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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-09-21 · Heft 90 (21.9.1839) · p. Seite 484

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 90 (21.9.1839)
Date
1839-09-21
Page
Seite 484 (sequence 12)
Language
German
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doch bei uns von jeher, vor Alters die Propheten, später die Darschanim, Mochichim und Dichter dieser Art Zurechtweisung durch Spott- und Strafreden sich mit der größten ÜngebüUvenheit bedient. Man sehe z. B. das Gedicht “PS!"? von R. Abraham ben Ezra, Tachkemoni Abschnitt 46, ^2^>2?2 von Ben Palkira, ",N12 pK von R. Kalonymus u. dcrgl. ni. Ungleich mehr Schriften dieser Art haben chie Literaturen anderer gebildeter Nationen aufzuwcisen, und um nur ein bekanntes Beispiel aus einer uns nahe liegenden Zeit anzuführcn, nennen wir die „Lettres persans,“ worin alle Klagen der Gesellschaft hart, fast schonungslos mitgenommen werden, und wer mird's wol wagen, dem edlen, hochmoralischen und patriotischen Montesquieu deßhalb Liebe zur Menschheit und zu seiner Nation abzusprechen'! Und wahrlich nur jämmerlicher Krämergeist, der Alles mißt nach der Elle seines Interesses, der überall Anschläge wittert, seinen Kredit zu brechen und seinen armseligen Kram in Verruf zu bringen, — wahrlich nur dieser konnte in seiner Vornirtheil in dem £2 eine Denunciation erblicken, und man sieht dem Brodyer Schreiber die Angst und die Eile an, womit er diese seine scharfsinnige Entdeckung (Allg. Zein d. Jud. Ul. Jg. No. 12, S. 46) der Welt zu offenbaren sucht. Daö ganze Schreiben hat das Gepräge eines kläglichen Pasquills, voll Unrichtigkeiten, absichtlicher Verdrehungen und falscher Beschuldigungen. Wir würden dem Schreiber gerne die Freude an seinem Schreiben unverkümmert lasten, wenn nicht der Name und die Ehre des allgemein geachteten Herrn BerfasterS, ja der Name und die Ehre unseres Volkes dabei so tief betheiliger waren. Diese Rücksichten zwingen unS auf einige Punkte des erwähnten Schreibens näher 'cinzugchen. Wir haben bereits oben all die Eigcnthümlichkeiten der beiden Werke L2U und £2 und auch andere Umstände hervor gehoben, welche die Hierlands ohnehin zur Genüge bekannte Identität ihrer Verfasser ganz außer Zweifel fetzen. Unstreitig war diese auch unserm namenlosen Schreiber bekannt; und ein plumper Kniff ist eS bloß, wenn er den. rühmlichst bekannten Schuldirektor Joseph Perl als Verfasser des "012, den des 2£2 aber einen Anonymus nennt. Er getraucre sich nämlich nicht, einen so allgemein verehrten Namen mit seinem Geifer zu besudeln, wohlwissend, daß dann die Schmach auf sein eigenes Haupt zurückfallen würde; aber einem Anonymus gegenüber, meinte er, dürfe er sich Alles ungestraft erlauben. Bewundernswertl) ist der Scharfsinn, mit welchem der Brodyer Schreiber die Tendenz deö da aufgefaßt, welcher nach ihm nur „die Lächerlichkeiten dieser Sekte zu veranschaulichen sucht." Wer den Verfasser» deö da kennt und den da mit offenen Augen liest, muß bekennen, daß cs keineswegs in des Verfassers Absicht gelegen, bloß die Lächerlichkeiten der Sekrc anschaulich zu . machen. Oder sind etwa dem Brodycr Corresvondei.ten Laster, verderbliche Grundsätze gleichbedeutend mit Lächerlichkeiten? Dann bedauern wir ihn sehr. — Denn nur jene sind es, welche der Verfasser des da als der Menschheit verderblich, und dem reinen Judcnrbum den Untergang drohend, in ihrer ganzen nackten Abscheulichkeit darzustellcn, sich zur Aufgabe