Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 91 (28.9.1839)
- Date
- 1839-09-28
- Page
- Seite 498 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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498 so herabgewürdkget Werden, daß jeder gebildete Mensch sich ihrer schämt, und in den besser eingerichteten Synagogen, selbst bei dem Aufruf zur Vorlesung der Tora beseitiget worden sind. — Wir hatten keinen Doktor Aristobulus, keinen Doktor Philo, keinen Doktor Maimuni, Aldo, Kandia, Spinoza, Mendelssohn, Salomon Maimon, und wie sonst die Sterne der ersten Größe heißen, welche an dem jüdisch-philosophischen Horizonte in der alten, Mittlern und jüngst vergangenen Zeit glanzten. Diese großen Männer waren keine Doktoren, aber — Gelehrte. . Wahrlich! der Rabbinats- oder Predigeramts-Candidat hat in der Zeit zwischen , der Beendigung .seiner Universitätsstudien, .und dem Antritte seines Amts, weit wichtigere und nothwendigere Geschäfte, als mit der Vorbereitung zu den rigorosen Prüfungen für,.d^s Doktorat sich, zu .befassen. Er muß als. Theolog überhaupt mit . der Bibel im Extenso und mit ihren jüdisHe^ Commentapen, so wie als Prediger, mit der Homiletik , und ihren Disciplinen sich genau bekannt machen. Vorzüglich, aber muß er als . jüdisch er Theolog,, das heißt als Konsulent., über "NL2 und sich! bestreben, wenn auchnicht im .ganzen Talmud, doch in einigen Traktaten desselben, die sich über jene Collisionsfälle aussprachen , welche dem Rabbiner gewöhnlich zur Entscheidung vorgelegt, zu werden pflegen, als z. B. WNVL, und zum Theil auch und ‘j-'taa sich gründliche Kenntnisse zu erwerben, welche er weder vor dem Eintritte in den Schulen, weil er damals zu jung war, und um so weniger wahrend seiner Studienjahre zu erlangen Gelegenheit und Muße hatte. — Hat nun ein Candidat in dieser Zwischenzeit diesen. Forderungen allen, wozu er mehrere Jahre bedarf, vollkommen Genüge geleistet, so wird dann sicher niemarid es ihm verargen, wenn er bei mehrerer Muße Ln den Tiefen der philosophischen Disciplinen weiter eindringt, 'und zu seiner eigenen Üeberzeügung, dH er' sich' '.dMn ÄerbÄkomckdeL^Hat,' ' M rigdrosen'P'rüfüngcn *irn.t/ iinb fo ftd> ein Doktordiplom erwirbt. .,.,A,u-m.-Schlusse noch einige Worte^ über die nothwendige Welt,- und 'Menschenkenntnis, welche Maimuni von einem Volkslehrer, als G.ewissensrath, oder wie er ihn nennet, S e e l e.n a.rz t .DD-d. -rsiii,. fordert, und hierüber in seinen N21721P ,. welches, ich hier in einer freien Uebersetzung gebe, sich äußert. - . ,>So wie der Körper, so lange sein Organismus kn gehöriger Ordnung sich befindet, gesund ist, wenn aber dieser gestört wird in einen krankhaften Zustand übergehet; eben diese Bewandtm'ß hat es auch mit der Seele. Der gesunde Zustand der Seele bestehet darin: daß sie sich dem Sittengesetze gemäß verhalte. Weicht sie aber davon ab, so geräth sie in einen kranken Zustand. Der T^ieb, dem .Sittengesetze gemäß zu handeln, oder es zu vernachüsssigen, liegt hauptsächlich .in dem Begehrungsvermögen oder dem Willen. Da aber auch die Vernunft darauf Einfluß hat, so liegt dieser Trieb großen Theils auch in derselben, und richtet sich nach dem Grade ihrer Ausbildung, denn in der nährenden oder empfindenden Kraft kann er so wenig seinen Grund haben, als in der Phantasie, weil beide nicht so wie der Wille oder die Vernunft freiwillig, sondern ohne Wahl des Menschen, ja selbst während des Schlafs wirken." „Der gesunde Zustand' der Seele, bestehet also in demdaß sie ihre Funktionen nach Recht und Gebühr verrichtet. Es gibt aber auch Falle, wo -die Seele wie der Körper in einen abnormen Zustand gerath, und dann ist sie krank. So wie der Körper in krankhaftem Zustand manchmal das Bittere süß, und das Süße bitter schmeckt, und oft auch nach Sachen gelüstet, die ihm sehr schädlich sind, eben so gehet es der Seele in ihrem abnormen Zustande. Sie halt oft das Böse für gut,..oder das Gute für böse, gelüftet nach Dingen, die ihr schädlich sind, .und verwirft das was ihr zuträglich ist." „So wie nun bei Krankheiten des Körpers es nothwendig ist, sich an einen vernünftigen Arzt zu wenden, ihn mit der Krankheit des Leidenden bekannt zu machen, alle seine Vorschriften genau zu befolgen, und auch die widrigsten Arzneimittel auf sein Anrathen zu sich zu nehmen; eben so müssen moralisch Kranke an einen Gewissensrath als Seelenarzt sich verwenden, ihn mit ihrem abnormen Seelenzustand bekannt machen, und er muß den Sitz der Krankheit erforschen, und zugleich die Mittel zur. Hebung und radikaler Heilung dieser Seelenkrankheitvorfchreiben, welche i Vorschriften von dem Kranken, will er wirklich genesen, genau'und pünktliche befolgt werden müssen." „Es gibt aber auch Seelenkranke, wie es auch Körperkranke gibt, welche ihre Krankheit nicht 'einmal wahrnehmen, und sich für vollkommen gesund halten; oder Äe sich zwar krank fühlen,'aber ihre Heilung vernachlässigen/ oder sich von ungeschickten Seelenärzten' behandeln lassen. Diese müssen unfehlbar zu Grunde gehen. Daher sagt Salomo (Spr. 12, 15): „der Thor halt seinen Weg für den besten, und der Weise gibt gutem Rath Gehör." Dann (das. 14, 12): „Mancher glaubt er sei auf dem rechtem Weg, indeß ec am Ende zum Tode führt." „Dem Seelenarzte aber liegt noch eine Pflicht mehr ob als dem Korperarzte. Dieser hat gewöhnlich nur dann einzuschreiten, wenn er um Rath gefragt wird, ohne daß ihm die Pflicht gebietet, Jedermann seinen Rath aufzudrkngen.