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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-09-28 · Heft 91 (28.9.1839) · p. Seite 499

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 91 (28.9.1839)
Date
1839-09-28
Page
Seite 499 (sequence 11)
Language
German
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499 oder selbst die Laken über den gesunden und kranken Zusiand d'es"*Menschen öffentlich belehren zu muffen. Nicht so aber der Seelenarzt oder bestellter Volkslehrer. Ihm liegt es als Amtspflicht ob, die Menschen auf sich selbst in sittlicher Hinsicht aufmerksam zu machen, ihnen die gewöhnlichen Seelenkrankheiten nebst ihren unheilbringenden Folgen in Erinnerung zu bringen> und diesen Spiegel ihnen so oft und so länge vor Augen zu halten, bis sie ihr eigenes Bild darin erkennen, sich davor entsetzen, und die nöthigen Heilmittel entweder selbst aufsuchen, oderbei Seelenarzneikündkgen sich darüber Raths erholen." „Er muß die Laien verständigen, daß der gesunde Seelenzustand überhaupt darin bestehet, wenn der Mensch immer in der richtigen Mitte, gleichweit von beiden Extremen sich erhalte, und daß, jemehr ein Mensch sich einem oder dem andern Exttörüe nähert, um so mehr seine Seele an Gesundheit ab - und an Krankheit zunehme. So z. B. ist vernünftige Freigebigkeit die richtige Mitte zwischen Kargheit und Verschwendung/ Der Muth stehet in der Mitte zwischen tollkühner Verwegenheit und weibischer Zaghaftigkeit. Die Ehrliebe zwischen der Ehrsucht und der Niederträchtigkeit. Die Gelassenheit zwischen dem leidenschaftlichen Aufbräusen.und der.stupiden Indolenz. Um nun zu dieser Mittelstrgße, gelangen und darauf sich zu erhalten, bedarf es einer großen Aufmerksamkeit des Menschen auf sich selbst und ein anhaltendes Gewöhnen. Denn aufHas Hinneigen zu einem'Extreme hat nicht nur das Begehrungsvecmögen und die <- freie. Wahl Mein Einfluß, sondern oft wirken darauf zugleich Temperament, Klima, Erziehung, Beispiel und noch andere Umstande sehr kräftig ein." - „Bekennt nün ein Seelenkranker dem Seetenarzte seinen krankhaften Zustand, oder bemerkt der Seelenarzt ihn selbst, oder hat ihn jemand darauf aufmerksam gemacht, so bestehet die.Hauptkur darin, daß der Kranke von dem Extreme, in dem er ausschweift, wieder in die richtige Mitte zurück geführt werde. Oft wenn die Krankheit allzu heftig ist, muß der Seelenarzt seinen Kranken sogar auf ein diesem schädlichen Extreme entgegengesetztes Extrem hinleiten, um von da erst ihn zur richtigen Mitte 'hinzuführen. So muß z. B. der Geizige oft, um ihn von diesem Laster zu entwöhnen, selbst zu einer Act von Verschwendung verhalten, und von da erst zu Freigebigkeit, als die richtige Mitte zwischen Geiz und Verschwendung zurückgefühct werden, weil es immer leichter ist, einen Verschwender als einen Geizigen zur vernünftigen Freigebigkeit zu gewöhnen. — Zu diesem Allem aber gehört viel theoretische und praktische Seelenkunde, ohne welche der Seelenarzt selbst die richtige Mitte nicht finden, viel weniger Andere darauf hinleiten und erhalten' kann." — C o r r e s p o n d e tt z e tt. Aus Mahren. Stimme n aus M ä h r e n. . (Erster Artikel.) Sie kennen „Herr-Redakteur, die politischen Verhältnisse der mährischen Israeliten; Sie rvipen, das; diese noch einer bestimmten Familienzahl unterstellt sind, über