Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 90 (21.9.1839)
- Date
- 1839-09-21
- Page
- Seite 477 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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477 des Textes und zur Begründung unsrer Uebersetzung nothwendig ist: so ist es dennoch sein voller Zweck, namentlich in den poetischen und prophetischen Theilen bec heil. Schrift die Färbung der Sprache zu beleuchten, ihre Form zu betrachten, und die Eigenthümlichkeit ihrer Ausdrücke und Wendungen bemerkbar zu machen. Wir geben aber hierbei zu bemerken, daß wir' den in neuerer Zeit oft betretenen Weg, Vergleiche aus dem Gebiete der klassischen und modernen Sprachen heranzubringen, vermieden haben, sondern allein die Bibelsprüche aus der Bibel erklären, und die Entwickelung der hebräischen Poesie in sich, wie sie selbst nie kn Berührung mit der andrer Völker trat, verfolgen. 6) Allgemeines. In Schlußbetrachtungen zu den einzelnen Theilen der heiligen Schriften, und in allgemeinen Einleitungen zu den Hauptparthien der heiligen Schrift haben wir den Charakter, Hauptinhaltdie Stellung und die Erfolge derselben besprochen, so wie auch eine gedrängte Geschichte ihrer Kritik, Exegese und Literatur gegeben. — Um den Kommentar für das allgemeine Publikum genießbarer zu machen, haben wir.jede Ueberladung von Citaten, die dem Forscher doch nicht entgehen können, vermieden; nur in der Hin- und Zurückweisung auf die heilige Schrift selbst waren wir möglichst vollständig. — Indem uns so ein jeder Einsichtsvolle im Voraus ein klares Bewußtsein und treue Gewissenhaftigkeit über unsere Leistungen nicht absprechen wird, übergeben wir diese gern der nähern Prüfung. Wir ersuchen aber im Voraus, sich nur nach Vollendung größerer Parthien ein Urtheil fest zu stellen. In dem Vollgefühl, daß nichts Menschliches vollkommen, daß nichts Menschliches sein Ideal erreicht, daß aber die Anstrengung aller Kräfte ein Anrecht auf wohlwollendes Entgegenkommen giebt, werden wir in einem nächsten Artikel über die Bestimmung und Resultate dieses Bibelwerkes ein Vorläufiges sprechen. Das neue Jahrhundert. Dritter Artikel. Es ist nicht bloß eine Frage müßiger Neugierde, die Frage: was werden wird? Der Mensch mit dem Blick in die Vergangenheit, und mit dem Blick in die durch die Durchkreuzung und diametralen Bewegungen verworrene Gegenwart, wenn er emporhebt das geistige Auge, und in die Zukunft schaut, ein höheres Interesse belebt ihn da, seiner ganz würdig. Mag.er .das Räderwerk des aueeinanderlegenden Scharfsinnes, des vergleichenden Witzes in Bewegung setzen, um die durch die Vergangenheit und Gegenwart gezogenen Furchen der Zeit mit eigener Pflugschaar weiter zu ziehen, oder wenigstens vorzuzeichnen; oder seien es Gefühle vorausahnender Bangigkeit, entstanden aus der Empfindung, momentaner Nichtigkeit; oder gar das Jubeln des, sicherer Erfolge auch für die Zukunft gewissen Triumphes über eben erlangte Siege — immer ist es ein Hinausgehen über die Sphäre des beschränkten Menschen, ein Hineindrängen in ein prophetisches Wühlen, ein Stufe höher hinauf. Wie die.Antwort laute? das'ist eine andre Sache. Der Jrrthum liegt nahe, -weil die Antwort aus momentanen Voraussetzungen entspringt. Könnte man sich versetzen in den Mittelpunkt der Gegenwart, hatte man die Faden des ganzen Lebens allesammt in Händen: dann nur würde die Antwort die rechte sein, weil sie eben 'die Zukunft selber wäre. Nur Diesem sich immer näher zu drängen, ist dem Menschen gestattet,, und je näher er kommt, desto richtjgrr wird seine Antwort sein. Noch besser aber ist es, wenn der Mensch, das Ahnen und Sehnen,, das Hoffen und Bangen abschüttelnd, sich ein Ziel setzt, und, seine Fehler und Schwachen erkennend, sich ihrer zu entschlagen sucht. Das ist nicht bloß eine Frage an die Zukunft, es ist zugleich ein Wirken für die Zukunft. Ec bereitet sich dann schon die Zukunft, und eine bessere. — Lasset uns hier, wo wir von der Zukunft des Judenthums im neuen Jahrhundert sprechen, einmal beide Wege versuchen. Blicken wir auf die Resultate des ablaufenden Jahrhunderts, wie wir sie im ersten Artikel skizzict, zurück, und knüpfen' unsre Hoffnungen und Voraussi'chten daran. Kann, fragen wir uns da, kann wohl die europäische Gesellschaft, nachdem sie so bedeutsame Schritte in der Emanckpation der Juden gemacht, kann sie wol im Ganzen und Großen zurückschreiten?' kann sie zurückweichen in die abgetretenen Fußstapfen der frühem Zeit, in die verlebten Formen des Mittelalters? kann sie, nachdem sie die Fesseln selbst abzuschlagen begonnen, sie selbst wieder anlegen? Mag man immerhin hier und da, von einem augenblicklichen Vorurtheile, einer augenblicklichen falschen Richtung ergriffen, einen Rückschritt wagen, ein Stück Mittelalter der Jetztzeit anheften — nur mit äußerster Verleugnung seiner selbst vermag man dies und die bösen Folgen zeigen sich sofort— um wie viel weniger vermag sie zum Ruckzuge zu blasen, wenn sie das Schlachtfeld schon fast ganz in Besitz genommen. Oder vermag sie stille zu stehen? Stillstand ist möglich, wo das Leben zu fließen aufgehört, wo die Pulse stocken, und das Herzblut gerinnt; wenn eine Zeit sich abgechan , ihren Inhalt und ihre Form'erschöpft hat, und keine anregenden Lebensmomente, mehr enthalt, dann bleibt sie stehen, und der tobte Salomo sitzt noch eine Weile auf seinem Throne, bis die Grundlagen zerfressen sind und zu Staube zerfallen. Aber wo sich eben eine Zeit mit jungen