht durch Störung zu unterbrechen; gewiß ein sehr anerkennungswerther Beweisvon Toleranz.. Was überhaupt den Gottesdienst in der neuen Synagoge betrifft,, rst derselbe so eingerichtet, daß jeder nach Andacht Strebende und zum Beten Eintretende in hohem Grade Befriedigung findet.. . 1001. —. Die Redaktion kann nichtumhin, diesem Privatschreiben noch hinzuzufügen, was der Hamb. Correspenden t über diesen Punkt enthielt:. „.Die von mehreren Blättern gegebene Nachricht, die Einweihung der neuen Synagoge zu Kassel betreffend, bedarf wesentlicher Berichtigung. So ist unter Andrem auch gesagt, daß die Anwesenden dem Gottesdienste unbedeckten Hauptes beigewohnt, und nur einige Altgläubige sich mit Käppchen bedeckt. Der wahre Thatbeftand aber ist,, daß einige Theilnehmer, glaubend,, daß der Gebrauch, dem Gottesdienste nur mit bedecktem Haupte beizuwohnen, nur auf den gewöhnlichen Gottesdienst, nicht aber auf außerordentliche Feierlichkeiten, wie die der Einweihung, Anwendung finde, aus Rücksicht gegen die sich zahlreich einstellenden höchsten und hohen Landesbehörden das Haupt entblößen zu müssen glaubten, und man sie, um keine Störung zu veranlassen, wahrend der Feier keines Besseren belehren konnte, was indeß spater geschah, und natürlich befolgt wurde. Was von sonst vorkommendec Lieblosigkeit erzählt wird, ist ebenfalls entstellt, und vereinte sich vielleicht Alles dahin, die Feier, sowol ihrem inneren als äußeren Werthe nach, zu einer der würdevollsten und feierlichsten ihrer Art zu machen." Würz bürg, 5. Sept. (Prkvatmitth.) Ich habe Ihnen bis jetzt in Betreff des Projektes, Bamberger zum Rabbinen allhier zu stempeln, nichts gemeldet, weil mich dieses weder überraschte noch beunruhigte. Letzteres nicht, weit ich wußte, daß dieser die Prüfung nicht erstehen kann, und im Fall er eine Note erhalten würde, auch polnische Rabbinen in Baiern auf Anstellung rechnen dürfen. Derselbe hat ja nie etwas studirt, sich sogar eidlich'verpflichtet, nie zu siudiren, und ist der Mann nicht, der seinen Eid bricht. Zwar hat er sich einige gedruckte Predigten gekauft und wohl auch gelesen und abgeschrieben, aber das müßte eine sonderbare Prüfungscommission sein, die sich durch solche Kunstgriffe blenden ließe. Meine Vermuthung hat mich auch nicht betrogen. Die Examinatoren (zwei Professoren der hiesigen Universität: Di-. Fröhlich, der berühmte Musiker, und vr. Rens, Orientalist) haben ihm keine Note gegeben und die Arbeiten dem Ministerium vorgelegt, von welchem sie wieder mit der Weisung zurückgekömmen ist, sie hatten darüber zu urtheilen. Wie dieses aussatten wird, ist keinem Zweifel ausgesetzt. Jemand, der die Prüfungsarbeiten gesehen haben will, äußerte hierüber: „Herr Bamberger solle doch wohl die Elementarschule besuchen und Lesen und Schreiben lernen, ehe er Rabbine werden will; es müsse sich gar sonderbar ausnehmen, wenn er als Vorstand der Religionsschule die Frage an einen Schüler stellte: „was macht das Kind in die Schule?" und das in der Sprachlehre unterrichtete Kind antwortete naiv: „die Artigkeit verbietet mir das zu sagen;" es müsse sehr spaßhaft sein, wenn der Herr Geistliche fragt: „Wer muß dem lieben Gott an bieten?" und das Kind wirre so klug, zu antworten: „wer ihm etwas verkaufenwill." Einen solchen Mann anzustellen, in der Kreishauptstadt anstellen zu wollen, känn unserer Kreisregierung nimmermehr in den. Sinn kommen. Indessen darf sich Herr Bamberg'er was einbilden:, während 40—50 Kandidaten so lange vergebens aus Besetzung der Stellen warten mußten, wartet jetzt die Besetzung, bis sich entschieden hat, ob man ihn brauchen kann oder nicht. Was das Glück nicht thut!' —. Die hiesige Synagoge ist ihrer Vollendung nahe, wird aber nicht eingeweiht — so sagen Einige — dis auch ein Rabbine angestellt ist.. Preußen. Posen, 1-5. Sept. sPrivatmitthH Sie ertauben mir wohl,, bei Gelegenheit des Lowositz'schen Schriftchens über „Rabbinenwalfl" einige Worte zu sagen, da der Gegen-