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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-09-28 · Heft 91 (28.9.1839) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 91 (28.9.1839)
Date
1839-09-28
Page
Seite 490 (sequence 2)
Language
German
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490 in unfetm Reiche das Geld nützlicher angewendet worden. Heilden Menschenfreunden,' die durch M Paar Groschen die gute Süchte ß heMi-ch Jefa't&m lAidM k- Man hat mir ekn Glied' der HäuptkoNsmissioN genannt, der sich besonders hierin hervorgethan, seine bekannte Bescheidenheit verbietet mir, seinen geachteten Namen bekannt zu machen. — Der Lehrer hat mir einige seiner Predigten vorgelesen. Sie sind meist aus fremdem Boden übertragen, aber sehr angemessen. Besonders sind seine Ansprachen bei einem Glaubensbekenntniß (Lar-un^va) würdevoll, worauf die Jünglinge, im Beisein aller Kolonisten, antworten. Bei meinem Aufenthalte hatte ich keinen andern Verdruß, als den, daß die Zeit mir nicht länger gestattete, mich bei diesen Kolonisten aufzuhalten; und vor Allem, daß die bedürftigen Israeliten in unserm Vaterlande, anstatt sich in dM großen Städten allem Elende der Armuth und Bettelei Preis zu geben. Nicht mehr Gebrauch machen von der Gelegenheit, welche in den freien Kolonien der Gesellschaft der Wohlthatigkeit so hinlänglich gegeben ist,, mit Jnachtnahme des väterlichen Gottesdienstes auf eine ehrbare Weise ihr Brod zu verdienen. Deutschland. Aus'Oberfranken, 12. Sept. (Priöatmitth.) Es tvär bereits mehrere Male in dieser Zeitung die Rede von dem nettern königl. Edikte in Bezug auf das Kniebeugen öet LandwehrlNanner bei Prozessionen und Kirchenparaden. Die Artikel darüber waren kräftig und gut, und blieben Üicht ganz unberücksichtigt, wie Ihnen Ihr Korrespondent aus München seiner Zeit Meldete. Um so mehr muß es Sie wundern, über das endliche Resultat noch Nichts erfährt zu haben. Ich verMuthete mit Vielen, daß etwas Offizielles von Seiten der Behörden erfolgen würde, und daher unterblieb bis jetzt der Bericht über diesen Gegenstand. Da diese Erwartung aber noch unerledigt ist, so theile ich Ihnen mit, was ich darüber weiß. Allerdings habe ich von keiner Seite in.Erfahrung gebracht, daß 6ie ült-orthodoxe Partei, die doch sonst mit Protestiren so schnell Ui der Hand ist, wo es,Juden selbst betrifft, irgendwo dagegen laut geworden, und ist dies ein schlimmes Zeichen, bb es wol ein reiner religiöser Eifer ist, der dieselbe meist leitet. Als aber beim Frohnleichnamsfefte in Bamberg der Befehl auch den israelitischen Landwehrmattnern zukam, zur Prozessidn zu erscheinen, ünd es zu spät war, die geeigneten Schritte bei der betreffenden Behörde zu machen, Kt bliebeN die Israeliten auf eigene Gefahr von der Ptözeffidn hinweg, da schon früher der Herr Rabbine Rvftttfeld in der Synagoge aufmerksam machte., wie Unrecht Zstaelittn handelten, solchen Prozessionen beizuwohnen. Nach dem Feste erhielten die israelitischen Landwehrmänner in Bamberg von der Kommandantschaft unter Androhung von Ärrestftraftn die Weisung, künftighin zu erscheinen, oder binnen acht Tagen ihre Erklärung abzugeben. Da am 12. Juli die in Bamberg übliche Kaiser Heinrichs-Prozession abgrhalten wird, so sahen sich die Israeliten genöthigt,. bald die geeigneten Schritte zu thun. Deßhalb gaben die Israelitischen Landwehrmänner