Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-09-21 · Heft 90 (21.9.1839) · p. Seite 478

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 90 (21.9.1839)
Date
1839-09-21
Page
Seite 478 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225013-3225104--02156-3234722
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

478 Kräften aufgethan, und den Schauplatz des Lebens betteten hat, wo sie ihres Zieles kaum noch bewußt geworden, und die ersten Erfolge nur erst das Streben nach weiteren erweckten: da ist kein Stillstand möglich, es muß vorwärts geschritten werden! So ist die Emancipation der Juden keines Rückschrittes und keines Stillstandes fähig, sie muß ihrem Ziele unausgesetzt nachstreben, und die Reise um die Welt machen. Und da träumen wir uns gern und freudig in eine Zeit vollständiger Befreiung unsrer Glaubensgenossen hinein. Mag sie fern oder nahe sein, wir sahen, sie muß kommen, und so tritt sie vor unsre Seele, und füllt diese mit freudigen Schauern. Ja, dies ist die Zeit, wo der Name Jude aufgehört hat, einen geknechteten, niedergetretenen, umbauet um seines Glaubens willen , um eines Glaubens willen, der seit vier Jahrtausenden sich das Bürgerrecht auf Erden erworben, es eigentlich aus der Hand der Gottheit selbst empfangen. Dies ist die Zeit, wo die Menschen nicht um ihrer Gottes Verehrung, sondern um ihrer Entsittlichung nur verstoßen und verachtet werden. Dies ist die Zeit, wo dem Verdienste und der Anstrengung, aus welcher Menschenklasse, aus welcher Glaubenslehre sie auch fließen, der Eingang geöffnet ist in die Gesellschaft, geebnet der Raum, zur vollpulsigen Entfaltung seiner Kräfte. Dies ist die Zeit..... Kann, fragen wir uns ferner, die lebendige Bewegung des Judenthums, rückwärtsschreiten? Kann, nachdem es herausgetreten aus dem starren Schlummer, der es ein Jahrhundert und mehr befangen, und zum Leben erwacht ist, kann es wieder zurückgedrängt werden auf den Jsolirschemmel, wo höchstens bei einer starken Berührung Funken hervorsprühen? kann es sich wieder abschließen von der Theilnahme der Weltverhältnisse und Weltbildung, von der Einwirkung in das Leben der Menschheit, und dem Empfangen aus dem Leben der Menschheit? kann es sich wieder hineinbannen in eine bewußtlose, ekngeschnürte Existenz, mit versteinten Nerven und verknöcherten Muskeln? Nein! das Judenthum hat begonnen, nach Bewußtsein zu ringen; es hat begonnen, seine inneren, unversiegbaren Schatze wieder emporzuheben, und bei den Lichtstrahlen der Zeit auszubreiten, auseinanderzulegen, abzuschleifen; es hat begonnen, seine Grundstoffe in einen neuen Prozeß zu bringen zu neuen Gestaltungen, zu glänzenden Produkten, zu veredelter Formgebung! Da ist kein Stillstand und kein Rückschritt möglich, es muß seine Bahn verfolgen, es muß feine Aufgabe lösen, seinen Beruf erfüllen! Und da träumen wir uns gern und willig hinein in «ine Zeit, wo das Judmthum sich von seinen Schlacken, von seinem Roste, die ihm einige Zeiten angesetzt, gänzlich gereinigt hat; wo es als ein Heller Edelstein auf der Krone der Wahrheit und Erkenntniß strahlet. Wir sahen, dahin eilt es, davon kann es nicht zurückgehalten werden; mögen Viele Bannformeln flüstern. Viele den alten Zauberruf aussprechen,: nur eine kurze Zeit stehet man ihnen. Das ist dann eine Zeit, wo das Judenthum die Lehre des einigen Gottes und der Menschengleichheit, und das Gesetz des Strebens nach Gott und das von diesem Bedingte in ihrer ganzen Klarheit und Bestimmtheit ausspricht. Das die Zeit, wo Israel als der ewige Träger *und Verkündiger Dieser dastehet, und alle seine Schaacen hiezu geistig versammelt hat. Dies die Zeit, wo göttliche Offenbarung und menschliche Weisheit durch und in Israel vollkommen einig geworden, und sich zur höchsten Stufe der freien Sittlichkeit erhoben. Dies die Zeit, wo alle Fragen der Menschheit aufgegangen in die einzige, einige, an und mit Gott sein.- Freilich lieget ba bä$ verflossene und das beginnende Jahrhundert weit hinter uns, freilich haben wir ba schon einen Gipfel erstiegen, eine Höhe, an deren Fuße wir noch umhecklimmen. Aber wir sagen uns noch einmal: wir haben angefangen emporzustekgen, wir haben die Höhe ersteigbar gemacht, und ein tiefes Drangen treibt uns hinauf — müssen wir nicht zum Ziele eilen? (Fortsetzung folgt.) Th-ologi o. Ritus der Synagoge von Avignon, beschrieben von »r. Zunz, in Berlin. (Fortsetzung.) Gleich auf 1) Jose den Jose, der mit dem schonen Seder ifibK Vbrt» (Musaf am zweiten Neujahrstage) die Reihe der Dichter eröffnet (vgl. meine Analekten No. 1), folgt 2) Salomo Gabirol, der jenen Seder gekannt zu haben scheint, als er den seinigen (für den ersten Tags ausarbeitete, weil derselbe bei ganz gleichem Bau zugleich kürzer und reicher und gereimt ist, was bei jenem nicht statksindet. Nie aber hat in solchem Falle der Spatere einen Vorzug an den Arbeiten des Frühem abgewiesen, vielmehr zu übertreffen-gesucht. Man vergleiche:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.