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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-09-28 · Heft 91 (28.9.1839) · p. Seite 491

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 91 (28.9.1839)
Date
1839-09-28
Page
Seite 491 (sequence 3)
Language
German
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491 schiffen, bis man zu Haus und festem Laden kommt, oder man betreibt ein, zwei, drei Gewerbe, je nachdem man zu dem hier erlernten unterwegs noch von anderen proftnrt hat. Der Deutsche ist in Amerika als Arbeiter gern gesehen, der deutsche Jude wird jedem anderen vorgezogen. Also: Aussichtslosigkeit daheim, sichere Zukunft in der Fremde, nicht Druck und Verfolgung der einen oder anderen Art, führen den baierischen Israeliten zum Wanderstab." —. Man sieht diesem Artikel sehr leicht die Halbheit an. Gern möchte der Abfasser den Gegenstand zum Spotte herabziehen — da es doch wohl das traurigste ist, sich durch alle Verhältnisse gezwungen zu sehen, seine Heimath, sein Vaterland zu verlassen, um in entlegener Ferne einem ungewissen Loose entgegenzugehen. Dennoch aber kann er die Wahrheit nicht ganz entstellen. Ec spricht von Konscription, aber hat es sich je in Preußen gezeigt, daß ein Jude, um nicht Soldat zu werden, sein Vaterland verlassen hat'i Eitle Lüge! Wir sagen noch einmal, nur die Unmöglichkeit, sich zu etabliren, weil ihm dies das Matrikelgesetz' nicht gestattet, und die in neuerer Zeit wieder den Juden aufeclegten schweren Lasten der Standesherren ff. treiben den Ju^ den aus seinem Vaterlande, dem er so anhängig ist, wie Einer, das er liebt, wie Einer! Leipzig, 15. Sept. (Privatmktth.) In dem ss eben, erschienenen „Verzeichnis der im Winterhalbjahre 1839 auf der Universität Leipzig zu haltenden Vorlesungen" sind auch S. 2 u. 5 die Vorlesungen aufgefühct, welche der Dr. I. Fürst, der somit als Lektor habilitict ist, halt, nämlich 1) aramaische Grammatik und Erklärung auserlesener Stücke seiner aramaischen Chrestomathie viermal, 2) Erklärung der neuhebräischen Gnomensammlung zweimal, 3) Geschichte der Juden von der Zerstörung Jerusalems an, zweimal in der Woche. Wie sehr gereicht es uns zur Freude, diesen abermaligen glänzenden Beweis der Duldung unsrer erleuchteten Regierung heranbringen zu können, welcher aber eben so sehr für den Geist des akademischen Senats zu Leipzig spricht. Möchte doch dies Beispiel aller Orten Nachfolge finden! Preußen. Magdeburg, 12. Sept. (Prkvatmitth.) Sekt drei Jahren besteht hier ein israelitischer Frauen-Verein, der unter der Direktion der Damen Bertha Philippson und H. Morgenstern den besten Fortgang hat. Der Zweck des Vereins ist ein dreifacher, indem die Einnahme, aus festen Beiträgen von 2 Thlr. jährlich und freiwilligen Synagogenspenden bestehend, zu gleichen Theilen zur Unterstützung armer Familien, besonders Wittwen, zu Lehr- und Kostgeld für arme Mädchen, die zu einem bestimmten Nahrungszweige sich bilden wollen, und zur Unterstützung armer Braute verwendet wird. Der dritte Jahresbericht zeigt eine Einnahme von 472 Thlrn., Ausgabe von 109 Thlrn., so daß ein Bestand von 363 Thlrn. zurückblieb. Bei der sorgfältigen Verwaltung der Anstalt ist es zu wünschen, daß der Verein immer mehr Gönner und Förderer finde, und zu ununterbrochener