ihre Erklärung dahin ab, daß es ihnen die Religion verböte, solchen Prozessionen beizuwohnen oder in der Kirche vor dem Kruzifixe zu knieen, was sie mit einem vom Herrn Rabbinen Rosenfeld ausgefertigten Atteste erhärteten, des Inhalts, es untersage die mosaische Religion dem Israeliten, irgend einem Wesen außer Gott, oder einem Bilde göttliche Ehre durch Kniebeugung und ähnliche Achtungsbezeugungen zu erweisen. Ueberdieß wendete sich R. Rosenfeld an den Rabbinen Hrn. Aub nach München, um zu erfahren, wie es dort gehalten werde. Die Antwort lautete, daß dort ebenfalls auf des Rabbinen Anmahnen die meisten israelitischen Landwehrmanner weggeblieben, nur einige waren leichtsinnig genug, der Prozession beizuwohnen; die Oberen hätten vom Ganzen keine weitere Notiz genommen. Da nun der 13. Juli herannahete, gingen mehrere israelitische Landwehrmanner in Bamberg zum Obersten, und baten ihn, sie vom Zuge zu befreien, und dieser war human genug, sie zu befreien und auch bei ferneren Paraden sollten sie vor der Kirche oder bevor die Kniebeugung Statt fände, austreten. So verblieb bisher die Sache, ohne daß darüber eine besondere Entscheidung höhererseits erfolgte. Wie es in Würzburg erging, wo von Seiten des Rabbinats (!?) keine Schritte geschahen, ist mir nicht bekannt. — München, 3. Sept. Die Leipz. Zeit, enthält von hier aus folgenden Artikel über die neueren Auswanderungen der Israeliten aus Baiern (— denn nach einer guten Privatmittheilung schätzt man die Zahl der in neueren Zeiten aus Baiern ausgewanderten Israeliten bereits auf 10,000 Seelen —): „Mehrere deutsche Blatter haben der Juden-Auswanderungen aus Deutschland, vorzugsweise aus Baiern, als einer interessanten Erscheinung gedacht, nirgends aber Gründe angeführt, welche das Volk Israel, ohne irgendwo sichtlich gedrängt zu werden, zum Auswandern treiben. Der jüdischen Jugend ist in Baiern Thür und Thor verschlossen. Vater und Mutter nähren sich und die Ihrigen entweder, nach dem Muster der Eltern von jeher, mit großem und kleinem Schacherhandel, oder stammen aus der Zeit, wo das Handwerklernen in der Nation üblich wurde, und bringen sich auf diese Weise durch. Was soll aus den Kindern werden? Ein Handwerk zu lernen, wird immer unthunlichec, weil die Meister immer seltener werden, welche mehr als einen Judenknaben, in die Lehre nehmen. Hat der Jude ausgelernt, so bleibt er Gesell sein Leben lang,' oder muß auf ein Judendorf ziehen. Nur der Großhändler hat für seine Söhne noch Aussicht; das Loos des Kramers wird das des Handwerksmannes; der Schacherhandel erstirbt aber mit Vater und Mutter, weil neue Patente nicht mehr ertheilt werden. Was studirt, ist mit wenigen Ausnahmen dem Hunger verfallen und selbst wer Hoffnung hatte, eine» eignen Heerd gründen zu können, sinder die größten Schwierigkeiten bei der Heirath. Die Konscription bleibt ein Dom in der Israeliten Auge. Wer mags dem Vater verdenken, wenn er verkauft und mit den Seinigen gehr? Den Aeltern schließen sich dann Hunderte von Brautpaaren, von Kandidaten und Doctoren, von KaufmannsdieNeen, Gesellen und arbeitslustigen Leuten aller Art an. Von Ankäufen in den nordamerikanifchen Wäldern, von Oekonomie-Gütern ü> dgl. ist natürlich nie die Rede. Man wird Kaufmann, d. h. treibt Handel in ewig wandernden Wagen und Dampf-

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