die sie sich nicht vermehren dürfen, auch ist bereits von wackrer Handeln No. 46 und 49 des I. 1833 ein Gemälde der allgemeincn'Verhältnisse der mährischen Juden gezeichnet worden. Um so wirksamer muß e6, um so wichtiger wird es für die. israelstischen .Bewohner dieses Landes sein, die Ansichten eineWW wärmer Liebs' den-Zuständen seiner Glaubensgenopen ergeb'cye.n-.Mannes über die Verhältnisse der Lokalitäten zu verneyiM^WseU Scheck es ist, das Gute zu würdigen, und das ' Mit wahrhafter 'Rührung habe ich in diesem Lande, bei den Umschränkungen des bürgerlichen Lebens überall die Keime und Blüthen einer veredelten Pflanzung Hervorbrechen und pflegen sehen. Nicht,wieän^Landern-, -wo-eine-'Ueberbildung alle echte religiöse BilVung^vcrschlingt.Mdl erdrückt, sieht man hier viele Hunderte von-'Märrnrrni-ällM Orten'die Veredlung unsrer Zustande innerhalb des-echtechWüöenthums zu ihrem Lebenszwecke machen, und unverLMssechÄM^Hindernisse aus dem Wege räumen. Lassen Sie mich^'nachi meinem Plane, nach dieser allgemeinen Bemerkung zu . Einzelnem, übergehen.. Lriesch zählt hundert jüdische Familien. Ob der größere oder kleinere Lhstl chch'W. Mammons'erfreut, ist leicht zu errathen. Wie überallTMMuR mit'dem Talmud, ich sah die Söhne der Emporgekvmmenen, und siehe deren waren nur wenige. Bewundernswürdig aber ist, was hier, für die geistige und wissenschaftliche Bildung der Jugend geschieht und verwendet wird. Mit welch'^ unglaublichem Kostenaufwande und rastlosem Streben selbst der ärmste, gemeinste und niedrigste der Gemeinde-die Erziehung und Bildung seiner Kinder-zu bestreiten, zu; befördern sucht! Aqrglich. nähren sich hier die armen Eltern die'Woche hindurch, uui^M7schweiß belasteten schweren Preis Jhrer-Mühe und Sorgen .de'm.Whl'er ihrer Kinder zuwcnden zu können-, und schön und herrlich gesittet und. gebildet. blüht auch, die Jugend hier heran, mit Wissen! und Kenntniß-sür das Leben.gerüstet. Neh- .nien Sieesssa nicht, für Uebertrcibung! buchstäblich stst's. so.! und dieser einzige. Zug verhient's schon, als Norm und Muster anerkannt,' der O essen rlichkeit übergeben zu werden. Nehmt meinen freundlichsten Gruß, Ihr edlen frommen Seelen! warlich der Niedrigste unter Euch erscheint mir achtungswürdiger, als mancher viel genannte Besitzer eines großen Rcichthums, in großen' Städten! Ihr habt mir.so manche. Stunde süßer Rührung und freudiger Wehmut!) geschaffen und — ich danke Euch! — Der slnterncht wird hier.-blos durch Privat- und Hauslehrer geleitet, die abe.r^b,einahe.sämmtlich wissenschaftlich gebildete Männer, sind, welches, bei obb'esägter Sorgfalt hiesiger Eltern nur voraüszusetzen ist. Eine öffentliche, alle Gegenstände des Unterrichts in sich vereinende und umfassende Schule e.ristirt hier noch nicht und — mag es in der Zufriedenheit mit den braven Hauslehrern, in der Verschiedenheit der Ansichten, oder, sonst wo liegen, eS kam noch ni.e zur Sprache,, und wird auch nicht daran gedacht, wird auch nicht eher daran gedacht werden —bis — wie anderöwo — die Anregung hiezu von Oben ausgchen wird. Jedoch besteht hier, dem alten, von Josephen, s. A.. konstituirten Landesgesetze gemäß, eine Normalschule für einige Stunden des Tages, die ihrem Zwecke nach wohlorganisirt von dem Herrn S. Fischer, ei-

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