machte. ^Er-kannte aber sein Lese-Publikum; er wußte, wie sehr diesem durch den mächtigen Einfluß des ChasidäiSmus, durch dessen im.Reich deö Wunder- und Aberglaubens sich bewegende Literatur aller Sinn, alle Ernpfanglichkeir für ernste Wahrheiten erstorben find; er mußte daher zur Laune, zur Ironie feine Zuflucht nehmen, und muthmillig scherzen und lächeln, während ihm, wir wissen cs bcstimmr, sein Herz dabei blutete. Er konnte freilich nicht darauf rechnen, daß manche seiner Leser, cs wie die naschhaften Kinder machen würden, die an der ihnen gereichten überzuckerten Medizin den Zucker ablecken, das Heilmittel aber unberührt lassen. Der Brodyer Correspondent gibt dem dh Schuld, die ganzel jüdische Bevölkerung Galiziens, infondcrS Brody'S insultirt zui haben. Wir. glauben durch die oben citimn Stellen die G^und^ losigkcit dieser Beschuldigung zur Genüge dargethan zu haben. Und namentlich in Bezug auf die Brodycr Gemeinde, wissen wir wahrlich nicht, welches größere Lob man einer Gemeinde crtheilen kann, als das, welches ihr der d2 in der obangcführten Stelle (Brief 13, S. 58) fo reichlich/spendet. — Auch wird ins £2 an mehreren Orten alle Schuld mit Recht dem ChasidäiSmus zugeschrieben und dieser als die einzige Quelle aller Corruption und aller Zerrüttung im Judcnthum bezeichnet. Uebrigens.'will ja der d2 nicht etwa behaupten, daß die gerügten Gebrechen ausschließlich den Brodyer Juden ankleben. Wir lesen (S. 64) „Aber glaube ja nicht etwa, daß nur hier sich dergleichen Leute befinden u. f. w." Und um sich gegen den Vorwurf zu verwahren, als habe er cö auf eine Beleidigung seiner Brodyer Brüder abgesehen, führt der Verfasser weiter den Grund an, warum er seine Rügen aus Brody datirt: „Nur weil ich hier jetzt nichts zu rhun habe," ferner „auch finden sich hier Leute aus allen Klassen in größerer Anzahl, als in einer andern Stadt." Daß aber alle Mitglieder einer so zahlreichen Gemeinde ganz makellos fein sollen, wird man doch wol Niemanden glauben machen wollen. — Hält man die oben über die höchst lobenswerthe Tendenz , des dd aufgestellte Ansicht fest, so würde man nach dem Sinne deS Brody'cr Schreibers die Bücher unserer heiliger Propheten mit gleicher Berechtigung wie den dh Libelle und Denunziationen nennen können. Vornehmlich giltdieß von dem Propheten Jesaja, der gleich in dem ersten Kapitel, um mit. dem Brodyer Schreiber zu reden, „sich erdreistet, die ganze jüdische Bevölkerung Palästina'S, insonders Jcrusalm'S auf die, empörendste Weise zu insultiren, ihr die gröbsten Laster aufzubürdcn und sie öffentlich zu denunziren." Ja dieser göttliche Prophet verdiente nach ihm einen noch weit fchimpflichern Namen, als Schmahfchreiber, Libellist und dgl., da er gar keine Ausnahme macht, während doch'der dh solche überall zugestchet. Auch der Talmud hat auf die vom Brody'er Schreiber in einem Anfalle von Großmuth dem Verfasser des £"2 verliehenen Ehrentitel einen gegründeten Anspruch, indem er, (Baba batra165, a) sagt: Ihre Mehrheit ist der Raubsucht, ihre Minderheit der Unzucht, und ihre Gesamnrtheit-der Verleumdung ergeben." (Schluß folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen I Gr. Gebühren für die gespaltene Zeit« aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Berlagshandlung. Anzeige. In Königsberg erscheint in den nächsten Tagen: Das neue, stebenundfunfzigste Jahrhundert der Welt.. Eine Denkschrift an alle vernunftglaubi, gen Israeliten von Dr. M. Freystadt.

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