Wirksamkeit immerfort befähigt bleibe. Königsberg, 4. Sept. (Leip. Allg. Zeit.) Vor Kurzem wurde ein hiesiger allgemein geachteter Kaufmann jüdischen Glaubens durch Majorität kn dem .Scrutknsum der berechtigten Wähler zum Stadtverordneten ernannt. Als dieser nun vorige Woche auf dem Rathhause der Stadtverordnetenversammlung, welche die Wahl der städtischen Deputirten zum bevorstehenden Landtage zum Zwecke hatte, in seiner Eigenschaft als Mitglied dieser Behörde beiwohnte, wurde ihm von dem Vorsitzenden eröffnet, daß Keinem, der nicht christlichen Glaubens sei, nach dem Gesetz Anwesenheit bei einer Versammlung zur Wahl der Landtagsdeputirten gestattet werden dürfte. Der besagte Kaufmann reichte unmittelbar nach diesem Vorfälle seine Dimission bei dem hiesigen Magistrat in dem folgenden Schreiben ein: „Zum Stadtverordneten erwählte mich das Vertrauen meiner Mitbürger. Deren Interesse in allen Fallen wahrzunehmen, ist meine Pflicht und mein Wille. Allen Verhandlungen der Versammlung beizuwohnen, ist mein Recht. Letzteres ist mir verkümmert, da ich meines Glaubens wegen von der Wahl der Landtagsdeputirten excludkrt wurde. Ist dieses Verfahren eine Folge höherer Bestimmung, so wäre es Pflicht der Stadtverordnetenversammlung, durch Protestation gegen ein solches Gesetz die Rechte ihrer Mitglieder zu wahren. Bis solches aber geschieht, gebe ich ein Ehrenamt auf, das unter diesen Umstanden aufhört, ein ehrenvolles zu sein." Filehoe, 11. Sept. (Prkvatmktth.) Die wohlthätigen Fortschritte im Gebiete des Judenthums, welche nicht nur in den meisten Gemeinden Deutschlands, sondern auch in vielen Orten des Gcoßherzogthums Posen immer mehr Platz greifen, geben sich auch in unserer Gemeinde zur wahrhaften Freude derer, die es mit dem Wohle Israels redlich meinen, auf eine sehr erfreuliche Art kund. Der Sinn für religiöse Bildung, für das Schöne und Gute, ist geweckt. Und gern bekennen wir es, daßhierzu der Oberlehrer und Rabbinats-Kandidat Herr Feldblum das Meiste beitragt, indem er eben so wol in der Schule für das Heil der Jugend gewissenhaft sorgt, als auch durch deutsche religiöse Vorträge an Sabbaten und Festen auf die religiöse Belehrung der Erwachsenen wirksam ist. Eine ganz vorzügliche Predigt hielt derselbe am ersten Rosch-haschana-Tage über den Zweck des Schofarblasens auf Pf. 89, 16. Diese Predigt wird auf allgemeines Verlange» dem Drucke übergeben. Möge dem Redner Dies zur weitern Anfeuerung dienen. W—n. J—n. Magdeburg, 15. Sept. (Prkvatmktth.) Am ersten Rosch-Haschana-Tage hielt der Dr. Philippson die Jobelpredigt zum Abschiede des fünfundfuoszigsten, zur Begrüßung des sechsundsunfzkgsten Jahrhunderts. Zum Texte diente ihm Jjob 8, 8. 9. und führte er den Jobelgedanken aus 1) in ruhiger Erwägung, wo er über die veränderten inneren und äußeren Verhältnisse Israels sprach, 2) in ergreifender Erörterung, 3) in erschütternder Betrachtung. — Am S. Teschuba hielt derselbe seine zweite Drascha, in der er in der Einleitung die schiefe und verworrene Stellung des Lehrers des Judenthüms in der Gegenwart besprach , alsdann das talmudische System über Buße und Versöhnung, und dessen Ausführung durch Rambam ('pmn t) darstellte, so wie schlüßlich die ethischen Grundsätze Rambam's

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