Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 91 (28.9.1839)
- Date
- 1839-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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sis. Jahrgang. Allgemeine No. 81. Zeitung des Zudenthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Ldr. Lrrdwig PHLlippsos, BarmrgärLners Brrchhmrdlmrg israelitischer Prediger in Magdeburg. zu Leipzig. (Mit Kd'nigk. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 28, September 1839. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. f. w.. umfassen. Zn Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungSerpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs, wohllöbl. ZeitnngS - Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Niederländische Kolonieen. Amsterdam, 3. Sept. (Pcivatmitth.) Ich übersende Ihnen hierbei einen Bericht über die freie Kolonie WillemsoorD, welchen der gestrige Nieuwe Amsterdamsche Courant oder Algemeene Handelsblad gab, und der des Interessanten über den Stand der Israeliten in dieser Kolonie Vieles enthalt. Ich machte mir, heißt es, die Gelegenheit zu Nutze, mich mit dem Lehrer, der zugleich Vorsänger und Prediger der israelitischen Bevölkerung der freien Kolonie Willemsoord ist, über alle die Punkte zu unterhalten, über welche ich mir Aufklärung verschaffen wollre. Das Kirchengebäude ist inwendig, geräumig, in Allem wie andere Synagogen, doch sehr zweckmäßig eingerichtet. Nur an der Seite ist ein Gerüst fOesloelte) angebracht, wo der Prediger an jedem Sabbat, eine Stunde vor dem Nachmittagsgebet, eine Predigt in niederländischer Sprache hält, welcher alle Kolonisten beiwohnen. Schade ist es, daß manche Bedürfnisse zum Gottesdienste nur auf eine spärliche Weise angeschafft werden konnten, und wäre es zu wünschen, daß keiche Gemeinden, oder Individuen, welche diese in Ueberfluß besitzen, jene hierin unterstützten! — Die Lehrerwohnung ist sehr einfach; das Bad ist so angemessen eingerichtet, wie es in wenigen Gemeinden getroffen wird. Insonders ist das Schullokal sehr geräumig und hell eingerichtet', mit zwölf Tafeln und festen Bänken, Bücherkasten u. dgl. Der Lehrer, Nehemla Salomon Jakobson, ist im Haag 1802 geboren; er ist bei der Provinzial-Schul- Kommiffion von Südholland am 11. Juli 1832, und bei der israelitischen Schul-Kommission von Nimwegen bereits am 8. Juni 1830 examinirt. Die Zwischenzeit dieser Prüfungen hatte Herr Jakobson zugebracht, um als Freiwilliger zur Vertheidigung des Vaterlandes mit so vielen Landes- und Glaubensgenossen auszuziehen; von seinem trefflichen Betragen hierbei zeugt die Medaille, daß er an den Kriegsvorfällen dieser Jahre auf eine für ihn sehr ehrenvolle Weise Theil genommen. Die Kolonie Willemsoord zahlt jetzt ungefähr 160 Haushaltungen, worunter 12 israelitische, die, durch die Güte des Herrn Direktors, meist dicht um ihr Kirch- und Schulgebäude wohnen. Diese 12 Haushaltungen bestehen aus 103 Seelen, von denen nicht weniger als 62 Kinder zur Schule gehen. Diese 62 Kinder habe ich alle mit der Farbe der Gesundheit getroffen; welch' herrliches Resultat in so kurzer Zeit! 44 Knaben und 18 Mädchen fand ich im ^Religionsunterrichte sehr bewandert. Bei den ' meisten Schülern sind allerdings noch Spuren früherer Verwahrlosung zu sehen, aber alle sind bereits so unterrichtet, wie sie es im jetzigen Zustande nur irgend' bedürfen. Solche Fortschritte sind seit April 1833, wo die Schule eröffnet wurde, gemacht worden. Sie lesen gut Hebräisch und Niederländisch, besonders die jüngsten Kinder, sie übersetzen den Pentateuch in's Niederländische recht gut, und sind mit der bibelschen Geschichte genau bekannt. Außerdem werden sie in den Elementen der hebräischen und niederländischen Sprache, im Schreiben 'und Rechnen, in der vaterländischen Geschichte, in den Ritualien und Gebetübersetzen unterrichtet. Besonders ward ich von dem trefflichen Gesang der Kinder tief gerührt. Eine sehr gute Methode trifft mit der be-. sondern Naturanlage der Kinder, in gutem Gehör und sauberer Stimme, und dem Fleiße des Lehrers zusammen. Die Hallelujah's klangen so melodiös, aus voller. Brust, daß mir die Thränen mehrmals von den Wangen rollten! Die Schulstunden sind so vertheilt, daß alle Kinder, selbst die welche früh auf den Fabriken arbeiten, am Unterricht Theil nehmen können. Einige Knaben sind besonders ausgezeichnet, und einer von ihnen, Jsak Pothuis ist durch die permanente Kommission als Gehülfe, gegen einige Bezahlung, angestellt. — Was auch diese Einrichtung gekostet haben mag, das kann man getrost annehmen, daß nirgend